Stephanskirchen: Landhausdielen vernichten Arbeitsplätze

Hamberger Flooring ist nach eigenen Angaben Parkett-Marktführer in Deutschland. Veränderte Schnitte und andere Holzvorlieben ließen die Eigenversorgung durch das Sägewerk in Stephanskirchen auf zehn Prozent sinken. Nun wird das Sägewerk geschlossen.
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Hamberger Flooring ist nach eigenen Angaben Parkett-Marktführer in Deutschland. Veränderte Schnitte und andere Holzvorlieben ließen die Eigenversorgung durch das Sägewerk in Stephanskirchen auf zehn Prozent sinken. Nun wird das Sägewerk geschlossen.

Es ist eine trockene Pressemitteilung: Hamberger Flooring wird im dritten Quartal die Produktion von Laubschnittholz im Sägewerk am Stammsitz in Stephanskirchen auslaufen lassen.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Nach 154 Jahren ist Schluss. Das Sägewerk war bei der Unternehmensgründung 1866 eines von drei Standbeinen. Neben Zündholzfabrikation und Ziegelei. Mit dem Sägewerk bricht nun auch das dritte Standbein weg, Zündholzfabrikation und Ziegelei gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Sägewerk in Kleinostheim in Unterfranken schloss 2018.

Sozialplan für 19 Mitarbeiter

Von der Schließung sind 19 Mitarbeiter am Standort Stephanskirchen betroffen. Sie wurden Mitte Mai 2020 über die Entscheidung informiert. Zwischenzeitlich hat Hamberger laut Unternehmenssprecher Bernd Reuß mit dem Betriebsrat ein Interessenausgleich mit Sozialplan vereinbart.

Immer wieder neue Schwerpunkte

Stephanskirchens Bürgermeister Karl Mair hofft, dass dieser für die Betroffenen gut ist. „Die Hamberger Industriewerke sind der größte Arbeitgeber in unserer Gemeinde. Für die von der Schließung des Sägewerks betroffenen Mitarbeiter hoffe ich auf einen verträglichen Sozialplan und eine neue berufliche Perspektive.“ In den über 150 Jahren Firmengeschichte seien bei Hamberger immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt, Betriebszweige beendet und neue eröffnet worden.

Trendwende bei Form und Holzart

Das Unternehmen begründet die Entscheidung, jetzt auch das Sägewerk in Stephanskirchen zu schließen damit, dass das Werk für die Schnittholzproduktion für die Herstellung von Parkettschiffsböden optimiert sei. Die Veränderungen auf den Absatzmärkten in den vergangenen Jahren, vor allem der Trend zu mehr Landhausdielen und weniger Schiffsböden sowie die Abkehr von der Buche seien ein wesentlicher Grund für den Entschluss.

Eigenversorgung nur noch 10 Prozent

Außerdem seien nun andere Holzarten gefragt: Statt Buche, die auch in Südbayern verfügbar wäre, überwiegt jetzt die Eiche. „Die Eigenversorgung durch das Sägewerk hatte zuletzt nur noch einen Anteil von zehn Prozent“, heißt es in der Pressemitteilung.

Modernisierung der Anlagen nicht wirtschaftlich

Die Eichen-Rundhölzer müssten über große Entfernungen nach Stephanskirchen transportiert werden. Damit wäre, so heißt es in der Pressemitteilung, auch eine Investition zur Modernisierung der Anlagen wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen. Sie werden, so vermuten es Fachzeitschriften, wohl verkauft werden.

In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen nach eigener Auskunft mit dem Ausbau von qualifizierten und zertifizierten Vorlieferanten die Weichen für eine gesicherte Holzversorgung zur Parkettfertigung gestellt.

Ende September ist spätestens Schluss

Die bisherigen Planungen sehen ein Auslaufen der Produktion im dritten Quartal 2020 vor. Nach der Schließung des Sägewerks spätestens Ende September soll das frei werdende Gelände in Zukunft für den weiteren Ausbau der Kernaktivitäten der Hamberger Flooring, der Herstellung von Parkett und anderen Bodenbelägen, genutzt werden.

Die Hamberger Flooring ist nach eigenen Angaben bei Parkett in Deutschland Marktführer. Die Firmengruppe, die weltweit 2650 Mitarbeiter beschäftigt, setzte 2019 rund 325 Millionen Euro um. Etwa die Hälfte davon durch den Export in 90 Länder.

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