Vertreter der Metall- und Elektrobranche blicken in Mühldorf pessimistisch in die Zukunft

Die positiven Erwartungen im Vergleich liegen vor allem an den schlechten Vormonaten. Die Elektro- und Metallbranche steckt auch in der Region Südostbayern in einer tiefen Rezession.
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Die positiven Erwartungen im Vergleich liegen vor allem an den schlechten Vormonaten. Die Elektro- und Metallbranche steckt auch in der Region Südostbayern in einer tiefen Rezession.

Die Metall- und Elektrobranche in Südostbayern befindet sich in einer tiefen Rezession. „Es ist schlimmer, als zu Spitzenzeiten der Finanzkrise im Sommer 2009“, verdeutlichte Dr. Peter Schöttl von den beiden Branchenverbänden „bayme“ und „vbm“ in Südostbayern die Lage bei einem Termin in Mühldorf.

Von Peter Becker

Mühldorf/Rosenheim/Traunstein – Die sommerliche Konjunkturumfrage unter den Arbeitgebern der Branche fällt so schlecht aus, wie noch nie: 71,3 Prozent beurteilen das Inlandsgeschäft derzeit als schlecht, 68,2 Prozent auch den Export. Eine gute Situation auf dem Inlandsmarkt erkennen lediglich noch 13,7 Prozent der Mitgliedsfirmen. Bedingt durch den globalen Corona-Lockdown und der Angst vor einem Zweiten sehen aktuell nur 6,9 Prozent in den Auslandsmärkten Gewinnchancen. Hier waren es, zum Vergleich, im August 2019 noch 30,9 Prozent . „Was hilft mir eine nagelneue Maschine in der Werkhalle, wenn ich sie nicht ausliefern darf?“, sagte „bayme vbm“-Südost-Vorstandsmitglied Frank Eberle.

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Bei den absoluten Ergebnissen, bei denen die Branche schon im Vorjahr ein Umsatzminus von 6,1 Prozent im Vergleich zu 2018 hinnehmen musste, geht man trotz der Stabilisierung in den ersten beiden Monaten dieses Jahres nun davon aus, dass die Branche insgesamt deutlich weniger Umsätze als 2019 erwirtschaften wird. „Es gibt zwar auch Anzeichen von Bodenbildung, aber das Vorkrisenniveau erreichen wir wohl frühestens 2022“, blickt Dr. Peter Schöttl, kaufmännischer Geschäftsführer des Tittmoninger Maschinenbauunternehmens Siloking, vorsichtig in die Zukunft.

Erwartungen für den August deutlich besser

Zwar sind die Erwartungen der Unternehmer in der Branche im Vergleich zum Vorjahr zumindest für den August nun deutlich besser. Dies ist wohl aber auch der Tatsache geschuldet, dass es schlechter, als in den Vormonaten, auch gar nicht mehr laufen kann: Beispielsweise im April sank der Export im Vergleich zum Vorjahr um 52,4 Prozent, im Mai betrug das Minus immerhin noch 43 Prozent. Mehr als ein Viertel der Mitgliedsunternehmen erwartet daher, 2020 nur mit Verlusten abschließen zu können, die gleiche Zahl hält allerdings trotz der Krisenmonate immer noch mehr als vier Prozent Nettoumsatzrendite für möglich. Der Großteil der restlichen Unternehmen (19,2 Prozent) rechnet, mit einer schwarzen Null aus dem Geschäftsjahr zu gehen, das restliche Fünftel erwartet nach Steuern immerhin noch Gewinne von ein bis vier Prozent.

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Die Vorsitzenden der Verbände „bayme“ und „vbm“ in Südostbayern fordern, um Insolvenzen zu vermeiden, dass sich die Gewerkschaften weiterhin der Situation angemessen verhalten und wünschen sich von der Politik auch über die Soforthilfen hinaus, die Schaffung von günstigen Kreditmöglichkeiten. „Im Herbst wird es den Moment der Wahrheit geben“, prognostizierte der Geschäftsführer der oberbayerischen „bayme vbm“-Geschäftsstelle in München, Marc Hilgenfeld. Seiner Meinung nach sollten die Firmen in der Region aber zusehen, ihre Mitarbeiter zu halten. Unternehmen mit einer solchen Strategie seien auch aus der Finanzkrise von 2009 am besten heraus gegangen, erinnert Hilgenfeld.

Bei zweitem Lockdown drohen viele Insolvenzen

Sollte es allerdings einen weiteren Shutdown geben, dann seien in der vom Export abhängigen Branche Insolvenzen unvermeidlich, so Dr. Peter Schöttl. Denn auch wenn etwa die Hälfte der Branche in der zweiten Jahreshälfte die Produktion schon wieder erhöhen kann, so muss ein Viertel der Unternehmen diese weiter verringern.

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Zwar gibt es auch Gewinner der Krise, wie „bayme vbm“-Vorstandsmitglied Andreas Bublak berichtet: Sein Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern hat das beste Halbjahresergebnis in 30 Jahren Firmengeschichte erzielt. „Jetzt haben die Firmen erkannt, wo sie in den letzten Jahren geschlafen haben“, erklärte der Vorstand der Burghauser IT-Firma COC AG. Allerdings befürchtet auch er angesichts der allgemein schlechten Geschäftszahlen, infolge derer 34,5 Prozent der Mitgliedsunternehmen aus der Region Südost ihre Investitionen in der zweiten Jahreshälfte 2020 weiter zurück fahren müssen, dass die Aufträge auch in der IT-Branche in den nächsten Monaten und Jahren zurück gehen werden. Bublak fordert, dass die IT-Branche gerade in der jetzigen Situation mehr als Innovations-, denn als Kostenfaktor begriffen werden müsse.

Ausfall von Messen als großes Manko

Dass sie, besonders auch wegen der nach wie vor rückständigen Infrastruktur in Bayern, kein Allheilmittel sei, verdeutlichte wiederum sein „bayme vbm“-Vorstandskollege: „Auch mit drei-vier verschiedenen Kameraeinstellungen kann ich eine komplexe Maschine nur schwer per Video verkaufen“, führte Frank Eberle aus. Er ist einer von zwei Geschäftsführern der Firma Alpma aus Rott, dessen Firma sich auf Maschinen der Milchverarbeitung spezialisiert hat. Er bedauert vor Allem, dass die Branchenmessen inzwischen zu Regionalveranstaltungen verkommen seien, sofern sie nicht komplett ausgefallen seien.

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