Thomas-Cook-Pleite: Reisebüros und Condor-Kunden in der Region "hängen in der Luft"

Eine Maschine der Fluggesellschaft Condor startet gestern. Der deutsche Ferienflieger ist von der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns Thomas Cook vorerst nicht betroffen. Reisen der deutschen Thomas Cook-Töchter sind vorerst abgesagt. dpa
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Eine Maschine der Fluggesellschaft Condor startet gestern. Der deutsche Ferienflieger ist von der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns Thomas Cook vorerst nicht betroffen. Reisen der deutschen Thomas Cook-Töchter sind vorerst abgesagt. dpa
  • Klaus Kuhn
    vonKlaus Kuhn
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Die Telefone in vielen Reisebüros in der Region standen gestern nicht mehr still. Betroffene Kunden wollten wissen, wie es mit ihren Reisen weitergeht. Doch auch die Reisebüros haben kaum mehr Informationen.

Rosenheim – Seit gestern verkauft die deutsche Tochter von Thomas Cook keine Reisen mehr, auch wenn von der Insolvenz zunächst nur die britische Muttergesellschaft betroffen ist. Doch die Unsicherheit ist groß. Niemand konnte gestern sagen, wie es weitergeht mit den Reisen, die unter den Marken Thomas Cook, Neckermann, Bucher Reisen, Air Marin oder Öger-Tours gebucht waren. Ob die deutschen Ableger ebenfalls Insolvenz anmelden müssen, stand gestern Nachmittag nicht fest.

Lesen Sie hier die offizielle Information von Thomas Cook

Hinter den Kulissen wurde offenbar noch heftig verhandelt. Auch der Ferienflieger Condor erklärte gestern, planmäßig weiterzufliegen. Ob und wie lange das Geld reicht, war allerdings noch offen.

Die Reisebüros in der Region gaben sich gestern mit Auskünften der Presse gegenüber recht zugeknöpft. Wessen Kunden betroffen sind, hatte auch alle Hände voll zu tun. Manchen Reisebüros bildeten kurzfristig Notfall-Teams, um der Flut von telefonischen Anfragen Herr zu werden. Doch letztendlich sitzen auch die Reisebüros in dieser Ausnahmesituation zwischen allen Stühlen. Information der Reiseveranstalter gibt es kaum und das wenige, was man sicher weiß, kann sich stündlich ändern.

Zwischen den Stühlen

„Wir hängen ebenso in der Luft“, fasst Jörg Beller vom Rosenheimer Reisebüro „Beller & Preuss“ die Situation zusammen. „Fest steht nur, dass alle Reisen von Thomas Cook für die nächsten zwei Tage abgesagt sind und dass die Fluggesellschaft Condor – vorerst – weiter fliegt.“

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Der Knackpunkt sei, dass im Augenblick einfach niemand wisse, wie es mit den deutschen Töchtern von Thomas Cook weitergehe, so Beller. „Verbindliche Auskünfte können wir nur geben, wenn sich der Veranstalter dazu geäußert hat – und das ist noch nicht passiert.“

Für Condor-Kunden momentan keine Gefahr?

Das Problem sind in Bellers Augen auch nicht die Touristen, die mit gerade Thomas Cook irgendwo in der Welt Urlaub machen. „Die Touristen vor Ort werden durch den Veranstalter ja betreut.“ Und da Condor weiter fliege, bestehe auch momentan nicht die Gefahr, dass deutsche Touristen auf Flughäfen stranden, wie es britischen Thomas-Cook-Kunden passiert ist. „Die Gefahrt besteht vor allem dann nicht, wenn andere Veranstalter als Thomas-Cook-Veranstalter involviert sind. Die würden sich dann um eine eventuelle Umbuchung kümmern.“ Die Rückreise von deutschen Urlaubern sei abgesichert, hießt es gestern auch aus der deutschen Thomas-Cook-Zentrale.

Hier entlang zur Information der Verbraucherzentrale.

Anders schaut es aber mit den Kunden aus, die bereits bezahlt haben und nun die Reise nicht antreten können. „Das Geld ist abgesichert, aber die Leute können nicht ihren wohlverdienten Urlaub antreten,“ so Beller. Der Ärger ist groß, und das Reisebüro vor Ort ist der einzig erreichbare Ansprechpartner.

Reisebüros haben die Thomas-Cook-Pleite kommen sehen

Doch den Reisebüros bleibt in dieser Situation wenig mehr, als die Kunden zu vertrösten: „Wir haben im Augenblick einfach auch keine anderen Informationen. Und was wir wissen, geben wir sofort an unsere Kunden weiter“, sagt Beller.

Entspannt war gestern dagegen Oliver Nowotny vom Kolbermoorer Reisebüro Lohmann & Nowotny: „Ich habe genau einen betroffenen Kunden.“ Notwotny hat die Pleite kommen sehen, wie er sagt: „Seit der Brexit-Entscheidung vor zwei Jahren war ich seht skeptisch, ob das gut gehen würde.“ Die Unsicherheit auf dem britischen Markt, der für Thomas Cook entscheidend ist, sei einfach zu groß gewesen. „Ich habe meinen Kunden von Reisen mit Thomas-Cook-Töchtern deshalb abgeraten“, so Notwotny. Nur ein Kunde wollte unbedingt in ein Hotel, das nur über Neckermann vertrieben wird. Ob die Reise nun wie geplant im November stattfinden kann, ist jetzt völlig unklar. „Noch ist die Reise nicht abgesagt“, so Nowotny. Wie es morgen ausschaue, könne keiner sagen.

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