Verband „Chiemgau Tourismus“: Ansturm nach dem Corona-Lockdown glättet die Sorgenfalten

Der Verband Chiemgau-Tourismus hat seine kostenlosen Programme „Wanderherbst“ und „Radlherbst“ um vier Wochen bis Ende November verlängert.
+
Der Verband Chiemgau-Tourismus hat seine kostenlosen Programme „Wanderherbst“ und „Radlherbst“ um vier Wochen bis Ende November verlängert.

Während nach dem coronabedingten Lockdown der Tourismus im Chiemgau nahezu am Boden lag, sorgte nach Angaben des Verbands „Chiemgau Tourismus“ in den vergangenen Wochen ein Ansturm an Urlaubern dafür, dass der Schaden im Rahmen bleibt. Der Verband spricht von einem „Minus, auf das wir stolz sind“.

Von Claudia Kreier

Traunstein– Katastrophal sah es nach Angaben des Verbands „Chiemgau Tourismus“ von März bis Mai aus, als den Hotels und Urlaubsbauernhöfen aufgrund der Corona-Krise nur noch Stornos ins Haus flatterten. Viele Vermieter von Zimmern und Ferienwohnungen standen am Rand ihrer Existenz. Die Übernachtungszahlen brachen laut Statistischem Landesamt um 41 Prozent ein.

Ansturm nach dem Lockdown

Mit einem nie erlebten Ansturm von Gästen nach Aufhebung der Reisebeschränkungen erholt sich der Chiemgau laut der aktuellen Zahlen jedoch: Ende August lagen die Zahlen nur noch 24 Prozent unter dem Niveau von 2019. „Ein Minus, auf das wir stolz sind“, sagt der Geschäftsführer von Chiemgau Tourismus e.V., Stephan Semmelmayr: „Keine andere Region in Oberbayern ist so nah an den Vorjahreszahlen, das ist sehr positiv. Ein kleiner Haken daran ist, dass nicht alle Betriebe sich gut erholen konnten.“

Lesen Sie auch:Keine Urlaubsgäste aus Risikogebieten – In Rosenheim geht Angst vor „Stornierungswellen“ um

Der 52-Jährige rechnet jedoch damit, dass sich aufgrund der guten Buchungslage im August und September das Minus noch weiter aufzehren wird – „hoffentlich zugunsten aller touristischen Betriebe im Chiemgau“. Um auch den Spätherbst noch zum Aufholen zu nutzen, wirbt der Verband mit einer voluminösen Kampagne für Herbsturlaub im Chiemgau. Rund 250 000 Euro fließen unter dem Motto „ChiemNow“ in Print-, Radio- und Online-Werbemaßnahmen. Dass diese bereits wirken, zeigt die Auswertung der Seitenaufrufe von chiemsee-chiemgau.info: Während die Zahl der Besucher in den vergangenen Jahren im September einbrach, bleibt sie nun auf hohem Niveau, nämlich mehr als doppelt so hoch als im Vorjahr.

Um Gästen, die sich jetzt noch für einen Urlaub im Chiemgau entscheiden, noch ein vielseitiges Urlaubserlebnis zu bieten, hat der Tourismusverband das Projekt „Saisonverlängerung“ angestoßen. Die kostenlosen Programme „Wanderherbst“ und „Radlherbst“ sind um vier Wochen bis Ende November verlängert. Beim „Waldbaden“ in Inzell können Gäste zum letzten Mal noch am 30. November erfahren, was es mit dem heilenden Effekt der Waldluft auf sich hat.

Führungen bis November

Das Siegsdorfer Naturkundemuseum bietet ebenfalls bis Ende November Führungen und Aktivitäten an. Um die Gäste mit auf eine kulinarische Reise zu nehmen, veranstaltet die Touristinfo Waging am See jedes Jahr die „Waginger Genusswochen“, die heuer bis zum 31. Oktober verlängert sind. Diese und viele weitere Angebote stehen im Internet unter www.chiemsee-chiemgau.info.

„Zum Urlaub gehören Berge und Einkehr“

In erster Linie geht es dem Tourismusexperten darum, den Gästen das Schild „geschlossen“ bei Freizeiteinrichtungen oder Lokalen zu ersparen: „Zum Urlaub im Chiemgau gehören See, Berge und Einkehr, und das alles soll möglich sein, wenn Gäste sich im November noch in der Region aufhalten.“ Deshalb ist Semmelmayr schon frühzeitig auf die touristischen Akteure zugegangen, um sie ins Boot der „Saisonverlängerung“ zu holen.

Rund 10 000 Jobs im Landkreis

„Wir dachten dabei vor allem an diejenigen aus der Bevölkerung, die im Sommer oder Herbst keine Gelegenheit hatten, in Urlaub zu fahren. Sie sollen auch im November noch den Chiemgau mit all seinen Facetten erleben können“, sagt der 52-Jährige.

Lesen Sie auch:Geschäftsreisende fehlen – Sommergeschäft kann deutsche Hotels nicht retten

Zum anderen ist da noch die Existenz der Beherbergungsbetriebe, um die Semmelmayr sich sorgt: „Der Tourismus sorgt für Wohlstand und gute Infrastruktur. Rund 10 000 Jobs im Landkreis hängen direkt oder indirekt am Tourismus. Es gilt, dies nachhaltig zu sichern.“

Corona-Reisevorgaben: Tourismusverband übt Kritik

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) hat die in manchen Bundesländern eingeführten Quarantäne-Vorschriften für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten kritisiert. „Wir brauchen dringend einen einheitlichen Rahmen für das Reisen innerhalb Deutschlands, der nachvollziehbar und praktikabel ist“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Norbert Kunz, am Dienstag in Berlin. „Die unterschiedlichen Quarantäneregeln der Bundesländer sind nicht hilfreich und führen zu starker Verunsicherung.“ Kunz forderte eine bundesweite Task Force Tourismus, bei der Politik, Branchen- und Medizinexperten praktikable Lösungen für die anstehenden Wochen und Monate vorbereiten sollten.

Kommentare