Erfolgswelle nach ProSieben-Show

Nach Sieg bei "Ding des Jahres": Wasserburger Unternehmen Grünkunft platzt aus allen Nähten

Ihnen liegt die Umwelt am Herzen: Christoph Kleber und Edna Kleber-Belizário aus Wasserburg in ihrem Grünkunft-Laden in der Altstadt. Hier gibt es Bio-Produkte in plastikfreier Folie („Nachhälter“) verpackt.
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Ihnen liegt die Umwelt am Herzen: Christoph Kleber und Edna Kleber-Belizário aus Wasserburg in ihrem Grünkunft-Laden in der Altstadt. Hier gibt es Bio-Produkte in plastikfreier Folie („Nachhälter“) verpackt.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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„Das Preisgeld vom ,Ding des Jahres‘ haben wir in die Firma gesteckt. Das ist das beste Investment, das man machen kann“, sagt Grünkunft-Geschäftsführer Christoph Kleber ein Viertejahr, nachdem der Zellulose-Beutel „Nachhälter“ bei der Pro-Sieben-Erfindershow abgeräumt hat. Das Unternehmen erschließt nun weitere Geschäftsfelder.

Wasserburg/Rott– Ihre plastikfreie Folienverpackung aus Zellulose, „der Nachhälter“, hatte im März bei der Pro-Sieben-Erfindershow „Ding des Jahres“ abgeräumt.

Nun erschließen sich die findigen Eheleute Christoph Kleber und Edna Kleber-Belizário aus Wasserburg neue Geschäftsfelder – natürlich dreht sich alles um biologisch abbaubare Verpackungen.

Neue Halle wird schon wieder zu klein

Grünkunft bietet seit Frühjahr 2018 in seinem Laden in der Wasserburger Altstadt unter den Arkaden Bio-Produkte, die plastikfrei verpackt sind. Im ersten Obergeschoß am Marienplatz 19 befindet sich die Geburtsstätte ihrer Erfindung: die biovegane Folienverpackung aus Zellulose, der „Nachhälter“, die in Deutschland hergestellt wird. Inzwischen ist dieses Feld outgesourct, weil Grünkunft ausgelastet ist.

Keinen zusätzlichen Abfall beim Versand erzeugen

Vergangenen September zogen Produktion, Verpackung und Vertrieb aus dem Provisorium über dem Laden nach Rott in eine Halle um. Hier werden die Bio-Lebensmittel und Pflegeprodukte und etwa Waschmittel für den Laden in Wasserburg, den Einzelhandel und die Online-Shops eingetütet – per Hand oder maschinell – mit einer speziellen Technik vernäht und für den Versand oder die Spedition bereit gemacht. Die Zellulose-Folie kann nicht geschweißt werden, denn dann schmilzt sie. Versandboxen der Partner sind im Einsatz – damit kein zusätzlicher Abfall entsteht.

Paranüsse, schokolierte Mandeln, Trockenobst und Co. in plastikfreie Folie – den Nachhälter – verpackt. Grünkunft-Chef Christoph Kleber in seiner Produktionshalle in Rott am Inn. Die befüllten Holzkisten heißen „Displays“, sind fertige für den Verkauf. Sie kommen mit einer Hartfaserplatte verschlossen beim Kunden an und können direkt so aufgestellt werden.

Und schon wieder wird‘s zu eng in der Halle in Rott. „Wir planen derzeit einen weiteren Standort, natürlich in der Region“, so Christoph Kleber. Denn das Unternehmen der Klebers wächst weiter, hat mittlerweile 16 Mitarbeiter.

Kooperationen mit anderen Gründern

Und die beiden jede Menge Ideen. Grünkunft stellt sich breiter auf und hat mit anderen umweltbewussten Gründern wertvolle Kooperationen geschlossen, wie der 35-jährige Unternehmer berichtet. In dieses neue Standbein wurde eine mittlere siebenstellige Summe investiert und somit das Portfolio erweitert. Der Markenkern bleibt: nachhaltige Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen.

Grünkunft unterstützt demnächst andere Startups mit einer vergleichbaren Vision, in Europa Fuß zu fassen. „Wir bringen deren Produkte auf den Markt“. Europa sei ein guter Markt für Nachhaltigkeit, man dürfe aber auch die USA nicht unterschätzen und müsse auch die anderen Kontinente im Blick haben.

Umsetzung 2020 geplant

Kleber darf noch nicht mehr verraten, außer dass es sich um ein „völlig neues Feld von Verbundverpackungen“ handelt, die biologisch abbaubar sind. Noch für 2020 ist die Umsetzung geplant. Die Wasserburger werden das Verbundmaterial der Partner importieren, an dem noch zu gründenden Standort weiter verarbeiten und an Verpackungsabnehmer weiterreichen.

Sehr viele Zoom-Meetings mit Partnern, die auf der ganzen Welt verstreut sind, fanden während des Corona-Lockdowns statt. Ein positiver Effekt, den die Pandemie in seinen Augen auf die Business-Welt haben könnte: „80 Prozent der Herumfliegerei wegen geschäftlichen Besprechungen könnten durch Videokonferenzen ersetzt werden.“

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Durch die Corona-Krise habe sich der Grünkunft-Umsatz verschoben: Der Online-Handel sei stark angestiegen. Interessanterweise bestellen zunehmend mehr Senioren aus Altenheimen und lassen sich das Sortiment schicken, sagt Christoph Kleber.

Ein Unternehmer muss in Vorleistung gehen

Stark eingebrochen sei dagegen das Geschäft der Einzelhandelspartner während des Lockdowns. Die Grünkunft-Produkte gibt es häufig in Flughafenshops, Fußgängerzonen und Einkaufszentren, die monatelang wie leer gefegt waren. „Als Unternehmer muss man ja immer in Vorleistung gehen und auch mal Durststrecken überstehen. Und man muss die Saat ausbringen“, sagt der Grünkunft-Chef voller Zuversicht.

Der „Nachhälter“ kommt nach dem Sieg als „Das Ding des Jahres“ groß raus und künftig nicht nur zum Einsatz, um Lebensmittel für den eigenen Bio-Laden verpacken zu können. „Der Laden in der Altstadt ist unser Baby, der bleibt natürlich bestehen. Wir werden zusätzlich auch als Verpackungslieferant für andere Branchen auftreten“, sagt der Grünkunft-Chef. Warum also nicht Schrauben oder Kleinteile aus der Autoindustrie umweltfreundlich verpacken?

Im Moment wandern noch Trockenfrüchte, schokolierte Nüsse, Reis und beispielsweise Saaten in die Zellulose-Tütchen.

Pralinen werden per Hand verpackt

Teilweise per Hand, wenn es um edle Pralinen geht, denen das Vibrationsförderband nicht bekommt. Eine Abfüllanlage reicht für die anderen Waren nicht mehr aus, die Kapazität ist erschöpft, darum wurden nun zwei weitere Anlagen installiert.

Das Trockenlager ist gut gefüllt, die „Picker“ sausen durch die Gänge und stellen die jeweiligen Bestellungen zusammen. Nicht aber für Großkunden. Für Palettenware ist hier kein Platz. Kleber lacht gut gelaunt, nimmt sich ein Tütchen Mandeln in Zartbitterschokolade und sagt mit Blick in die Zukunft: „Wir müssen einfach wachsen“.

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