Vom Keller auf den Körper: Marcel Pumpe aus Rott hat Label für nachhaltige Mode gegründet

Aktuell noch ein Nebenjob-Hobby: Nach Dienstschluss bei Eder Landtechnik packt der Gründer die Pakete für die Kunden.
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Aktuell noch ein Nebenjob-Hobby: Nach Dienstschluss bei Eder Landtechnik packt der Gründer die Pakete für die Kunden.

Noch ist es für Marcel Pumpe aus Rott sozusagen ein Nebenjob-Hobby, doch die Geschäfte laufen gut: Der 25-Jährige hat das Modelabel „MJP-Fashion“ gegründet, das auf nachhaltige Produktion der Bekleidung setzt. Die Idee dazu kam dem gelernten Koch und Kaufmann in der Mittagspause mit Kollegen.

Von Katharina Heinz

Rott – Ein unscheinbares Wohnhaus am Ortsrand von Rott. In einem der Kellerräume steht neben gestapelten Winterreifen ein Tisch voller Verpackungsmaterial. Davor sitzt Marcel Pumpe auf einem Karton, der als provisorischer Stuhl herhält. Hier im Kellerabteil verpackt er seine Pakete, die der anschließend in die ganze Bundesrepublik verschickt.

Aus einem Schrank mit vielen Fächern sammelt er die nächste Bestellung zusammen: ein T-Shirt in Weiß und eine kurze Baumwoll-Shorts in dunkelblau, beide mit kleinen Logos versehen. „MJP-Fashion“ steht darauf. Es ist der Namen des Modelabels, dass Pumpe gegründet hat. Die Geschäftsidee: Er kreiert und vertreibt junge, legere und öko-zertifizierte Mode. Aus dem Keller in Rott gelangen die Shirts, Hoodies und Shorts von „MJP-Fashion“ bis nach Hamburg oder Berlin.

Koch und Kaufmann

„Ich habe mich schon immer für Klamotten interessiert“, erzählt der 25-Jährige. Die Idee, ein Modellabel zu gründen, kam dann aber doch unvorhergesehen. Nach der Realschule in Rosenheim hat er zunächst eine Ausbildung zum Koch absolviert, danach noch eine Lehre zum Kaufmann für Groß- und Einzelhandel draufgesetzt.

Bei seinem Ausbildungsbetrieb, Eder Landtechnik in Tuntenhausen, ist er heute noch in Vollzeit angestellt. „Beim Mittagessen mit einem Kollegen kamen wir ins Überlegen, mit was man sich selbstständig machen könnte“, so Pumpe. Da kamen ihm Klamotten in den Sinn. Doch nicht irgendwelche, sondern fair produziert und in Öko-Standard.

Recherche zur Herstellung von Bekleidung

„Ich achte selber sehr darauf, was ich anziehe“, erzählt der Unternehmensgründer. Irgendwann habe er angefangen, zur Kleidungsherstellung zu recherchieren. Dabei hat er erfahren, wie umweltschädlich und unmenschlich der Großteil der konventionellen Mode produziert wird. Und sich gedacht: „Das geht doch auch anders!“ Damit war die Gründungsidee von MJP-Fashion geboren.

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Nachdem der Name und auch ein Logo gefunden waren, ging es auf die Suche nach einem Produzenten. „Das war das Schwierigste“, so Marcel Pumpe. Denn die Materialien sollten 100 Prozent Bio sein, ohne Pestizide und Chemie, die Mitarbeiter sollten angemessen entlohnt werden und unter fairen Bedingungen arbeiten. Schließlich fand er einen Produktionsbetrieb mit Sitz in Deutschland, der Türkei und Bangladesch, der alle Anforderungen erfüllt. Die Klamotten, die nach den Ideen von Pumpe von zwei Designern gestaltet werden, werden dort unter strengen Kriterien hergestellt.

Biobaumwolle und recyceltes Polyester

Die Kleidung aus Biobaumwolle und recyceltem Polyester verfügen unter anderem über das GOTS- und das Öko-Text-Zertifikat. „Klar ist das ein bisschen teurer, ich zumindest gebe aber lieber etwas mehr für ein Kleidungsstück aus, das fair produziert wurde“, findet Pumpe.

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Über ein Jahr hat es gedauert, bis nach der Unternehmens-Idee schließlich die erste Kollektion fertig war. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte der junge Gründer schließlich das erste Shirt für den Verkauf in der Hand. Den Stil seiner Klamotten beschreibt er als jung, leger und schlicht. Im Vordergrund, so der Ansatz, soll die Qualität und die faire Herstellung des Produktes liegen.

Freude über die „tollen Rückmeldungen“

„Am Anfang war es schwierig“, gibt der Modelabel-Gründer zu. Zunächst bestellten Freunde und Bekannte in seinem Online-Shop. Doch inzwischen steigen die Bestellungen. „Ich bekomme ganz tolle Rückmeldungen“, sagt er voller Freude. Sogar nach Berlin und Hamburg verschickt Pumpe inzwischen seine Klamotten. Die Pakete packt er immer abends, nach seinem eigentlichen Job. „Mein Arbeitgeber ist sehr kulant, was meine Nebentätigkeit angeht“, lobt Pumpe.

Doch wenn der Umfang seines Unternehmens weiter zunehmen sollte – er davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann – würde der junge Mann auch komplett umsteigen. Er würde dann nicht nur den Online-Handel weiter ausbauen, sondern liebäugelt auch mit einem kleinen, eigenen Shop in der Region.

Nebenjob-Hobby auf Wachstumskurs

„Doch das ist noch Zukunftsmusik“, sagt er. Aktuell ist MJP-Fashion für ihn ein Nebenjob-Hobby auf Wachstumskurs. „Es geht mir nicht ums Geld-Verdienen“, so Pumpe. „Es macht mir einfach Spaß, den Leuten etwas zu geben, was ihnen Freude macht.“

Das findet auch im Rotter Rathaus positive Resonanz. „Für mich war es zugegebenermaßen neu, dass wir vor Ort ein Unternehmen haben, dass ökologisch zertifizierte Mode ‚Designed in Rott‘ anbietet“, so Bürgermeister Daniel Wendrock. Das zeige, wie breit die örtlichen Unternehmen aufgestellt seien. Und, dass das wichtige Thema „Nachhaltigkeit“ gerade bei Jungunternehmen immer mehr an Bedeutung gewinne.

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Auch bei der IHK in Rosenheim begrüßt man das Unternehmertum von Pumpe. Denn dass sich junge Menschen selbstständig machen, liege nicht unbedingt im Trend und sei daher ein mutiger Schritt. Wolfgang C. Janhsen, Leiter der IHK-Geschäftsstelle, betont: „Damit Bayerns Wirtschaft auch in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen kann, brauchen wir unbedingt mehr Menschen wie Marcel Pumpe.“ Gerade die jungen Gründer lebten am Puls der Zeit und würden die Wünsche und Bedürfnisse der Verbraucher von heute erkennen.

Vom Shirt bis zur Short: Marcel Pumpe stellt die Klamotten einer neuen Bestellung zusammen.

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