Die Volks- und Raiffeisenbanken bündeln ihre Kräfte

Präsentierten eine erfreuliche Bilanz:Dr. Walter Müller, Hubert Kamml, Mirko Gruber und Roland Seidl (von links), die Vorstände der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG, bei der Jahrespressekonferenz. Heinz

Trotz andernorts herrschender Hysterie war die Stimmung bei der Vorstellung der Bilanz 2019 der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemseeausgesprochen gut. Schließlich konnten die Vertreter der Genossenschaftsbank positive Zahlen und große Projekte präsentieren. Für die Genossenschaftsbank steht ein Jahr der Verschmelzung bevor: Mit dem Zusammenschluss der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG mit der „VR meine Raiffeisenbank eG Altötting will man einen regionalen Champion schaffen.

Rosenheim – Ohne Handschlag begrüßten die Vorstände der eG ihre Gäste bei der Jahrespressekonferenz in Rosenheim. Nicht aus mangelnder Freundlichkeit, sondern weil sich diese Praktik in Zeiten des Coronavirus nun einmal so eingespielt hat. Trotz andernorts herrschender Hysterie war die Stimmung beim Termin in der Hauptgeschäftsstelle ausgesprochen gut. Schließlich konnten die Vertreter der Genossenschaftsbank positive Zahlen und große Projekte präsentieren.

„Einen regionalen Champion schaffen“

So steht das Jahr ganz im Zeichen der Verschmelzung der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG mit der „VR meine Raiffeisenbank eG Altötting“. „Wir wollen unsere Kräfte bündeln und einen regionalen Champion schaffen“, erklärte Vorstandsvorsitzender Hubert Kamml. Die Verschmelzung führe zu einer der substanzstärksten Genossenschaftsbanken in Deutschland: Berechnet mit Kennzahlen von 2018 würde sich eine Gesamt-Bilanzsumme von über 8,6 Milliarden Euro und eine Kundenvolumen von über 17,2 Milliarden Euro ergeben. Man erhofft sich unter anderem eine noch spürbarere Spezialisierung für die Kunden sowie gesteigerte Arbeitgeberattraktivität, Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Die Mitgliedervertreter müssen der Verschmelzung in einer Versammlung im Juni noch mit 75 Prozent zustimmen, dann kann die Zusammenführung auf technischer und rechtlicher Ebene im September stattfinden.

Sorge um die Weltwirtschaft

Trotz der Vorfreude – bei der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG sieht man die aktuellen Geschehnisse in der Weltpolitik und der globalen Wirtschaft mit Sorge. Da ist zum einen das Coronavirus, das laut Kamml „Einflüsse auf die Wirtschaft weltweit haben wird“. Problematisch für das exportorientiere Bayern ist besonders der Wirtschaftseinbruch in China. Jedes dritte deutsche Auto werde in China verkauft. Die OECD hat daher ihre Wachstumsprognose für Deutschland im laufenden Jahr auf 0,3 Prozent gesenkt.

Auch dieser Bericht könnte Sie interessieren.

Völlige Ungewissheit besteht in Sachen Brexit. Ob es ein Freihandelsabkommen mit Großbritannien geben wird und wie dieses aussehen könnte, das sei noch offen. „Für Deutschland sind hier Einkommensverluste von zehn Milliarden Euro möglich“, warnte Kamml. Dazu kommen Herausforderungen wie Niedrigzinspolitik und Einbrüche auf dem Aktienmarkt.

Doch der Vorstandsvorsitzende rief trotzdem zu Zuversicht auf. Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt lasse von Vollbeschäftigung sprechen und die deutsche Politik hätte in vergangenen Krisen viele richtige Entscheidungen getroffen. Außerdem sei insbesondere der deutsche Mittelstand gut für die Zukunft gerüstet. Mit einer Eigenkapitalausstattung von durchschnittlich 31,2 Prozent hätten sie Geld für schwierige Zeiten auf der hohen Kante.

Auch die Eigenkapitalausstattung der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG kann sich sehen lassen. Mit 672 Millionen Euro anrechenbaren Eigenmitteln liege man deutlich über dem Durchschnitt der VR-Banken in Deutschland, wie Vorstand Dr. Walter Müller erklärte.

Er präsentierte auch die weiteren Zahlen des vergangenen Jahres. Die Bilanzsumme ist demnach um 2,7 Prozent auf über 5,2 Milliarden Euro gestiegen. Beim Kundenvolumen konnte die Elf-Milliarden-Euro-Marke geknackt werden – eine Steigerung von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Genossenschaftsbank vergab knapp 1,1 Milliarden Euro Neukredite für über 4000 private und gewerbliche Investoren. Das gesamte Kreditvolumen beträgt inzwischen über vier Milliarden Euro, ein Plus von 6,6 Prozent. Dr. Müller sprach angesichts der Ergebnisse von einem „sehr erfreulichen Jahr“ und einem „sehr soliden Wachstum“.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Das zahlt sich auch für die Region aus. Wie Vorstand Mirko Gruber erklärte, hat die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Euro an Spenden und Sponsoring für Projekte der Region ausgegeben. Das Grundstockvermögen verschiedener regionaler Stiftungen beträgt rund zehn Millionen Euro. In den Kommunen zahlte die Genossenschaftsbank rund neun Millionen Euro Gewerbesteuer, investierte 19 Millionen Euro und stärkte durch Gehälter in Höhe von 40 Millionen Euro die Kaufkraft.

Verändertes Kundenverhalten

Eine Herausforderung, für die man sich derzeit rüstet, sind die veränderten Kundenanforderungen. Diese erledigen ihre Bankgeschäfte vermehrt online. Wie Vorstand Roland Seidl skizzierte, nutze rund die Hälfte der Kunden bis 59 Jahre Onlinebanking. 95 Prozent der Kunden hole sich Geld beim Bankautomat – doch für die verbleibenden fünf Prozent müsse man dennoch die gesamte Infrastruktur an den Schaltern aufrechterhalten. Daher will man auf der einen Seite das digitale Angebot weiter entwickeln – auf der anderen Seite Kompetenzen bündeln. Auch deswegen setzt man große Erwartung in das Verschmelzungs-Vorhaben.

Kommentare