Stark gefragt: Regionale Produkte aus Rosenheim

Freuen sich über zehn Jahre Regionalvermarktung: Elisabeth Widauer, Geschäftsführerin der RegRo Vermarktungs GmbH, und deren Vorsitzender Sebastian Friesinger.

Sauerkraut, Speiseeis, Mehl und Eier: Seit zehn Jahren vertreibt die Regionalvermarktung RegRo erfolgreich Produkte heimischer Erzeuger im Raum Rosenheim. Dank des speziellen Siegels erkennt der Verbraucher sofort die Herkunft des Lebensmittels und so mancher Produzent ist dadurch erst bekannt geworden.

Raubling– Seit zehn Jahren gibt es die RegRo Vermarktungs GmbH, die regional erzeugte Lebensmittel aus dem Kreis Rosenheim, entlang des Inns und dem Mangfalltal vertreibt. Ob Öl aus heimischen Saaten, Brotchips aus Griesstätt, Freilandeier aus Bruckmühl, oder Sauerkraut aus Rosenheim – erkennen kann man die Erzeugnisse am grünen „RegRo – Nimm´s Regional“-Siegel auf dem Etikett.

Schon seit einigen Jahren geht der Trend beim Einkaufen hin zu regionalen Produkten, oft greifen Verbraucher mittlerweile lieber zu ihnen als zum Bio-Pendant, wie Branchendienste wie topagrar berichten.

Kurz transportiert und ortsnah verkauft

Wie aus einer Studie des Gießener Instituts für Agribusiness hervorgeht, ziehen Verbraucher regionale Produkte vergleichbaren Waren ohne Herkunftsangabe vor, solange jedoch der Preisunterschied nicht zu groß ist. Regional, das steht für Konsumenten für Nachhaltigkeit, weiß man doch, wo´s herkommt und wie weit Rohstoffe und fertige Erzeugnisse transportiert werden mussten. Regional steht zugleich für eine Vermarktung, die ortsnah erfolgt und die Wertschöpfung in der Region hält, wie die bundesweit organisierte Initiative

„Regionalbewegung“ es beschreibt.

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Rosenheimer Bauernherbst als Startschuss

Kriterien, die auch dem Verein zur Förderung der Regionalentwicklung im Raum Rosenheim (RegRo) wichtig sind. Er nahm das zehnjährige Bestehen zum Anlass einer Feier im Raublinger Edeka-Markt der Familie Prechtl. Vorsitzender Sebastian Friesinger und Geschäftsführerin Elisabeth Widauer berichteten dabei über die bisherige erfolgreiche Entwicklung. Begonnen hat alles mit einer landkreisübergreifenden Initiative des damaligen Bauernobmanns und Landtagsabgeordneten Sepp Ranner im Jahr 2003, als nach Salzburger Vorbild der

„Rosenheimer Bauernherbst“ aus der Traufe gehoben wurde. Aus diesem entstand der Förderverein RegRo zur Vermarktung heimischer und hervorragender landwirtschaftlicher Produkte. Ein Arbeitskreis mit dem Landkreis Traunstein kurbelte die Direktvermarktung an. Ihm gehörten neben Friesinger unter anderem Joachim Wiesböck von der genossenschaftlichen Saftkelterei Oro aus Rohrdorf auf Rosenheimer Seite an sowie Elisabeth Widauer auf Traunsteiner Seite. Die Wege trennten sich aber wieder, als sich die Rosenheimer für eine GmbH und die Traunsteiner für eine Genossenschaft entschieden.

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Produktauswahl erweitert sich stets

2008 schlug der damalige Landrat Josef Neiderhell einen unbürokratischen Aufbau einer Regionalentwicklung vor – im inzwischen pensionierten Prechtl-Verkaufsleiter Wolfgang Cerveny fand er einen Unterstützer. Neun Jahre war Cerveny RegRo-Geschäftsführer. Von 53 regional erzeugten Produkten in 20 Geschäften im Jahr 2009 hat sich das Sortiment bis heute umfangreich erweitert.

