Aus spontaner Idee wird florierendes Geschäft

Das Dorfbäcker-Team:Matthias Andraschko (Joe), Jim Ritter, Jessi Weis und Jasmin Grimm (von links). kirchner

Eggstätt. – „Dass das von Anfang an so gut laufen wird, haben wir uns nicht vorstellen können.“ Seit gut einem Jahr hat die Dorfbäckerei in Eggstätts Ortsmitte wieder offen und seitdem „ist der Laden immer bummvoll.“ Jim Ritter, Konditor und Bäcker aus Eggstätt, kann es nicht fassen.

Auch sein Kumpel Joe, eigentlich Matthias Andraschko, Bäckermeister aus Schnaitsee, hatte nicht mit einem so schnellen Erfolg gerechnet.

Spontan in dieSelbstständigkeit

Dabei ging alles ganz schnell: Vorbesitzer Willi Hübner schloss seinen Laden Anfang November vergangenen Jahres zu und nicht mal vier Wochen später, am 1. Dezember 2018, eröffneten Jim und Joe ihre Dorfbäckerei. Die Übernahme war ein spontaner Entschluss, eigentlich aus einer Schnapsidee heraus geboren, so Jim, denn eigentlich sei ihm ein Hofladen vorgeschwebt. Doch dann erfuhr er, dass die Bäckerei, prominent an der Priener Straße gelegen, zumachen würde.

So kam eins zum anderen, wenngleich der Weg in die Selbstständigkeit holprig war. Nicht wegen mangelnder Nachfrage, im Gegenteil: „Wir haben nur 1000 Flyer gedruckt, das war’s auch schon“, so der 34-jährige Andraschko. Mit den Banken sei es nicht einfach gewesen. „Wir waren bei acht, neun Banken und alle haben abgewunken, das sei nicht machbar.“ Eine Bankmitarbeiterin merkte an: „In einem Jahr seid ihr pleite, in Eggstätt funktioniert das nie.“ Jim und Joe müssen grinsen, denn besagte Bankmitarbeiterin ist heute Stammkundin.

Einen Business-Plan hatten sie aufgestellt: Nur auf Bio und glutenfrei zu setzen, um sich von den anderen Bäckereien abzusetzen, kam für die beiden nicht infrage. Ihnen war es von Anfang an wichtig, vernünftige Ware anzubieten. Schließlich nahmen sie ein Darlehen bei der KfW-Bank auf und streckten auch selbst Geld vor. Wie viel das war, wollen sie nicht verraten, aber es war schon eine kleine fünfstellige Zahl, nicken die beiden sich zu. Und dass die ersten Schritte in die Selbstständigkeit hart waren, verschweigen sie nicht, denn Jim und Joe – sie kennen sich aus gemeinsamen Jahren in Backstuben der Region – waren bislang nur angestellte Bäcker.

Und anstrengend ist es noch immer, ein 16-Stunden-Tag ist die Regel, aber bereuen tun die beiden Bäcker ihren Mut zum eigenen Backladen nicht. Auch Jims Freundin, Jessi Weis, die dafür ihren Job aufgab und nun den Verkauf zusammen mit zwei weiteren Verkäuferinnen stemmt, freut sich über den Geschäftserfolg.

Mittlerweile beschränkt sich das Geschäft nicht nur auf Eggstätt, sondern liefert inzwischen auf Bestellung von Amerang bis Rimsting aus. Jim, der beim Bäcker Hübner damals noch gelernt hat, und Joe haben nur ein Rezept vom Vorgänger Hübner übernommen, das Landbrot auf Natursauerteig-Basis, ansonsten haben die beiden ihre eigenen Rezepturen und Kuchenvariationen – „null Fertigmischungen!“ – im Angebot.

Laden von Grundauf renoviert

Auch der Laden bekam binnen dreier Wochen eine Rundum-Auffrischung. Die dottergelbe Farbe außen war zwar schon da, aber innen strahlen nun viel Holz und die großen, dunklen Fenster Behaglichkeit aus. Die Holztische und Holzbänke laden zum Verweilen ein, und wenn dann noch die Kaffeemaschine brummt und leckere Gerüche aus der ebenfalls renovierten Backstube hereinwehen, versteht man, warum sich am Wochenende Menschentrauben bei Jim und Joe bilden.

Auch unter der Woche können sich die beiden über mangelnde Kundschaft nicht beklagen. Geschäftstüchtig sind die Dorfbäcker, das muss man ihnen lassen. Ein großer Kühlraum wurde mittlerweile im hinteren Teil des Gebäudes angebaut, um der großen Nachfrage Herr zu werden. Und da man bedauerlicherweise direkt vor dem Laden keine Sitzplätze bieten könne, gebe es Tabletts, mit denen sich die Kunden den ganzen Sommer über und bis in die letzten warmen Herbsttage hinein auf dem Dorfplatz vor der Kirche zu einem improvisierten Picknick niederlassen können. Ein Angebot, das heuer super ankam und: „Alle Tabletts wurden wieder abgegeben, kein Restmüll blieb draußen unter der großen Kastanien liegen“, lobt Jessi Weis ihre Kunden. Lediglich Parkplätze seien Mangelware, aber zum Einkaufen fürs Frühstück kämen die meisten Eggstätter eh zu Fuß oder mit dem Radl.

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