Schreinermeister Peter Kurz aus Riedering: bekannt bis nach Shanghai

„Wie man sich bettet, so schläft man“, so ein alter Spruch. So gehört das Probeliegen und eine Beratung zum obligatorischen Angebot von Peter Kurz, der hier einer Kundin eine spezielle Matratzenart erklärt. Steffenhagen

Schon von Weitem ist das typische Kreischen einer Kreissäge zu hören, als Schreinermeister Peter Kurz in seiner Werkstatt in Anisag ein Brett zurechtschneidet. Seit 1993 beherbergt ein alter Bauernhof aus dem Jahr 1605 die Schreinerei.

Riedering – Heute steht er nicht wie sonst alleine an der Säge, sondern mit gebührenden Abstand schauen ihm nun zahlreiche Gäste über die Schulter. Diese hatte er zu einem Tag der offenen Tür anlässlich des bundesweiten Tags des Schreiners eingeladen, bei dem ausschließlich Mitgliedsbetriebe der Schreinerinnung mitmachen.

Individualität durch Handarbeit

Neben hochmodernen, Holzbearbeitungsmaschinen und Werkzeugen kommt bei Kurz auch alte Handwerkertechnik zum Einsatz, „die schließlich den Flair individuell angefertigter Möbel ausmachen“, wie der Schreinermeister erklärt. Für seine individuell gefertigten Möbel verzichtet er bewusst auf den Einsatz von computergesteuerten Hightech-Maschinen. Stattdessen wird immer mal wieder der althergebrachte Hobel zurückgegriffen und der „Feinschliff“ mit Schleifpapier von Hand vorgenommen. So trifft moderne Technik auf traditionelle Handwerkskunst.

Dabei liebt Kurz insbesondere Rundungen, „weil Rundungen harmonischer sind, auch wenn Menschen manchmal so ihre Ecken und Kanten haben, so sagen ihnen rund geformte Hölzer doch eher zu als eckige“, philosophiert er. Auch hierfür ist wieder viel handwerkliches Geschick erforderlich.

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Handarbeit sind bei ihm auch seine Skizzen und Zeichnungen von beauftragten Möbelstücken, die er als Illustrationen für seine Kunden anfertigt. Sogar die Maserung und deren Verlauf hält er in den Zeichnungen filigran fest: „Die Zeit nehme ich mir immer gerne, weil ich bereits bei der Erstellung dieser Abbildungen, quasi jedes einzelne Brett schon mal vor Augen habe, somit eine genaue Vorstellung vom Fertigungsprozess bekomme und jedes Teil beim „Namen“ kenne.

So weiß ich schon recht frühzeitig was ich bei der Umsetzung später machen muss und schließlich soll der Kunde sehen, wie später sein Möbel aussehen wird.“ Zeit nimmt sich Kurz auch für seine Beratung und versteht sich auf die Kunst des aktiven Zuhörens: „Mir ist es wichtig, dass ich genau weiß, was der Kunde möchte.

Der Werkstoff Holz bietet so viele Möglichkeiten für individuelle Gestaltung, dass man mit ihm beinahe alles anfertigen kann. Man muss auf seinen Kunden eingehen, ihn richtig verstehen und ihm gut zuhören, um erfolgreich planen und fertigen zu können.“

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So hat sich Peter Kurz im Laufe der Jahre einen Namen gemacht, der für Qualität und Sorgfalt steht und wurde schließlich von der Handwerkskammer für München und Oberbayern öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Fachgebiet „Innenausbau“ und dem Teilgebiet „altersgerechter und behindertengerechter Ausbau und Umbau“.

Eine Spezialität des „Einmannbetriebs“, denn Kurz wird nur von seiner Frau Andrea im Büro der Schreinerei oder bei der individuellen Beratung unterstützt, ist die Anfertigung von Betten.

„Gesund Schlafen und ausgeschlafen aufwachen – also erholsamer Schlaf, ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn eine Vielzahl der Menschen leidet auch schon in jungen Jahren an Schlafstörungen. Folge ist: falsche Körperhaltung im Schlaf. Deshalb ist es wichtig, sich so früh wie möglich mit dem Thema „gesunder Schlaf“ auseinanderzusetzen“, erzählt Kurz, der auf individuell angefertigte Massivholzbetten aus Zirbenholz setzt und diese mit seinem speziellen Schlafsystem kombiniert.

Fachmann für Schlafberatung

Alle Betten sind zu einhundert Prozent metallfrei und absolut frei von Schadstoffen. In diesem Zusammenhang hat er ein einzigartiges System zur metallfreien Verbindung der Hölzer entwickelt. Für die fachmännische Schlafberatung ließen sich seine Frau und er von verschiedenen Physiotherapeuten über viele Jahre hinweg schulen und eine ständige Fortbildung ist für das Ehepaar selbstverständlich, um ihre Kunden fachkompetent beraten zu können. So konnten die Besucher unmittelbar miterleben, wie Möbel entstehen und schließlich dann auf Stühlen und an Tischen „Made in Riedering“ Platz nehmen.

Made in Riedering hat sich mittlerweile bis nach Shanghai herumgesprochen, „denn dort habe ich schon eine Gastwirtschaft im bayerischen Stil (wir berichten) einrichten können“, erklärt Kurz stolz und zeigt auf Fotos einer Gastwirtschaft mit dem Charme und der Atmosphäre oberbayerischer Gastlichkeit, die allerdings im fernen China zu finden ist.

Wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne. Die kehrt der Schreinermeister sofort zusammen: „Sauberkeit und Ordnung ist ein Stück meiner Visitenkarte.“ Außerdem ist Nachhaltigkeit für Kurz ein wichtiges Stichwort.

Prinzipiell verwendet er nur Hölzer aus der Region oder sogar aus seinem eigenen Wald und garantiert somit für kurze Transportwege. „Holzabfälle werden bei uns zu Brikett verarbeitet und als Heizmaterial in der automatisch gesteuerten Hackschnitzelheizung eingesetzt, um den Betrieb zu beheizen“, sagt er.

Auch die kleinen Besucher hatten viel zu bestaunen. So konnten sie einem Drexler bei der Herstellung von Holzspielzeug oder einer Keramikmeisterin bei der Anfertigung von Krippenfiguren zusehen.

Natürlich wurde nach so vielen Eindrücken von der Holzverarbeitung auch für das leibliche Wohl gesorgt. Peter Kurz, der in Folge nun schon das vierte Mal seine Werkstatt zum Tag des Schreiners öffnete, zeigte sich nach zwei Tagen Präsentation seines Betriebes sehr zufrieden: „Der Aufwand hat sich gelohnt“

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