Seine Nachfolgerin Elisabeth Widauer berichtet, dass 2012 bereits über 100 Artikel von 15 Lieferanten in 45 Märkten zu erhalten waren. „Allein im vergangenen Jahr sind 35 neue Produkte dazu gekommen“, so die Geschäftsführerin. Standen anfänglich erste Lager- und Büroräume bei Oro und beim Busunternehmen Steinbrecher in Brannenburg zur Verfügung, fand man vor Kurzem und mit Unterstützung des Bayerischen Bauernverbandes einen neuen Standort für die RegRo Vermarktungs GmbH in Rosenheim.

Auf die Platzierung kommt es an

„Schön, gut und regional und mit einer Mindesthaltbarkeit von sechs Monaten, das sind die Ansprüche an die Produkte“ – nach diesem Motto hat sich das RegRo-Angebot stets erweitert. Unter anderem wird es gefördert von den Volksbanken Raiffeisenbanken Rosenheim und Umgebung durch die App „Frisch vom Hof“.

Andreas Prechtl stellte fest, dass in seinen vier Edeka-Märkten in Bad Aibling, Brannenburg, Raubling und Bad Feilnbach die Nachfrage nach regionalen Erzeugnissen stetig steige. Für die Erzeuger der regionalen Produkte eine schöne Bestätigung. Aber, wie Bernhard Hennes vom Langenspacher Hof aus Grabenstätt es beschreibt, braucht es auch engagierte Lebensmittelhändler, die das Konzept mittragen und es voran bringen würde. „Familie Prechtl hat dafür gesorgt, dass die regionalen Produkte auch gut sichtbar im Markt platziert werden, damit die Produkte auch eine Chance haben.“

Siegel erhöht Bekanntheitsgrad

Familie Hennes vertreibt über RegRo Freilandeier und Nudeln aus eigener Herstellung. Hennes ist überzeugt, dass das grüne Siegel Vertrauen bei den Kunden weckt, „zusätzlich bei unseren Produkten aber auch der Hinweis, dass sie aus dem Chiemgau stammen.“ Dass die regionale Vermarktung für Kundennähe sorgt, bestätigt auch Raimund Hilger von Hilger Fleischwaren aus Rosenheim. Der Metzgerei-Meisterbetrieb nutzt die regionale Absatzstrategie für sein selbst gemachte Sauerkraut im Glas und profitiert davon, dass der Bekanntheitsgrad dadurch größer geworden ist – auch der Umsatz.

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Klaus Gschwendtner, Inhaber von Rinser Natureis aus Söchtenau, vertreibt sein Eis ebenso seit Beginn der Initiative über RegRo. Aus seiner Sicht steht das Konzept für gute Qualität. „Wir hatten die Möglichkeit, als anfänglich kleiner Produzent, in die Supermärkten zu kommen.“

Kunden wollen Herkunft erkennen

Zuletzt habe sich das Gebiet stark ausgeweitet, somit auch die Verbreitung der eigenen Produkte. „Man merkt, dass ein Teil der Bevölkerung großen Wert auf Qualität und Regionalität legt. Die Kunden sind sehr dankbar, dass man leicht erkennen kann, bei welchen Produkt es sich um eines aus der Region handelt“, ist Geschwendtners Erfahrung.

Auch das Mehl von der Mühle Riedl aus Unterholzham bei Bruckmühl trägt das RegRo-Siegel. Vor fünf Jahren ist Müllermeister Andreas Riedl mit der Initiative in Kontakt getreten „und bereits nach wenigen Wochen standen die ersten Mehltüten in den Regalen“. Riedl bekam viel Schützenhilfe, wie er sich erinnert: So habe der damalige Geschäftsführer Cerweny erkannt, welche Abpackungen geeignet seien und wie das logistisch am besten funktioniere. „Durch den regionalen Verkauf konnten nicht nur neue Kunden gewonnen, sondern aufgrund der Präsenz wurde unsere kleine Mühle auch vielen Bürgern bekannt, die vorher von der Existenz gar nichts wussten.“ Mehrere Tausend Tüten Mehl kann Riedl jährlich über die RegRo verkaufen. „Die meisten Verbraucher greifen nach den Produkten, eben weil es aus der Region kommt und sich damit von den Mitbewerbern abhebt“, ist sich Riedl sicher.

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