Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling macht Schluss mit der Schlipsflicht für die Bankberater

Die Mitglieder des Vorstands der Sparkasse Rosenheim-Bad Aiblingzeigen sich auch ohne Krawatte: Harald Kraus, Vorsitzender Karl Göpfert und Stephan Donderer.
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Die Mitglieder des Vorstands der Sparkasse Rosenheim-Bad Aiblingzeigen sich auch ohne Krawatte: Harald Kraus, Vorsitzender Karl Göpfert und Stephan Donderer.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Bilder von Start-Up-Gründern in Kapuzenpullis kennt man. Bei der Bank erwarten jedoch viele Menschen, von einem Berater in Anzug und Krawatte empfangen zu werden. Diese Zeiten ändern sich gerade: Die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling schafft die Krawatten ab.

Rosenheim – Warum ist die Krawatte in der Bank überhaupt so verbreitet? „Sagen wir so, der klassischen Bekleidungsstil eines Bankmitarbeiters hat sich über die Jahre entwickelt“, sagt Alexandra Frank-Klebe, Sprecherin der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling. So habe sich über die Zeit ein festes Erscheinungsbild gefestigt. Das gelte auch für weibliche Kolleginnen: Kostüm oder Hosenanzug gehören bei weiblichen Bankmitarbeiterinnen zum Bild.

Leitfaden für Mitarbeiter

Heute sei das anders. „Das moderne Erscheinungsbild eines Sparkassen-Mitarbeiters ist weder over- noch underdresst, sondern dem Anlass angemessen und schafft somit Nähe zu unseren Kunden“, sagt Karl Göpfert, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling. Die Zeiten des Sonntagsanzugs seien endgültig vorbei, sagt Alexandra Frank-Klebe. Ein gewisser Wandel sei daher nötig, um auch mit den Kunden auf Augenhöhe zu bleiben.

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Für die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling zähle in erster Linie eine gute Beratung: „Das hängt unserer Meinung nicht von einer Krawatte, sondern von der fachlichen Kompetenz unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ab“, sagt Frank-Klebe.

Seriöses Erscheinungsbild, auch ohne Krawatte

Dennoch ist ganz grundsätzlich auch für die Sparkasse ein seriöses Erscheinungsbild wichtig. Aus diesem Grund erhalten die Mitarbeiter einen kleinen Leitfaden, der Orientierung bieten soll. Komplett verschwinden werde laut Frank-Klebe nämlich auch die Krawatte nicht. Im richtigen Moment und zu bestimmten Terminen werde sie auch zum Einsatz kommen, so die Auskunft der Sparkasse. Es obliege aber der Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter, dies zu entscheiden.

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Eine Besonderheit findet sich außerdem: Neben den Oberbegriffen Business Classic und Business Casual öffnet die Sparkasse auch die Tür für die Tracht. Schließlich sei die Tracht in der Region sehr etabliert und gehöre auch kulturell dazu, sagt Frank-Klebe.

Unternehmenskulturen wandeln sich

In vielen Konzernen ist die Abschaffung der Krawatten sinnbildlich für einen Wandel in der Unternehmenskultur und der Mitarbeiterbeteiligung. So auch bei der Sparkasse? „Unser Ziel ist es, uns als modernes, wandlungsfähiges und digitales Dienstleistungsunternehmen aufzustellen, das mit der Zeit geht“, sagt Frank-Klebe. Der Beginn eines tief greifenden kulturellen Changes sei aber nicht der Fall: „Wir sind Partner für Menschen und Wirtschaft in unserer Region.“ Und bei denen scheint der neue Stil laut Alexandra Frank-Klebe gut anzukommen.

Weitere Banken ziehen nach

Nicht nur die Rosenheimer Sparkasse, auch bei der „meine VR Bank“ überlegt man sich, neue Wege beim Dresscode zu gehen. Die VR Bank Rosenheim-Chiemsee hat erst kürzlich mit der „meine VR Bank“ in Altötting fusioniert. Im Zuge dessen werde nun auch die Kleiderordnung diskutiert, sagt Sprecherin Carolin Besold.

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Bei der Sparkasse Wasserburg haben sich in den letzten Jahren die Krawatten ebenfalls ausgedünnt, sagt Sprecher Robert Minigshofer. Auch dort ist das Credo: „Kompetenz, Flexibilität, Kundenorientierung und Empathie und weniger das Tragen einer Krawatte“, sagt Minigshofer. Es gebe aber auch Kollegen, die gerne eine Krawatte tragen. Und das sei nach wie vor in Ordnung.

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