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In der Kantine geht es stressfrei zu

Ungewöhnlich: Ameranger Industrieunternehmen bildet Koch aus

Ausbilder Pierre Rath (links) und Kochlehrling Martin Rademacher kochen für 160 Mitarbeiter bei Auer Packaging in Amerang.
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Ausbilder Pierre Rath (links) und Kochlehrling Martin Rademacher kochen für 160 Mitarbeiter bei Auer Packaging in Amerang.

Auer Packaging in Amerang ist ein Industrieunternehmen – aber bildet einen jungen Koch aus. Martin Rademacher lernt im firmeneigenen Restaurant. Damit der Azubi auch à-la-Carte-Küchenstress miterlebt, wird er einige Monate an den „Wirth von Amerang“ ausgeliehen.

Von Karlheinz Rieger und Andrea Klemm

Amerang – Ein Kochlehrling bei Auer Packaging – das ist neu. Eigentlich setzt das Unternehmen, das sich auf die Produktion und den Vertrieb von Transport- und Lagerbehältern aus Kunststoff spezialisiert hat, seit Jahren immer schon auf die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter in den kaufmännischen Bereichen oder bildet Verfahrensmechaniker/innen für Kunststoff und Kautschuk aus. Seit September wird, erstmals in der Firmengeschichte, nun auch ein Koch ausgebildet.

IHK stimmte zu

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein Unternehmen dieser Branche erscheint, erklärt sich durch das seit 2014 bestehende firmeneigene Restaurant: Dort werden Mahlzeiten aus regionalen Zutaten kostenlos für mittlerweile über 160 Mitarbeiter zubereitet, weshalb eine Verstärkung des Teams notwendig wurde.

Mit der Genehmigung durch die IHK konnten Koch Pierre Rath und sein Team jetzt den Auszubildenden Martin Rademacher neu im Gastro-Team begrüßen. Dieses erstellt eine Wochen-Menükarte und kann somit die Portionen planen und vorbereiten. Angeboten wird immer Fisch, Fleisch und etwas Vegetarisches, sowie Vorspeisen, Suppen und Desserts.

„Mir hat Kochen immer schon Spaß gemacht“, begründet der neue Auszubildende selbst seine Berufswahl. Auf den für einen Industriebetrieb eher seltenen Ausbildungsplatz sei er durch sein Schulpraktikum bei der Firma gekommen. Anschließend habe er sich auf die Ausbildungsstelle beworben. Im jetzigen Tagesablauf begeistert Rademacher vor allem, dass täglich andere Gerichte zubereitet würden. „So lerne ich auch jeden Tag etwas Neues.“

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Das präzise und doch schnelle Anrichten muss allerdings noch zur Routine werden, bekennt er. Alles will gut geübt sein, denn, so stellt er auch fest, „bei uns wird auch Wert auf die Optik der Gerichte, die an die Mitarbeiter rausgehen, gelegt“.

Dass alles gelingt, dafür sorgt Ausbilder Pierre Rath.

„Stressig ist es in der Kantine nicht“

Unterschiede bei einer Ausbildung in einer Firmenküche zu der in einem normalen Restaurant sieht er unter anderem in einem geringeren Stressfaktor. Daher könne ein anderer Umgangston gepflegt werden und man habe mehr Möglichkeiten, in Ruhe Dinge zu erklären. Dazu komme mehr Planungssicherheit für die Küche. Es sei ja bekannt, welche Gerichte es gebe und wie viele Personen zu verpflegen seien.

Schwerpunkte setze er vor allem auf Qualität vor Quantität, auf regionale Bioprodukte sowie gesunde und frisch zubereitete Mahlzeiten ohne Convenience Food. Es würden auch immer neue Gerichte ausprobiert und darauf geachtet, wie die Mitarbeiter diese annehmen. Dadurch sei der Kreativität generell keine Grenzen gesetzt.

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Seinem Auszubildenden möchte Rath jetzt zunächst die Grundlagen, wie die all-gemeine Küchenhygiene und den verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln beibringen. Aber auch Schneide- und Schälarbeiten gehören zu den Grundfähigkeiten. Im Vordergrund steht aber erstmal die korrekte Arbeitsausführung, nicht die Schnelligkeit.

Ungewöhnlicher Ausbildungsort

„Einen Koch in einem Industrieunternehmen ausbilden – das ist ungewöhnlich“, sagt Rudolf Zellner, Stellvertretender Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Die Gastronomie sei allerdings auch einem großen Wandel unterworfen, stelle er fest.

Der Brannenburger freut sich, dass der junge Mann bei Auer Packaging in der Lehre alles lernt, was er für die Prüfung braucht. Er empfiehlt dem Unternehmen, den Azubi auch zu einer Lehreinheit in eine externe à-la-Carte-Küche zu schicken, damit er die Belastung kennenlerne, wie es sei, stoßweise die Bestellungen von mehreren Tischen auf einmal ab zu arbeiten. Somit sei er im späteren Berufsleben auch für diese Art der Gastronomie gewappnet.

„Ja, das machen wir auch, das haben wir mit der IHK so vereinbart. Martin wird deswegen auch für einige Monate zum ,Wirth von Amerang‘ ausgeliehen, damit er mitkriegt, wie es da läuft“, so Rath, der natürlich sehe, dass diese Ausbildungskomponente in seiner Kantine nicht möglich sei.

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Zellner bedauert, dass die Nachfrage der jungen Leute, eine Ausbildung in der Gastronomie zu machen, sehr stark nachgelassen habe. Das Studieren sei sehr viel gefragter. „Selbst die Betriebe mit den großen bekannten Namen können ihre Ausbildungsplätze nicht mehr ausreichend besetzen“, so Zellner.

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Über das Unternehmen:

Auer Packaging GmbH produziert pro Jahr rund 42 Millionen Kunststoffbehälter und plant mit 160 Mitarbeitern für 2021 einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro. Zu den Kunden zählen etwa Audi, BMW, Mercedes-Benz, Bosch sowie VW. Das Unternehmen gibt für 90 Prozent seines Sortiments eine 24-Stunden-Versandgarantie. Auer Packaging betreibt ein systematisches Energiemanagement nach ISO 50001 und ist nach ISO 9001 zertifiziert.

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