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LUFTFAHRT IN DER KRISE

Überseer Aircraft Philipp zu 70 Prozent von österreichischem Konzern AMAG übernommen

Als Spezialist in der Herstellung einbaufertiger Metallbauteile für die Luft- und Raumfahrtindustrie kann sich Aircraft Philipp aus Übersee seit Ende vergangenen Jahres auf den österreichischen Aluminiumkonzern AMAG als starken Partner stützen.
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Als Spezialist in der Herstellung einbaufertiger Metallbauteile für die Luft- und Raumfahrtindustrie kann sich Aircraft Philipp aus Übersee seit Ende vergangenen Jahres auf den österreichischen Aluminiumkonzern AMAG als starken Partner stützen.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Der Überseer Luftfahrtzulieferer Aircraft Philipp gehört seit Herbst 2020 zu 70 Prozent zum österreichischen Aluminiumkonzern AMAG. Wie es weitergehen soll im schwersten Jahr für die Luftfahrtbranche.

Übersee – Nach einem der coronabedingt schwersten Jahre für die deutsche Luftfahrtindustrie sind zumindest für den Luftfahrtzulieferer Aircraft Philipp (ACP) aus Übersee die Weichen für positive Zukunftsaussichten gestellt. Zum 30. Oktober 2020 hat der größte österreichische Aluminiumkonzern Austria Metall AG (AMAG) einen Anteil von 70 Prozent an dem mittelständischen Unternehmen vom Chiemsee übernommen. 30 Prozent der Anteile verbleiben beim bisherigen Eigentümer Rolf Philipp. Dieser will sich als Geschäftsführer um die weitere strategische Entwicklung im Bereich Luftfahrt kümmern.

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Durch die Integration in den Aluminiumkonzern orientiert sich die Jahresbilanz der bisher eigenständigen ACP eng an den Vorgaben der börsennotierten AMAG. Deren Konzernchef Gerald Mayer sprach bei der aktuellen Online-Bilanzpressekonferenz von einem starken Auftragseingang und einem „geglückten Start ins neue Jahr“ nach Einbußen aufgrund der Corona-Pandemie in 2020.

Das „modernste Aluminiumwerk der westlichen Welt“ laut AMAG steht im österreichischen Ranshofen (Bezirk Braunau). Der Konzern ist seit Ende Oktober Mehrheitseigentümer der Aircraft Philipp aus Übersee.

AMAG möchte für Innovationen stehen

Mayer machte in seiner Präsentation deutlich, dass der Erwerb von ACP ein zentraler Baustein in der strategischen Ausrichtung der AMAG-Gruppe bedeutet. Der Konzern setzt vor allem auf Produkt- und Prozess-Innovationen, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit für ressourcenschonende Rohstoff-Kreisläufe.

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In den vergangenen zehn Jahren hat die AMAG-Gruppe rund eine Milliarde Euro in die Modernisierung des Standorts Ranshofen im Bezirk Braunau am Inn zum „modernsten Aluminiumwerk der westlichen Welt“ gemacht. In 2020 wurde ergänzend ein neues Zentrum für Materialinnovationen mit 150 Mitarbeitern eröffnet. Von 30 neu vorgestellten Produkten konnten die meisten bereits Absatzerfolge erzielen. Als Beispiele nannte Mayer neue Aluplatten mit optimierten Materialqualitäten sowie Produkte für das Thermomanagement in E-Fahrzeugen und Außenhautanwendungen in der Automobilindustrie.

AMAG erweitert sein Portfolio

Als „wesentlichen Umsetzungsschritt der AMAG-Spezialitätenstrategie“ wertete Mayer den Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an ACP. Durch das Tochterunternehmen erweitert der Aluminiumkonzern sein Portfolio in Richtung mechanischer Arbeiten wie Fräsen und Bohren sowie in der Herstellung von Spezialkomponenten aus Aluminium und Stahl. Ergänzend wird die sortenreine und ressourcenschonende Wiederaufbereitung von Plattenabschnitten und Spänen, die im Fräsprozess anfallen, durch geschlossene Materialkreisläufe verbessert. Closed-Loop-Recycling ist der Fachbegriff dafür.

