Stimmung der Wirtschaft vorerst nicht mehr auf Talfahrt

Rosenheim/Traunstein/Mühldorf. – Trotz anhaltender Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft ist die Stimmung bei den Unternehmen in Südostoberbayern nicht weiter gesunken.

Zum Jahresbeginn 2020 verharrte der IHK-Konjunkturindex mit 114 Punkten bei einem ähnlichen Wert wie im Herbst 2019 (112 Punkte). Die Talfahrt ist bei der südostoberbayerischen Wirtschaft damit vorerst gestoppt, wie die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern mitteilte. Globale und regionale Unsicherheiten sorgen aber dafür, dass der Optimismus der heimischen Wirtschaft weiter gedämpft ist.

Rund 44 Prozent der südostoberbayerischen Unternehmen bezeichneten ihre Lage als „gut“. Von „befriedigend“ sprachen 46 Prozent und neun Prozent von „schlecht“. Seit Herbst 2018 sank die Geschäftslage kontinuierlich. Mittlerweile liegen die Bewertungen auf dem niedrigsten Wert seit 2015.

Beschäftigungsboomvorerst beendet

Die IHK geht aufgrund der Ergebnisse davon aus, dass sich an der Geschäftslage in den kommenden Monaten nur wenig ändern wird. Zwar blicken weniger Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Waren es im Herbst noch 25 Prozent, sind es jetzt 21 Prozent. Weiterhin lediglich 16 Prozent (Herbst: 15 Prozent) zeigten sich allerdings optimistisch für die kommenden zwölf Monate.

Das wirkt sich auch auf die Personalplanungen aus: Zwölf Prozent erklärten, weiteres Personal einstellen zu wollen. Bei 18 Prozent der Unternehmen müssen dagegen Stellen gestrichen und Personal gekündigt werden. Die Angaben der Unternehmen zeigen, dass der Beschäftigungsboom der vergangenen Jahre vorerst beendet ist.

Dennoch sieht rund jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) im Fachkräftemangel ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Das ist der niedrigste Wert seit mehr als drei Jahren.

Die wirtschaftspolitischen Risiken, sowohl global als auch lokal, erreichten dagegen ein Rekordniveau: 55 Prozent der Unternehmen in Südostoberbayern sehen in Handelskonflikten, im Brexit, in zu hohen Steuern, in ausufernder Bürokratie, in den Energiepreisen und zu hohen Steuern ein Geschäftsrisiko. Aber auch Verkehrsprobleme in der Region dämpfen die Aussichten der Unternehmen.

Die Sorgen spiegeln sich auch in den Investitionsplänen wider. 21 Prozent der Betriebe in Südostoberbayern wollen ihre Investitionen in Zukunft ausweiten. Ihre Planungen reduzieren wollen dagegen 22 Prozent. Vollständig auf Investitionen verzichten wollen sogar zwölf Prozent.

Die Vorsitzende des IHK-Regionalforums Südostoberbayern, Irene Wagner, nennt den Konjunkturbericht einen Weckruf für die Politik. „Die Industrie muss endlich wieder aus der Rezession kommen. Die Verunsicherung der Unternehmen schwächt natürlich auch die gesamte Region. Geht es der Wirtschaft schlecht, hat das Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft. Deswegen muss die Politik handeln.“

Die Unternehmerin aus Marktschellenberg fordert eine Wirtschaftspolitik, die den Unternehmen mehr Entwicklungen in die Zukunft ermöglicht und vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft stärkt. „Steuersenkungen und niedrigere Strompreise wären hier in erster Linie eine Lösung.“

Die IHK hatte für ihren Konjunkturbericht zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Traunstein, Mühldorf am Inn sowie in Stadt und Landkreis Rosenheim befragt. Dreimal im Jahr wird der IHK-Konjunkturbericht veröffentlicht.

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