Seeoner Gespräch im Zeichen der Digitalisierung: Neue Geschäftsmodelle sind gefragt

Wie die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert, stellte Professor Dr. Horst Wildemann anschaulich dar. maier

Die verschiedenen Aspekte und Auswirkungen der Digitalisierung standen im Mittelpunkt des Seeoner Gesprächs, das die Wirtschaftsvereinigung Seeoner Kreis veranstaltete. Den Hauptvortrag zum Thema „Management im digitalen Zeitalter“ hielt mit Professor Dr. Horst Wildemann ein prominenter Redner.

Seeon-Seebruck – „Wir stehen vor einer schwer beherrschbaren Komplexität durch die Vernetzung in einer dynamischen Welt“, erläuterte Wildemann eingangs. Die Unsicherheiten im Management würden stetig zunehmen, zumal traditionelle Geschäftsmodelle es in den hart umkämpften Märkten immer schwerer hätten. „Die Wettbewerbsintensität hat sich deutlich erhöht und tut dies weiterhin. Die Strategie zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle bildet daher die Grundlage für profitables Wachstum in der Zukunft“, so der Münchner Wirtschaftsfachmann.

„Dort sein, wo der Ball hinkommt“

Dabei sei es wichtig, sagte Wildemann, auf lange Sicht zu denken. „Das ist wie bei einem Fußballspiel. Da geht es taktisch gesehen nicht darum, da zu sein, wo der Ball ist, sondern dort, wo er als Nächstes hinkommt“, zog er einen Vergleich. Aus Sicht des Managements gehe damit einher, flexible Strukturen und Prozesse im Unternehmen aufzubauen. „Agilität ist die Voraussetzung, um effizient arbeiten und den Herausforderungen des digitalen Zeitalters wirkungsvoll begegnen zu können“, führte der 77 Jahre alte Experte aus.

Ein wichtiger Schlüssel für Veränderung sei das altbekannte Prinzip von Versuch und Irrtum, umgangssprachlich bekannt als Ausprobieren. Dabei werden so lange zulässige Lösungsmöglichkeiten versucht, bis die gewünschte Lösung gefunden wurde. Die Möglichkeit von Fehlschlägen wird bewusst in Kauf genommen. „Was meinen Sie, wie oft ich in meiner beruflichen Praxis als Maschinenbau-Ingenieur dieses Vorgehen angewandt habe“, so Wildemann.

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Grundlage dafür sei, Kreativität im Unternehmen zuzulassen und zu fördern. „Das kann man sehr gut mit Spielen machen, bei denen es um Einfallsreichtum und gemeinsame Problemlösung geht. Probieren Sie es mal aus“, ermutigte er die Unternehmer im Publikum im Kloster Seeon.

In seinem Vortrag ging Wildemann auch darauf ein, wie die Digitalisierung die Arbeitswelt insgesamt verändert. „Die Künstliche Intelligenz wird langfristig Millionen von Arbeitsplätzen überflüssig machen. Auf diese Tatsache müssen wir uns einstellen und Lösungen finden“, so der Experte. Mit moderner Robotertechnik könnten zum Beispiel funktionseingeschränkte Mitarbeiter neue Aufgabenbereiche übernehmen. „Zwischen der Künstlichen Intelligenz und dem Menschen wird künftig ein wesentliches Transformationsfeld in Unternehmen entstehen“, sagte Wildemann.

Orientierung und Sinn vermitteln

Für die Manager sei es eine wichtige Aufgabe, ein neues Verständnis von Führung zu entwickeln und zu leben. „Menschen können nur von Menschen geführt werden, daran wird keine Technologie etwas ändern. Künftig wird es nicht mehr darum gehen, Mitarbeiter auf bestimmte Ziele hinzuführen, sondern ihnen Sinn und Orientierung in ihrem Tun zu vermitteln“, erklärte Wildemann. Es gehe darum, die Arbeitnehmer zum Wandel zu befähigen und ihnen Ängste zu nehmen. „Die Menschen müssen mitgenommen werden.“

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Mit Blick auf die Gesellschaft sagte der Wirtschaftsfachmann, der Sozialstaat müsse sich im digitalen Zeitalter neu erfinden. „Die zunehmende Automatisierung bringt unsere gesellschaftliche Ordnung ins Wanken“, so Wildemann. Darauf müsse der Staat zusammen mit den Unternehmen und Gewerkschaften reagieren. „Das Entlohnungssystem, das wir jetzt haben, wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.“

Weiterbildung wird immer wichtiger

In der abschließenden Diskussionsrunde debattierte Wildemann zusammen mit Ministerialdirigent Christian Schoppik, Dr. Helmut Schwarz von der Firma Krones und Hochschulpräsident Prof. Heinz Köster darüber, wie die Digitalisierung die Welt verändert. Es wird zu deutlichen Verwerfungen in der Arbeitswelt kommen, darin waren sich die Diskutanten einig. „Weiterbildung und zusätzliche Qualifikationen werden im Arbeitsleben immer wichtiger“, sagte Wildemann, und hier seien die Hochschulen in Zukunft in besonderer Weise gefordert.

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„Das ist eine Herausforderung für uns“, sagte Köster. Die berufsbegleitende Weiterbildung sei schon jetzt sehr wichtig für die TH Rosenheim und die Bedeutung werde künftig steigen. „Wir arbeiten daran, weitere Qualifizierungsangebote in unser Studienprogramm aufzunehmen“, so der Präsident der Technischen Hochschule.

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