Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Ein Tropfen auf den heißen Stein“

Steuererleichterung bei Biermischgetränken keine Hilfe für Brauereien in der Region

Die Bierflaschen werden erst gereinigt, dann befüllt und etikettiert. Viele kleine Brauereien verkaufen nur Bier. Der Steuererlass auf die nach der Gärung zugefügten Zutaten zu Biermischgetränken erleichtert sie also nicht.
+
Die Bierflaschen werden erst gereinigt, dann befüllt und etikettiert. Viele kleine Brauereien verkaufen nur Bier. Der Steuererlass auf die nach der Gärung zugefügten Zutaten zu Biermischgetränken erleichtert sie also nicht.
  • VonPaula Trautmann
    schließen

Die Finanzminister wollen Brauereien aufgrund der Umsatzeinbußen während der Corona-Pandemie unterstützen. Zutaten, die Biermischgetränken wie Radler nach Abschluss der Gärung beigefügt werden, müssen diese bis 31. Dezember 2030 deshalb nicht besteuern. Den Brauereien in der Region hilft das kaum.

Mühldorf/Rosenheim – „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Marisa Steegmüller, geschäftsführende Gesellschafterin der Flötzinger Brauerei. Das Unternehmen verkaufe zwar auch Radler, das Hauptgeschäft sei jedoch das Bier. Die Schlossbrauerei Maxlrain verkauft gar keine Biermischgetränke. „Wir wollen unser gutes Bier nicht mit etwas Anderem vermischen“, sagt Braumeister Josef Kronast. Der Beschluss der Finanzminister entlastet die Brauerei also nicht.

Stattdessen wünscht er sich die dauerhafte Rückkehr zur Biersteuer-Mengenstaffel von 2003. Danach zahlen kleine und mittelständische Brauereien weniger Steuern, gestaffelt nach ihrer Jahreserzeugung. Im Mai hat die Bundesregierung beschlossen, dass die alte Biersteuer-Mengenstaffel rückwirkend zum 1. Januar 2021 und bis 31. Dezember 2022 gilt. „Wir wären sehr glücklich, wenn es so bleiben würde“, so Kronast.

Abschaffung der Steuer pro Kasten

Auch Brauereibesitzer Alois Unertl verkauft kein Radler und hat deshalb keinen Vorteil durch die Steuerleichterung. Viel sinnvoller fände er die Abschaffung der Biersteuer. Die sei „ungerecht“, eine Weinsteuer gebe es schließlich auch nicht. Rund 80 Cent beträgt die Biersteuer pro Kasten. Darauf zahle er dann noch mal Mehrwertsteuer. Das sei eine Belastung für die Brauereien. „Die Abschaffung wäre einfach und wirksam.“ Besonders weil das Bier, das Unertl sonst auf den Festen verkauft „ersatzlos“ wegfalle. Am Anfang der Pandemie sei das „ein Schock für alle“ gewesen. Die Wirte mussten schließen, die Flaschenbiere hat die Mühldorfer Brauerei zurückgeholt und in Getränkemärkte gebracht. Die Fässer sind übergeblieben.

Lesen Sie auch: Unertl Weißbräu aus Haag: Das Weißbier, das bis nach Irland geht

Geschäft „komplett“ auf Flaschenverkauf verlagert

Deshalb hofft der Bräu, dass kommendes Jahr wieder Feste gefeiert werden. „Die Leute sollen wieder Freude miteinander haben“, so Unertl. Das sei wichtig für Vereine, Schausteller und Besucher. Der Brauereibesitzer ist guter Hoffnung. Die Gastronomie erhole sich, „es geht wieder bergauf“. Braumeister Kronast sieht jedoch nach wie vor Schwierigkeiten wegen Personalmangel in der Gastronomie. Das seien „ganz andere Probleme“. Die Schlossbrauerei Maxlrain sei hingegen noch mit einem „blauen Auge davongekommen“.

Das könnte Sie auch interessieren: Camba Bavaria Seeon: Brauen und Backen gehen hier Hand in Hand

Die Mitarbeiter konnten alle beschäftigt werden, niemand musste in Kurzarbeit. Das Geschäft hat sich aber „komplett verlagert“ – auf den Flaschenverkauf. Der Absatz konnte „deutlich“ gesteigert werden. Kronast vermutet, weil niemand in den Urlaub fahren konnte, die Menschen viel Zuhause waren und dort ihr Bier getrunken haben.

„Des is Bayern, des san mia.“

Auch die Flötzinger Brauerei hat mehr Flaschenbier verkauft. Fassbier haben die Mitarbeiter während dem Lockdown hingegen gar nicht mehr abgefüllt. Mit dem Ausfall des Herbstfests sei zudem ein großer wirtschaftlicher Faktor in der Region verloren gegangen. „Das ist ein großer Rattenschwanz, der uns alle trifft“, sagt Steegmüller. Hinter jeder Bedienung, jedem Schankkellner, Zeltaufbauer und Schausteller stecke eine Familie und eine Existenz. Deshalb hofft die Rosenheimerin, dass das Herbstfest nächstes Jahr wieder stattfindet: „Des gehört zum Leben dazu. Des is Bayern, des san mia.“

Brauereien wollen keinen Lockdown mehr

Auch für Auerbräu waren zwei Jahre ohne Herbstfest „bitter“. Nun warten Brauer, Vertriebler und Bierfahrer darauf, endlich wieder loslegen zu können. „Wann das sein wird, ist im Moment noch nicht absehbar“, so ein Sprecher. Im Handel sei die Nachfrage aber stabil. Die Rosenheimer Brauereien wünschen sich Planungssicherheit sowie beständige und umsetzbare Regeln, die den Gastronomen den Betrieb unkompliziert ermöglichen. Maximilian Sailer, Eigentümer des Hofbräuhauses Traunstein, geht es ähnlich: „Wir wollen uns darauf verlassen können, dass wie versprochen kein Lockdown mehr kommt.“

Der Sommer war „außerordentlich gut“

Denn 60 Prozent seines Bieres verkauft er an Wirtschaften. Im Lockdown ging das nicht. „Das war eine extreme Talfahrt“, sagt Sailer. Die Sommermonate seien dennoch „außerordentlich gut“ gewesen. Der Bräu ist positiv und geht fest davon aus, dass Feste im kommenden Jahr möglich sind. Über 300 hätten sie geplant – vom kleinen Vereinsfest bis zum Gaufest. Wie Flötzinger und Auer verkauft auch er Radler. Die Steuererleichterung habe für ihn aber „keine spürbaren Auswirkungen“. Bei Auerbräu begrüßt man den niedrigeren Steuersatz für Radler hingegen. Es sei ein „wichtiges Signal“ in einer „schwierigen Zeit“, so ein Sprecher. Mit dieser Meinung steht Auerbräu in der Region allein da.

Kommentare