Nachhaltigkeit in der Wertschöpfung

Ebenso optimiert wird durch den engen Zusammenschluss die sogenannte Buy-to-Fly-Ratio. Darunter versteht man das Gewichtsverhältnis zwischen eingekauftem Material und dem daraus produzierten Endprodukt. Durch die effiziente Logistik entlang einer optimierten Wertschöpfungskette werde auch der CO2-Fußabdruck verbessert. Bereits heute bestehen die Produkte, die das AMAG-Werk verlassen, zu 78 Prozent aus recyceltem Aluminiumschrott.

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Dessen Schmelze und Verarbeitung verbraucht nur fünf Prozent des Energieeinsatzes, der für die Herstellung von Primäraluminium notwendig ist. Passend dazu verfügt der Standort über das größte Zentrum für Aluminiumrecycling in Europa. Zur Versorgung mit nachhaltig produziertem Eigenstrom plant das Unternehmen – neben dem nachhaltigen Regenwassermanagement - ergänzend die mit 55.000 Quadratmetern größte Aufdach-Photovoltaik-Anlage Österreichs. Zahlreiche Auszeichnungen und Zertifizierung unterstreichen das Bemühen um nachhaltige Wirtschaftskreisläufe.

Krise wird andauern

Konzernchef Gerald Mayer erläuterte gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, dass die AMAG mit ACP „das strategische Ziel der vertikalen Integration in der Wertschöpfungskette der Luftfahrtindustrie verfolge“. Deren Krise werde wohl noch länger dauern und man werde „gemeinsam durchtauchen müssen“. Kurzfristig werde es deshalb bei ACP „keine Änderung der strategischen Ausrichtung geben“.

ACP-Miteigentümer Rolf Philipp, der zugleich Mittelstandsbeauftragter des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. ist, sagte, dass die Integration in die AMAG-Gruppe als stabiler Partner „gut und nach Plan“ laufe. Die Kombination aus einem führenden Aluminiumhersteller mit hoher Recyclingkompetenz und ACP als Hersteller von Bauteilen für die Luft- und Raumfahrt sei „einzigartig im Markt“. Damit habe man gute Voraussetzungen, „den zu erwartenden Aufschwung der Luftfahrtindustrie in den nächsten Jahren erfolgreich zu nutzen“.

Starker Partner in der Krise

Als Spezialist in der Herstellung von einbaufertigen Bauteilen und Baugruppen sowie der Zerspanung und Blechumformung von Aluminium, Titan und anderen Legierungen war Aircraft Philipp (ACP) bisher bereits in der Luft- und Raumfahrtindustrie gefragt. Mit zuletzt 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro (2019) kann sich der mittelständische Betrieb mit Standorten in Übersee und Karlsruhe künftig auf einen deutlich stärkeren Konzernpartner stützen.

Dies machen die Bilanzzahlen der AMAG-Gruppe deutlich: coronabedingt sanken die Umsatzerlöse im vergangenen Jahr um 15,2 Prozent auf 904,2 Millionen Euro. Der Absatz lag mit 404.800 Tonnen Aluminium acht Prozent unter Vorjahresniveau. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) reduzierte sich im Jahresvergleich um 24 Prozent auf 108,2 Millionen Euro – „in einem herausfordernden Marktumfeld“, wie Konzernchef Gerald Mayer betonte. Das Betriebsergebnis (EBIT) lag bei 25,3 nach 61,1 Millionen Euro im Vorjahr.

Insbesondere geringere Absatzmengen in den Bereichen Walzen, in dem auch die Luftfahrtindustrie beliefert wird, und Gießen sowie Veränderungen im Produktmix wegen der Pandemie sind für den Rückgang verantwortlich. Aktuell arbeiten 1991 Beschäftigte am AMAG-Standort Ranshofen im oberösterreichischen Innviertel. Er liegt rund 85 Kilometer entfernt von Übersee.

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