Wirtschaftspreis für Unterwössener: „Unsere Zukunftsvision: Grüne anstatt graue Städte“

Martin Auer bei xstarters.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
    schließen

Er ist frischgebackener Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs „xStarters“, lernt Industriemechaniker bei Krones in Rosenheim und besucht die Staatliche Berufsschule Bad Aibling, ist 19 Jahre alt und kommt aus Unterwössen.

Unterwössen – Wir sprachen mit Martin Auer über die App „Vertical UP“, die er mit seinem Projektpartner Maurice Heinze entwickelt.

Herr Auer, gemeinsam mit Maurice Heinze haben Sie beim Wettbewerb „xStarters“ auf ganzer Bandbreite überzeugt. Mit Ihrer App „Vertical UP“ haben Sie den ersten Preis geholt. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Martin Auer: Uns beiden ist aufgefallen, dass Menschen zunehmend in Städten leben, welche aber vermehrt graue, leblose Betonblöcke sind. Außerdem fiel unser Augenmerk auf zahlreiche Flachdächer, die komplett leer sind. Wir sind auf die Idee gekommen, diese beiden Dinge zu kombinieren und sind auf die Begrünung und Bepflanzung von Dächern und Fassaden gestoßen. Anschließend haben wir überlegt, wie wir diese am schnellsten skalieren können und sind dann auf die Idee der Plattformlösung gekommen. Unsere Vision ist es, dass wir in der Zukunft grüne, anstatt graue Städte vorfinden werden und dass Mitarbeiter ihre Pause beispielsweise im Grünen verbringen können.

Wie sind Sie das Projekt angegangen?

Auer: Wir haben uns die Frage gestellt, was die Hürden sind, die man überwinden muss um Flachdächer zu bepflanzen, und sind unter anderem ziemlich schnell auf die Finanzierung gekommen. Zudem wollten wir auch die Bürger miteinbeziehen und so kam die Idee auf, eine Crowdfun ding- Lösung zu konzeptionieren.

Sie haben die App neben Ihrer Ausbildung entwickelt – blieb Ihnen da noch Freizeit für Hobbys?

Auer: Ja klar, man muss sich das bloß gut einteilen. Allerdings ist die App nur mal ein Konzept und soll jetzt umgesetzt werden. Die Ausarbeitung der Idee beansprucht aber natürlich schon ein wenig Zeit – gerade, wenn man einen Teampartner hat, der rund 300 Kilometer entfernt wohnt. Allerdings ist das ja längst nicht die einzige Idee von mir, in die ich meine Zeit stecke. Aber wenn ich nicht gerade an Ideen bastle, dann gehe ich auch wirklich gerne in die heimischen Berge oder suche meinen Ausgleich im Sport.

Was bedeutet für Sie nachhaltiges Leben privat und im Hinblick auf den Beruf?

Auer: Meiner Meinung nach ist ein nachhaltiges Leben oder ein solcher Lebensstil natürlich auch mit dem Berufsleben vereinbar. Vieles davon ist schon von der „Bewusstwerdung“ abhängig, wie beispielsweise bewusst Fleisch zu essen. Oder eben, dass man die Pause in einem Park auf dem Dach verbringt.

Hatten Sie bereits bestimmte Plätze/Orte/ Städte im Auge, die sich besonders für Ihr Projekt anbieten?

Auer: Fürs Erste haben wir ein besonderes Auge auf Berlin, da es hier eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Flachdächern gibt, unser Accelerator hier seinen Sitz hat und das politische Klima sich bestens für nachhaltige Projekte wie unseres, eignet.

Haben Sie schon kon krete Anlaufstellen/Ansprechpartner, denen Sie Ihre App vorstellen werden?

Auer: Wir wollen natürlich auf die Politik zugehen, sowie auf lokale Unternehmen und diese von unserer Vision überzeugen.

Wie geht es jetzt nach dem Sieg weiter, was sind die nächsten Schritte?

Auer: Wir werden Anfang Dezember nach Berlin fahren und unsere Idee weiter ausarbeiten, vor Investoren pitchen und ganz viel Feedback von Mentoren einholen und einarbeiten. Danach wird dann nach und nach in einer „Lean Startup“-Weise die App zusammen mit dem Kunden entwickelt. Außerdem haben wir bereits ein Angebot, dass wir die Dächer einer Bildungseinrichtung in Berlin begrünen dürfen.

Was werden Sie mit dem Preisgeld von 15 000 Euro machen? In weitere Projekte investieren?

Auer: Die 15 000 Euro werden wir nutzen, um gemeinsam mit unserem Partner N3XTCODERS einen ersten Prototypen der Plattform zu entwickeln, um weitere Unterstützer zu finden und unsere Vision wahr werden zu lassen.

Konnten Sie bei der Preisverleihung vielleicht schon erste Kontakte knüpfen?

Auer: Ja, durchaus haben wir bereits einige tolle Kontakte und Interessenten gewonnen, wie beispielsweise auch Herrn Rickert, dem Landeskoordinator der UNESCO-Projektschulen, der uns unter anderem das Angebot in Berlin machte.

Wie waren die Reaktionen im privaten und beruflichen Umfeld auf diesen Wettbewerbssieg?

Auer: Im privaten Umfeld ist es natürlich bekannt, dass ich ein sehr kreativer Kopf bin, der immer enorm viele Ideen hat. Auch, dass mich das Thema Unternehmertum und Persönlichkeitsentwicklung schon lange beschäftigt ist vielen kein Geheimnis mehr. Deshalb haben sich wirklich viele für mich gefreut und mich zu dem Erfolg beglückwünscht. Aber natürlich hört man auch andere Stimmen oder wird auch mal schief angeschaut, wenn man wieder mit einer neuen Idee kommt, aber das gehört eben dazu.

Mehr zum Thema

Kommentare