Wie die Stiftung Attl ihre „Fairwerk“-Produkte in den Inntal-Werkstätten neu aufgestellt hat

Ludwig Fritz übernimmt die Bohrungen der Holzhülle für eines Weinthermometers und schleift die Oberflächen.

Seit 1996 haben die Inntal-Werkstätten der Stiftung Attl ihre Eigenmarke Fairwerk. Diese entstand 1996 aus der Zusammenarbeit mit einem Designer, für den die Metallabteilung Objekte fertigte. 2018 erfuhr die Marke eine grundlegende Überarbeitung, die nun ihren Abschluss findet.

Von Birgit Schlinger

Wasserburg – Franz Axthammer, Bereichsleiter für Technik und Fertigung, und Christine Dahnk, Projektverantwortliche für Fairwerk erklären ihre neue Strategie: „Unsere erste Kollektion war sehr stark metallorientiert und somit eine sehr gute Möglichkeit, die Auslastung in der Metallabteilung zu gewährleisten“, sagt Axthammer. Ursprünglich habe man die Eigenmarke als zweites Standbein neben den Lohnaufträgen gesehen, um Leerlaufzeiten besser ausgleichen zu können.

Erst Höhenflug,dann Absatzprobleme

Um sich vom Werkstatt-Image abzugrenzen, stellten die Verantwortlichen die Fairwerk-Produkte auf großen Konsumgütermessen wie der „Tendence“ und der „Ambiente“ in Frankfurt vor. Dieser Schritt brachte den erhofften Erfolg. „Teilweise hatten wir so viele Bestellungen, dass wir sie kaum bewerkstelligen konnten. Aber dann kam die Euro-Umstellung und die Marke begann zu schwächeln“, so Axthammer.

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Zum einen, weil die Kunden damals durch die Währungsumstellung mehr aufs Geld geschaut hätten; zum anderen, weil im Zuge der Globalisierung auch „zunehmend Produkte aus dem asiatischen Markt nach Deutschland gekommen seien, mit denen man nicht konkurrieren konnte, erinnert sich der Bereichsleiter.

Fairwerk setzt auf Nachhaltigkeit

Seit den Anfängen legt Fairwerk großen Wert auf Nachhaltigkeit. „Wir produzieren in unseren eigenen Werkstätten in Attl und Rott am Inn. Zukauf-Artikel lassen wir, wenn möglich, in anderen Werkstätten fertigen oder suchen bevorzugt Lieferanten aus Deutschland. Dabei ist uns wichtig, dass Zukauf-Artikel der EU-Chemikalienverordnung gerecht werden“, sagt Axthammer.

Viele Produkte aus Metall

2008 erfolgte ein erster Relaunch der Marke mit neuem Logo und neuen Produkten, die allerdings weiterhin sehr auf das Thema Metall ausgerichtet waren. „2016 standen wir dann erneut vor der Entscheidung ob und wie es mit Fairwerk weitergeht“, so Axthammer. „Die bis dato größte Kundengruppe der Werkstattläden war extrem rückläufig, da immer mehr Läden geschlossen wurden.“ Das habe einerseits an den Standorten der Läden gelegen, zum anderen am stetig wachsenden Wettbewerb im Bereich nachhaltige und soziale Produkte.

Ludwig Fritz übernimmt die Bohrungen der Holzhülle für eines Weinthermometers und schleift die Oberflächen.

Für Axthammer stellte sich damals die Frage: „Investieren wir und versuchen, eine neue Produktlinie am Markt zu platzieren?“ Und wenn weitermachen, in welche Richtung sollte die Kollektion gehen? Schließlich wagten die Verantwortlichen einen radikalen Einschnitt und damit einen kompletten Neustart von Fairwerk.

Vorschläge für Sortiment verändert

„Als ich 2016 anfing, hatte Fairwerk ein sehr umfangreiches Portfolio von mehr als 50 Produkten aus ganz unterschiedlichen Bereichen“, so Christine Dahnk. „Wir mussten erst einmal reduzieren und einen roten Faden in das Angebot bringen. Noch dazu waren viele Produkte, die in der Anfangszeit von Fairwerk für Absatz gesorgt hatten, nicht mehr zeitgemäß. Ein Update war notwendig.“

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Designer schlagen 50 Produkte vor

Das Fairwerk-Team verschickte Anfragen an fast 60 externe Designer, von denen gut 50 Produktvorschläge zurückkamen. „Diese haben wir gesichtet, geprüft und daraus das neue Sortiment entwickelt. Wichtig für uns war, dass wir die meisten Einzelteile selbst in den Inntal-Werkstätten fertigen können, dass alle Produkte hochwertig und nachhaltig sind sowie ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten.“ Etwa sechs Monate vergingen, bis die Auswahl getroffen, die Entwicklung der Prototypen fertig und die Kosten für Produktion und Verkauf kalkuliert waren.

Sichten neue Produkte: Josef Kelnhofer (Logistik, links), Franz Axthammer und Christine Dahnk.

Übrig geblieben sind 15 Wohnaccessoires und Geschenkideen sowie vier Holzspielwaren. „Wir haben das Sortiment zwar sehr ausgedünnt, uns aber dafür auf Produktfamilien konzentriert: So gibt es zum Beispiel unter dem Thema Wein Tropfenfänger, Weinstöpsel, Weinthermometer und Weinregale. Unter dem Thema Vasen und Pflanzgefäße bieten wir Wand- und Tischvasen sowie eine Pflanzleiter an. So ist das Produktportfolio für unsere Händler klarer geworden, Fairwerk kann sich besser platzieren als früher.“

Design und Qualität sollen überzeugen

Ebenfalls wurden der Markenauftritt und das Verpackungskonzept von Fairwerk neu entwickelt. „Als wir die Produkte entwickelt haben, war klar, dass wir uns von vergleichbaren Angeboten abheben müssen – eben weil wir nicht über den Preis konkurrieren können.“ Die Produkte sollten die Kunden unmittelbar durch ihr Design und die Qualität überzeugen.

Serkan Pala befestigt einen Metallknopf auf dem Thermometer und kümmert sich ums Verpacken.

„Dazu kommt das gute Gefühl der Kunden, dass sie durch den Kauf unserer Produkte einen sozialen Beitrag leisten“, sagt Dahnk. Das Ziel, mit preislich unter 30 Euro zu bleiben, habe man bis auf eine Ausnahme erreicht. Insgesamt habe Fairwerk nicht nur mit den Produkten, sondern auch bei den Absatzmärkten neue Wege eingeschlagen, so Dahnk.

Neues Konzept öffnet neue Türen

„Die Umsätze der Werkstattläden sind nach wie vor leider rückläufig. Aber jetzt sind wir auch bei Hotels, im Weinhandel und bei Gastronomiebetrieben vertreten und werden außerdem für nachhaltige Versandhändler immer attraktiver. Unsere Produktlinie und unser Gesamtkonzept haben uns neue Türen geöffnet.“

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