Wetter belastender als Corona

Stellenmarkt in der Region Rosenheim: Der Winter treibt die Arbeitslosenzahl hoch

So haben sich die Arbeitslosenquoten in der Region im vergangenen Monat entwickelt.
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So haben sich die Arbeitslosenquoten in der Region im vergangenen Monat entwickelt.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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In einem Bereich sorgt Corona für keine Ausnahme: Der Winter treibt auch 2021 die Arbeitslosenzahlen in der Region Rosenheim leicht in die Höhe.

Rosenheim – Wie die Agentur für Arbeit in Rosenheim berichtete, stieg die Arbeitslosenquote im Januar um 0,5 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent. Die Zunahme war damit genauso hoch wie vor einem Jahr.

Die Zahl im Bezirk der Arbeitsagentur mit den Landkreisen Rosenheim, Miesbach und Bad Tölz sowie der kreisfreien Stadt Rosenheim stieg zwischen 11. Dezember und 13. Januar um 1550 auf 112500 Menschen. Der Wert liegt damit um 2550 Personen über dem Vorjahresniveau.

Arbeitslosenzahl in der Region Rosenheim auf hohem Nveau

„Die Arbeitslosenzahl befindet sich nach wie vor auf einem hohen Niveau“, sagt Agenturchef Michael Schankweiler. „Erfreulich ist, dass sich der krisenbedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit von Monat zu Monat verringert. Während er im Juni noch bei 63,9 Prozent lag, betrug er in diesem Monat 29,4 Prozent.“

Erwartungsgemäß sind Beschäftigte in witterungsabhängigen Berufen besonders betroffen. In den Bau-Berufen stieg die Zahl um 180 auf 274 Personen. Durch Corona wird nach den Worten Schankweilers der technologische Wandel verstärkt. Arbeitnehmer könnten die Krise daher als Chance nutzen, um sich zu qualifizieren. Dabei unterstütze die Bundesagentur für Arbeit zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten.

Kurzarbeit ein wichtiges Instrument

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben die wirtschaftlichen Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie. Schankweiler berichtet, dass sich die Krise nicht nur im Stellenmarkt, sondern auch in den Zahlen für Kurzarbeit niederschlägt. So sei die Zahl der neu gemeldeten Stellen in diesem Monat um 200 auf 530 zurückgegangen, außerdem hätten weitere Unternehmen Kurzarbeit angezeigt. Bis zum Stichtag am 25. Januar lagen für den Agenturbezirk Rosenheim Anzeigen von insgesamt 8640 Unternehmen für 81 420 Mitarbeiter vor.

Nicht mehr so viele Menschen auf Kurzarbeit als 2020

Damit folgt der Bezirk Rosenheim dem bayernweiten Trend. „Die Kurzarbeit bleibt der rettende Anker für viele Unternehmen“, sagte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern. Die Zahlen für Kurzarbeit bleiben aber bayernweit weit unter dem Niveau der Krisenmonate 2020.

Blick in die Zeit nach Corona

Die Agentur Rosenheim blickt schon in die Zukunft nach Corona. Er freue sich, dass die Betriebe im Agenturbezirk an ihrer Ausbildungsbereitschaft festhalten, sagte Schankweiler.

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„Bis zum Stichtag am 13. Januar haben die Unternehmen in unserem Agenturbezirk dem Arbeitgeberservice knapp 2800 zu besetzende Ausbildungsstellen gemeldet. Das waren gut 120 mehr als zu dem Zeitpunkt vor einem Jahr. Dem gegenüber haben sich bis zu dem Zeitpunkt mit gut 1460 rund 430 weniger junge Menschen bei uns gemeldet, die eine Ausbildung suchen“, sagt der Rosenheimer Agenturleiter.

Zahlen für die Stadt Rosenheim

Für die Stadt Rosenheim errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent (Vormonat: 5,0; Januar 2020: 4,4 Prozent). Derzeit sind 2018 Bürger ohne Arbeit. Bei den SGB III-Kunden, die durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut werden, stieg die Arbeitslosenzahl um 158 auf 1175. Für 843 arbeitslose SGB II-Kunden, 40 mehr als im Dezember, ist das Jobcenter Rosenheim Stadt zuständig. Insgesamt betreut das Jobcenter 2123 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1682 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Zahlen für den Landkreis Rosenheim

Im Landkreis Rosenheim liegt die Arbeitslosenquote bei 3,3 Prozent (Vormonat: 2,9; Januar 2020: 2,6 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen beträgt 4794. Im Landkreis sind 3467 Männer und Frauen bei der Hauptagentur arbeitslos gemeldet, 501 mehr als im Vormonat. Beim Jobcenter Landkreis Rosenheim sind 1327 arbeitslose SGB II-Kunden registriert, 84 mehr als im Dezember. Insgesamt betreut das Jobcenter 3286 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 2612 Bedarfsgemeinschaften leben.

Zahlen für Traunstein und Mühldorf

Der Landkreis Traunstein verzeichnet mit 3991 Arbeitslosen eine Quote von 4,0 Prozent. In der Altersgruppe unter 25 sind 1 180 Menschen zu melden, 203 mehr als im Dezember und 153 mehr als im Vorjahr. Diese Altersgruppe bildet 9,4 Prozent aller arbeitslos Gemeldeten.

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Die Langzeitarbeitslosigkeit ist gegenüber Dezember leicht angestiegen, derzeit sind 2648 Menschen länger als ein Jahr auf der Suche, 196 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr ist ein deutlicher Anstieg festzustellen, 904 Menschen mehr sind heuer langzeitarbeitslos.

Corona macht den Älteren im Beruf zu schaffen

  • Corona macht auf dem Arbeitsmarkt vor allem Älteren zu schaffen. Der Anteil der Menschen zwischen 50 und 65 liegt mit 4837 bei 38,7 Prozent der Gesamtzahl. 2020 waren es noch 1 011 weniger. Im Vergleich zu Dezember sind 527 Ältere mehr arbeitslos.
  • Den 3824 Neumeldungen, 1428 mehr als im Dezember, stehen 1693 Abmeldungen gegenüber. Bei den Neumeldungen kamen 2910 Menschen aus Erwerbstätigkeit, und davon mehr als drei Prozent aus den Bau-und Außenberufen.
  • Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mühldorf lag im Januar bei 4,3 Prozent. 2862 Menschen waren gemeldet, 426 mehr als im Vormonat und 481 mehr als im Vorjahresvergleich, als die Quote bei 3,6 Prozent lag.
  • Die Altersgruppen teilen sich im Januar wie folgt auf: 283 jüngere unter 25 Jahren, darunter 55 unter 20 Jahren, gegenüber 239 im Vormonat und 272 im Vorjahresmonat. Das bedeutet in dieser Altersgruppe einen Anstieg gegenüber Vormonat um 18,4 Prozent.
  • Unter den 2862 Arbeitslosen sind 1 054 Menschen zwischen 50 und 65 Jahre alt, 163 mehr als im Dezember und 215 mehr als im Januar des Vorjahres.

Langzeitarbeitslosigkeit: Bitte um Unvoreingenommenheit

726 langzeitarbeitslose Menschen im Landkreis Mühldorf bilden ein gutes Viertel (25,4 Prozent) aller Gemeldeten. „Wir wenden uns an Arbeitgeber und werben bei jeder Bewerbung aus Langzeitarbeitslosigkeit um eine neutrale Haltung, die auf die Perspektive und das Können gerichtet ist und arbeitslose Zeit wohlwollend in den Hintergrund treten lässt“, appelliert Agenturchefin Jutta Müller an die Unternehmen.

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