ZAHLEN & FAKTEN

Schicksal von Multitest besiegelt?

Ein Facebook-Post eines malaysischen Multitest-Mitarbeiters im Werk Penang, das wie der Standort Rosenheim angeblich geschlossen werden soll. Noch veröffentlicht Eigentümer XCerra Stellenangebote für Penang. re

Von Rosenheim auf die Philippinen? Diesen Ortswechsel schlägt offenbar Cohu-Konzernchef Luis A. Müller denjenigen Mitarbeitern am Standort Rosenheim vor, deren Stellen gestrichen werden. Jetzt wurde bekannt, dass Multitest wohl Ende 2019 Geschichte sein wird.

Rosenheim– Reis, Kokosnüsse und Zuckerrohr: Das baut man vorzugsweise in der Provinz Laguna auf der Insel Luzon, Philippinen, an. Immerhin: Es gibt eine polytechnische Universität. Und einen Produktionsstandort von Cohu, an dem künftig hergestellt werden soll, was bislang aus Rosenheim kam: Maschinen und Zubehör für den Test von Halbleitern.

Beschäftigte können nach Asien gehen

Alle Multitest-Produkte und -Abteilungen sollen an die Hauptproduktionsstandorte auf den Philippinen und nach Malacca, Malaysien, verlagert werden. Zudem soll Multitest Electronic Systems im malaysischen Penang, ein großer Arbeitgeber vor Ort, schließen. Damit könnte der Name Multitest endgültig von der Bildfläche verschwinden. Das Unternehmen war 2018 erst von XCerra, dann von Cohu übernommen worden (wir berichteten). Entschieden hat dies alles vor knapp zwei Tagen Cohu-Konzernchef Luis A. Müller, wie die OVB-Heimatzeitungen erfahren haben. Die rund 400 Mitarbeiter in Rosenheim, von denen etwa 200 zu Ras co/Cohu in Kolbermoor wechseln und 200 ihren Arbeitsplatz verlieren sollen, wurden offenbar am Mittwoch darüber informiert. Betriebsrat und Geschäftsführung wollten sich gegenüber unserer Zeitung nicht dazu äußern. Bekannt wurde jedoch, dass Luis A. Müller den oberbayerischen Mitarbeitern anbietet, sie könnten mit nach Asien gehen. Ist das tatsächlich die Lösung, die man den von Arbeitsplatzverlust Betroffenen vorschlägt? Der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU) hatte noch vergangene Woche das Gespräch mit Cohu-Geschäftsleiter Ian van Fellenberg gesucht und ihm seine Unterstützung dabei angeboten, nach Lösungen für die 200 vom Stellenabbau Betroffenen zu suchen. Intern würden jedoch noch Gespräche laufen, eine konkrete Entscheidung gebe es seines Wissens nach noch nicht. Eine Möglichkeit sei aber zum Beispiel eine Auffanggesellschaft, hier müsste das Unternehmen mit der Agentur für Arbeit zusammenwirken. Spätestens, wenn im Frühjahr der erste Quartalsbericht des börsennotierten US-Konzerns Cohu erwartet wird, zeichne sich hoffentlich eine Lösung ab. Zu den aktuellen Entscheidungen des obersten Konzernchefs konnte Fellenberg Stöttner gegenüber gestern keine Stellung nehmen; dem Abgeordneten zufolge saß Fellenberg im Flugzeug auf dem Weg ins Ausland. Was die betroffenen Beschäftigten nach ihrer Zeit bei Multitest / Cohu betrifft, so ist Stöttner, Mitglied des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, zuversichtlich: „Das Fachkräfteniveau im Unternehmen ist sehr hoch; die Mitarbeiter sind gut ausgebildet und bringen enormes technisches Know-how mit.“ Ihre Chancen, bei anderen Unternehmen der Region unterzukommen, seien hoch – dennoch würde er sich mehr „proaktives Verhalten“ von Cohu wünschen, um die Mitarbeiter nicht mit ihrer Situation allein zu lassen. Sein Vorschlag: Eine Art Job-Messe in kleinem Rahmen mit ausgewählten, potenziellen neuen Arbeitgebern: „Die Mitarbeiter könnten unverbindlich mit Personalern in Kontakt treten und die Firmen könnten kommunizieren, wo sie Fachkräftebedarf sehen.“

Viel Zeit bleibt für solche Aktionen nicht mehr: Multitest, noch immer offizieller Arbeitgeber in Rosenheim, soll nur noch bis Ende 2019 existieren.

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