Schletter in Kirchdorf: Versuch einer Annäherung zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat

Der Solar-Zulieferer Schletter legt seine Produktion in Deutschland im Laufe des kommenden Jahres nieder. schletter

Rund 50 Arbeitsplätze fallen im kommenden Jahr beim Solar-Zulieferer Schletter in Kirchdorf bei Haag weg. Das sorgt für schlechte Stimmung im Unternehmen, zumal der Betriebsrat Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung erhoben hat. Nun wollen beide Seiten miteinander ins Gespräch kommen.

Kirchdorf – Der bevorstehende Stellenabbau beim Solar-Zulieferer Schletter sorgt im Unternehmen für schlechte Stimmung. Zuletzt hatte der Betriebsrat das Vorhaben der Geschäftsleitung kritisiert, die Produktion in Kirchdorf bei Haag zu beenden und dadurch ein Drittel der etwa 150 Arbeitsplätze zu streichen (wir berichteten).

Betriebsrat attackiert Geschäftsleitung

Der Vorwurf: Man habe noch kurz vor Bekanntgabe der Pläne durch die Geschäftsleitung die Auskunft bekommen, dass eine Betriebsänderung nicht geplant sei, hieß es seitens des Betriebsrats. Zudem habe die Geschäftsführung dem Betriebsrat und dem Wirtschaftsausschuss die Einsicht in Berechnungen und Unterlagen verweigert.

Insgesamt bezweifelt der Betriebsrat, dass die Planung wirtschaftlich tragfähig und nachvollziehbar ist. Man lasse daher die wirtschaftliche Tragfähigkeit der unternehmerischen Entscheidung von einem Sachverständigen überprüfen.

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Der Darstellung der Arbeitnehmervertretung widerspricht die Geschäftsleitung deutlich: Es treffe nicht zu, dass die Herausgabe von Unterlagen an den Betriebsrat und den Wirtschaftsausschuss verweigert worden sei. „Wir haben beide Gremien frühestmöglich über die geplante Betriebsänderung informiert und einen ersten Termin zum Informationsaustausch angeboten“, sagte Schletter-Geschäftsführer Florian Roos den OVB-Heimatzeitungen. Man habe auch darum gebeten, Fragen zu sammeln und einzureichen, um diese beim Informationstreffen zu besprechen.

Bedauerlicherweise hätten sich weder der Betriebsrat noch der Wirtschaftsausschuss dazu bereit erklärt, an einem Informationsaustausch mit der Geschäftsführung teilzunehmen. Auch seien keine Fragen eingereicht worden.

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„Unser Angebot steht selbstverständlich nach wie vor. Wir sind sehr an einer gemeinsamen Lösung zusammen mit dem Betriebsrat und dem Wirtschaftsausschuss interessiert und stehen daher jederzeit gerne für Fragen der beiden Gremien zur Verfügung“, verdeutlichte Roos den Willen der Geschäftsleitung zur Annäherung.

Der Versuch der OVB-Heimatzeitungen, vom Betriebsrat eine Stellungnahme zu den Äußerungen der Geschäftsleitung zu bekommen, lief ins Leere. Nach Beratung im Gremium des Betriebsrats und nach Rücksprache mit einem Rechtsbeistand habe man sich darauf verständigt, keine weiteren Fragen zu beantworten, teilte der Betriebsratsvorsitzende bei Schletter, Michael Busch, mit. Man wolle Gespräche mit der Geschäftsführung aufnehmen und Lösungen suchen.

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Wie berichtet, soll die Produktion in Kirchdorf bis Ende des ersten Halbjahrs 2020 auslaufen. Die dortigen Konditionen seien die international nicht mehr wettbewerbsfähig, begründete Roos den Schritt. Bereits jetzt produziert Schletter über 90 Prozent der Produkte in seinem eigenen Werk in Shanghai sowie bei spezialisierten Partnerunternehmen in Deutschland, den Niederlanden, der Türkei oder Bulgarien.

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