Sparkasse Wasserburg ist gefordert: „Wir müssen die Geschäftsstruktur optimieren“

Sind verhalten optimistisch, was die wirtschaftliche Bewältigung der Corona-Krise angeht: (von links) Vorstandsvorsitzender Peter Schwertberger, der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates, Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl, die stellvertretenden Vorstandsmitglieder Andreas Bonholzer und Christian Fuchsbüchler. Minigshofer

Der Wirtschaftsraum Wasserburg ist bis jetzt dank vieler Unternehmen der nicht gebeutelten Milchbranche in der Corona-Wirtschaftskrise glimpflich davon gekommen, betonte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Wasserburg, Peter Schwertberger, bei der Jahrespressekonferenz. Trotzdem: 2020 wird herausfordernd.

Wasserburg – Das Jahrespressegespräch widmete sich dem Geschäftsjahr 2019, das angesichts eines Wachstums von 3,8 Prozent positiv verlaufen ist. Aber die Pandemie drückte der Veranstlatung im großen Sparkassensaal, wo ein Sitzen auf Abstand möglich ist, den Stempel auf.

Doch auch das zurückliegende Geschäftsjahr gilt als herausfordernd. Es war durch die Niedrigzinsen geprägt, die zwangsläufig den Zinsüberschuss, wichtige Einnahmequelle einer Bank, signifikant reduziert hätten, so Schwertberger. Gute Vertriebserfolge im Verbundbereich hätten die Zinsausfälle nicht voll ausgleichen können. Trotzdem: Die Bilanzsumme stieg erneut um 46 Millionen auf 1,265 Milliarden Euro. Ein Plus auch bei den Einlagen: Sie erhöhten sich nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden von 2018 auf 2019 um 3,1 Prozent auf 968 Millionen Euro. Die Gesamtausleihungen stiegen von 741 auf 748 Millionen Euro – trotz extrem niedriger Zinsen. Viele Kunden setzen in der zinslosen Zeit nach Angaben von Schwertberger auf Termin- und Tagesgeld.

Gutes Polster an Eigenkapital

Die Sparkasse ist mit einem Eigenkapital von 157 Millionen Euro und einer Gesamtkapitalquote von 20,7 Prozent (Rang sieben von 64 Sparkassen in Bayern) ins Jahr 2020 gestartet, berichtete der Vorstandsvorsitzende weiter. Das sei ein sehr gutes Polster für die jetzigen schwierigen Monate.

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2019 verzeichnete die Sparkasse Wasserburg nach Angaben des stellvertretenden Vorstandsmitglieds Andreas Bonholzer einen Rückgang bei den Kreditzusagen im Wohnungsbau von 24 Prozent. Der Grund: Als Vergleich diene das Rekordjahr 2018. 15,7 Millionen Euro seien außerdem 2019 an die LBS vermittelt worden, weil der Kundenwunsch nach langer Zinsbindung im vergangenen Jahr besonders intensiv ausgefallen sei.

Deutlich weniger Kreditzusagen

Im Gesamtdarlehensgeschäft (privat und gewerblich) seien die Kreditzusagen 2019 ebenfalls stark zurückgegangen – um minus 25 Prozent auf 123 Millionen Euro. Vor allem Gewerbekunden hätten angesichts der Notwendigkeit, wenig Verwahrgeld vorzuhalten, auf eigene Mittel gesetzt.

Die Sparkasse Wasserburg verwaltete 2019 mit der DEKA in den Wertpapierdepots ihrer Kunden ein Gesamtvolumen von 292,5 Millionen Euro. Stark aufgestellt ist das Bankhaus, das in fünf Landkreisen (Rosenheim, Ebersberg, Mühldorf, Traunstein und Erding) aktiv ist, im Immobilienbereich. Die Sparkasse ist eine der größten Makler in der Region. 2019 hat sie nach Informationen von Bonholzer 22 Objekte im Wert von 10,3 Millionen Euro vermittelt. Weiter ausbauen will das Bankhaus die Vermietung eigener Immobilien. Im Bestand sind 63 Mietwohnungen und 19 Gewerbeeinheiten.. Geplant sind nach Informationen des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Christian Fuchsbüchler ein neues Mietshaus in Hohenlinden und Isen sowie ein neues Wohn- und Geschäftshaus in Babensham.

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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie prägen das aktuelle Geschäftsjahr. Unbürokratisch und schnell könne die Sparkasse dank guter Eigenkapitalausstattung Liquiditätshilfen zur Verfügung stellen. „Wir sind wie ein Regenschirm, wenn er gebraucht wird, sind wir da“, versprach Schwertberger. 140 Kunden haben nach Angaben des Vorstands bisher Zins- und Tilgungszahlungen aussetzen lassen – für insgesamt 260 Darlehensverträge. Die Antragstellung sei online verlaufen – ohne Prüfung, ohne Papierkrieg. „Keiner muss bei uns als Bittsteller auftreten“, so der Vorstand.

