Verschnaufpause nach Rekord - Mühldorfer Steckerproduzent ODU erreicht 210 Millionen Euro Umsatz

Weltweit unterwegs, jetzt auch mit einem Steirer in der Geschäftsführung: Dr. Josef Leitner (links) zusammen mit dem Sprecher der Geschäftsführung Dr. Kurt Woelfl. hon

Gegen den Rückgang auf dem weltweiten Steckermarkt ist ODU in Mühldorf auch im vergangenen Jahr gewachsen. Das konnten auch die aufwendige SAP-Einführung, der Handelskrieg zwischen den USA und China und der Brexit nicht verhindern. Als neuer Gegner ist heuer das Corona-Virus dazugekommen.

Von Markus Honervogt

Mühldorf –  Nach einem neuen Rekordjahr plant ODU heuer kein weiteres Wachstum. Der Mühldorfer Hersteller von Steckverbindern geht aber davon aus, dass er den Umsatz von 210 Millionen Euro wird halten können.

Der größte Arbeitgeber in der Stadt hat sich auch 2019 erneut steigern können, trotz gravierender innerbetrieblicher Umrüstungen. So ruhte die Produktion während der Einführung des Computersystems SAP im Frühjahr des vergangenen Jahres nach Angaben des Sprechers der Geschäftsleitung, Dr. Kurt Woelfl, für 14 Tage weitgehend. Der erneut Anlauf im Mai brachte aber bereits im Juli einen Umsatzrekord.

Vorbereitet auf den Handelskrieg USA - China

Von einem „interessanten Jahr“ sprach Woelfl, in dem neben den internen Umstellungen und der Etablierung der neuen Galvanik auch weltweite Entwicklungen Einfluss hatten. Dazu gehörten das Abflauen der Weltwirtschaft und der Handelskonflikt zwischen den USA und China. So entwickelte der Mühldorfer Steckerproduzenten Pläne, um die Produktion des wichtigen Medizinsteckers Medi-Snap auch außerhalb Chinas zu ermöglichen, falls der Handelskrieg eskalieren sollte.

Dem allgemeinen Rückgang auf dem Steckermarkt konnte sich ODU mit Erfolg entgegenstemmen.

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In den drei wichtigsten Bereichen Medizintechnik, Mess- und Regeltechnik und Militärtechnik erzielte ODU ein Wachstum von sieben Prozent, lediglich der schwächelnde Bereich Automotive drückte das Gesamtwachstum auf fünf Prozent, sodass am Jahresende ein Rekord-Umsatz von 210 Millionen Euro stand. Für heuer ist konjunkturbedingt kein Wachstum vorgesehen. „Wir wollen in allen vier Bereichen erfolgreich sein, wenn wir den Umsatz halten, sind wir zufrieden“, betonte Woelfl.

Dem entspricht der Verzicht auf Erweiterungen am Standort Mühldorf. Zwar überarbeitet die Stadt gerade die Bauleitplanung für das ODU-Gelände, große Baumaßnahmen sind heuer und in den kommenden Jahren aber nicht vorgesehen. Trotzdem will ODU wie im vergangenen Jahr weltweit etwa 20 Millionen Euro investieren.

Neu in Korea – Stopp in Schanghai

Neu ist der Standort Korea, dort hat ODU im vergangenen Jahr eine Vertriebsgesellschaft gegründet, in Rumänien wurde am bestehenden Standort ein neues Werk eingeweiht. In China ruht die Produktion, das Corona-Virus wirkt sich auch auf das Werk in Schanghai aus. Dienstreisen dorthin sind laut Woelfl derzeit ausgesetzt.

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Vom Ausscheiden Großbritanniens aus der EU am vergangenen Wochenende erwartet der Sprecher der Geschäftsführung keine Nachteile. „Das ist für uns kein großes Thema“, sagte Woelfl. Das liege daran, dass ODU vor allem Produkte anbiete, die auf die einzelne Kunden genau zugeschnitten seien.

ODU beschäftigt weltweit 2300 Mitarbeiter, davon 1300 in Mühldorf. 140 junge Leute lernen am Inn einen Beruf oder absolvieren ein duales Studium. Heuer kommen 34 neue Lehrlinge und Studenten in elf Berufen dazu.

Neuer kaufmännischer Geschäftsführer

Mit Dr. Josef Leitner hat ODU seit 7. Januar ein drittes Mitglied der Geschäftsleitung. Der 41-jährige Steirer leitet den kaufmännischen Bereich. Er arbeitete zuletzt in ähnlicher Verantwortung bei der Wiener Firma Isi-Automotive und Hörbiger Kompressortechnick. Er ist ausgebildeter Techniker und Betriebswirt.

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Leitner, dessen Frau und zwei kleinen Kinder noch in Tulln bei Wien leben, ist nach Denis Giba (Vertriebsleitung) und Geschäftsführungs-Sprecher Dr. Kurt Woelfl (Technische Leitung) das dritte Mitglied der ODU-Geschäftsleitung. An ODU schätzt Leitner „die Ingenieurskunst und den unternehmerischen Mut“.

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