92. BAYERISCHER SPARKASSENTAG IN ROSENHEIM

„Sichtbar, stark und relevant bleiben“

Vor der Veranstaltung im KuKo: Bundesobmann der deutschen Sparkassen, Walter Strohmaier, Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Sparkassenverband Bayern-Präsident Dr. Ulrich Netzer, Erster Verbandsvorsitzender Prof. Ulrich Reuter, Vorstandschef der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, Alfons Maierthaler (von links). spvb

„Gemeinsam#AllemGewachsen“ war das Motto des diesjährigen Bayerischen Sparkassentags, der gestern in Rosenheim stattfand. Zum Ausdruck bringen will der Sparkassenverband Bayern damit, dass man sich den vielfältigen Herausforderungen auf regionaler, deutscher und internationaler Ebene mit praktischen Lösungen und Visionen stellt.

Rosenheim – Aufwendig waren die Vorbereitungen für den hochkarätig besetzten Bayerischen Sparkassentag – die Veranstaltung im Kultur- und Kongresszentrum war das Highlight mehrerer Termine –, simpel die Kernbotschaft: Zusammenhalten und die eigenen Werte hochhalten in einer von Unsicherheit und Wandel geprägten Zeit.

Man wolle auch im digitalen Zeitalter, in dem Bank- und andere Geschäfte immer mehr online abgewickelt werden, „stark, relevant und sichtbar“ bleiben, so Dr. Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern.

Sparkasse: Vom Langweiler zum digitalen Vorreiter

Damit hatte er sich der Ideale des Bayerischen Rundfunks bedient, wie sie auch BR-Intendant Ulrich Wilhem für das öffentlich-rechtliche Medienhaus formuliert hat.

Die öffentlich-rechtliche Organisation, der Versorgungsauftrag und die dezentrale Präsenz in den Regionen: Gemeinsamkeiten zwischen Sparkasse und BR, die zur Einladung Wilhelms als Gastredner im Kuko führten. Themen, die aber auch Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder nicht fremd sind. Der Hauptredner am gestrigen Donnerstag outete sich als langjähriger Sparkassenkunde. Vor dem Hintergrund der Währungsreform in Deutschland vor 70 Jahren, äußerte er Verständnis für die Skepsis vieler Deutscher, ihr Geld in Aktien anzulegen: „Wir sind ein Land der Sparer. Uns kann man nicht von heute auf morgen beibringen, mehr Risikobereitschaft zu zeigen.“ Nichtsdestotrotz fühlten sich angesichts der Niedrigzinsen viele Anleger dazu gezwungen. Die Nullzinspolitik der EZB habe bislang allerdings kein nennenswertes Ergebnis gebracht: „Der Hauptprofiteur war lediglich der Kapitalmarkt.“ Neben dem Nullzins lauerten in der EU weitere, unterschwellige Finanzprobleme, warnte Söder („Eigentlich bin ich ja ein Freund der Europäischen Union“). Etwa die Tatsache, dass das gut funktionierende Geschäftsmodell deutscher Banken in manch anderen EU-Ländern argwöhnisch und unverständig betrachtet würde. Dabei seien etwa die gesund gewachsenen Sparkassen in Kombination mit dem – speziell in Bayern – starken Mittelstand ein unschlagbarer Wirtschaftsfaktor, der seinesgleichen in Europa suche. Die Sparkasse habe einst als langweilig und provinziell gegolten, „sie haben aber mit dem Einzug der Digitalisierung allen gezeigt, dass sie sich aus eigener Kraft heraus innovativ entwickeln können.“ Heute gehörten sie in der Bankenlandschaft zu den digitalen Vorreitern. Damit griff Söder ein Thema auf, das Verbandspräsident Netzer besonders am Herzen lag: „Die Sparkassen laufen heute im Hybridmodus. Aber statt Benzin und Strom heißt es bei uns: stationär und online“, beschrieb er den Trend zur Beratung in der Geschäftsstelle unter Einbezug digitaler Möglichkeiten. In Kürze werde auch das Bezahlen per Smartphone für Sparkassenkunden möglich sein. Die Haltung der Sparkassen sei heute, dem Kunden alle Wege zum Geldinstitut anzubieten, ohne eine Gruppe auszuschließen. Die Sparkassen, wurde deutlich gemacht, würden inzwischen eine „Omnikanal-Strategie“ fahren, um den strukturellen Umbau zum digital leistungsstarken, flexiblen Unternehmen zu stemmen. Ziel sei die übergreifende, enge Kooperation und Vernetzung von traditionellen und Onlinekanälen.

„Die Sparkassen sind auf dem Weg in die digitale Zukunft , die neu definierte Produkte und Prozesse verlangt.“ Während die viel gepriesenen FinTech-Unternehmen digitale Innovationen meist nur für einen verhältnismäßig kleinen Nutzerkreis schaffen würden, richteten sich die Entwicklungen der Sparkasse an die breite Masse.

Verbraucher zur Eigenverantwortung aufgerufen

Die damit einhergehende Verantwortung, sowohl im sicherheitstechnischen als auch im datenschutzrechtlichen Kontext sei ungleich größer: „Die Sparkasse und alle ihre Verbundpartner arbeiten unter anderem mit einem der größten IT-Dienstleister Deutschlands zusammen“, ergänzte Rosenheims Sparkassen-Vorstandschef Alfons Maierthaler hier und wies darauf hin, dass die Kunden vor Cyberangriffen hervorragend geschützt seien. Neue Entwicklungen am Finanzmarkt wie die neue europäische Zahlungsdienstrichtlinie PSD II aber, welche die Schnittstellen zwischen den Anbietern von Finanzdiensten öffne, forderten auch mehr Eigenverantwortung vom Vebraucher. „Jeder sollte gut überlegen, wem er seine Daten anvertraut und wem er eine Erlaubnis zu Abbuchung erteilt.“

Den Abschluss des Sparkassentags bildete eine Podiumsdiskussion mit Rednern und Verbandsakteuren – nur der Ministerpräsident musste schon früher weg.

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