Quote beim Online-Banking von 54 Prozent

Er hatte angesichts der Ausgangsbeschränkungen erwartet, dass die Sparkasse mit Anträge für das Online-Banking überrannt. Doch so war es nicht, was auch daran liegen mag, die Online-Banking-Quote bereits bei 54 Prozent liegt. Die hohe Steigerung der Neufreischaltungen, die schon 2018 zu spüren war, wird sich 2019 fortsetzen, so Robert Minigshofer, zuständig für Marketing und E-Business.

„50 Anträge von Firmenkunden auf Förderung in der Krise

Aktuell liegen der Sparkasse nach Informationen von Fuchsbüchler etwa 50 Anträge von Firmenkunden auf Soforthilfen mit einem Volumen von 15 Millionen Euro vor. Vielfach sei den Unternehmen bereits im Rahmen einer sparkasseneigenen Soforthilfe und ohne staatliche Programme geholfen worden. Fuchsbüchler wies darauf hin, dass es nicht so einfach wie vielfach vermittelt sei, die staatlichen Hilfen und Förderkredite zu erhalten. Risikoüberprüfungen seien notwendig. „Wer vor Corona schon in der Krise war, kann nicht gefördert werden.“ Die Messlatte sei jedoch nach unten gelegt worden, so Schwertberger. „Was wir irgendwie machen können, machen wir“, versprach Fuchsbüchler.

Kein Bearbeitungsstau

Der Vorstand hat nach eigenen Angaben mit mehr Anträgen gerechnet, noch gebe es keinen Bearbeitungsstau. Das liege an der örtlichen Wirtschaft, die stark vom Lebensmittelbereich geprägt sei. „Doch die Krise ist noch nicht vorbei“, warnte Schwertberger. Es sei eine „ganz, ganz schwierige Zeit“, in der das Bankhaus stets auf Sicht fahre, will heißen: die langfristigen Folgen auf die Wirtschaft noch nicht absehen kann.

Trotz Filialänderungen: „Wir ziehen uns nicht aus der Fläche zurück“

Die Sparkasse, die laut einer Umfrage die zufriedensten Kunden im bayerischen Verbund der Sparkassen hat, muss aufgrund des anhaltenden Zinstiefs Kosten einsparen, um „zukunftsfähig“ zu bleiben. Schwertberger kündigte eine „Optimierung der Geschäftsstellenstruktur“ an: Standorte werden nicht aufgelöst, sondern zum Teil umgewandelt – in reine SB-Stellen. „Wir ziehen uns nicht aus der Fläche zurück“, unterstrich Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates.

Einige Filialen umgewandelt,

Aktuell hat die Sparkasse 20 Standorte, eines der dichtesten Geschäftsstellenetze im Freistaat. In und um Wasserburg sind in einem Radius von etwa drei Kilometern fünf Geschäftsstellen. Doch das Kundenaufkommen nimmt stark ab, dank Online-Banking. Deshalb werden jetzt fünf Filialen in SB-Sandorte umgewandelt, Öffnungszeiten in drei Filialen verkürzt und Standorte in Wasserburg – etwa für Beratung und Service – gebündelt. All diese Maßnahmen führen zu keinem Mitarbeiterabbau, so Bonholzer. Im Gegenteil: Die Sparkasse sucht zur Verstärkung weitere Mitarbeiter und aktuell noch zwei Azubis, berichtete Fuchsbüchler.

So haben die Banken in der Region auf die Corona-Krise reagiert: Lesen Sie diesen Beitrag.

Die wichtigsten Zahlen der Geschäftsjahres 2019 bei der Sparkasse Wasserburg

Bilanzsumme: 1,265 Milliarden Euro

Gesamteinlagen: 968 Millionen Euro

Gesamtausleihungen: 748 Millionen Euro

Eigenkapital: 157 Millionen Euro

Jahresüberschuss: 1,557 Millionen Euro

Gewerbesteuer: 805 000 Euro

Körperschaftssteuer: 912 000 Euro

Kreditzusagen: 123 Millionen Euro (52 Prozent gewerblich, 48 Prozent Wohnungsbau und privat)

Verwaltete Wertpapierfonds mit der DEKA: 292,5 Millionen Euro

Bausparen (Neugeschäft): 65,4 Millionen Euro

Versicherungen(Neugeschäft): 14,3 Millionen Euro

Sachversicherungen (Neugeschäft): 460 000 Euro.

Immobilienvermittlung: 22 Objekte, Gesamtwert von 10,3 Millionen Euro

Geschäftsstellen: 20

Mitarbeiter: 200 (41 Prozent in Teilzeit)

Auszubildende:14, 2 Ausbildungsplätze für September 2020 noch frei.

Privatgirokonten:29 600

Geschäftsgirokonten: 3800

Online-Banking-Quote: 54 Prozent

Online-Banking-Teilnehmer: 17 400 Kunden.

Nutzer der App: 5000

Spenden und Sponsoring (ohne Stiftungen): 177 000 Euro

Sparkassen-Kulturstiftung: 29 700 Euro ausgeschüttet

Sparkassen-Sozialstiftung: 32 675 Euro geschüttet.

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