Saisonverlängerung und laufend aktualisierter Info-Pool

Stephan Semmelmayr,Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismusverbands, während der virtuellen Abschluss-Konferenz. re

Traunstein – Insgesamt achtmal hat das „Netzwerk Tourismuswirtschaft Chiemgau“ in den vergangenen Wochen virtuell getagt.

Zum Netzwerk, das Chiemgau Tourismus(CT) aufgrund der Corona-Krise ins Leben gerufen hat, gehören unter anderem Vertreter von Hotels, Seilbahnen, von Urlaub auf dem Bauernhof und von Tourist-Informationen, auch der angrenzenden Tourismusregionen. Unter der Federführung des Chiemgau-Tourismusverbands berieten die Teilnehmenden, wie es in der Region mit und nach Corona weitergehen kann.

Vorbereitungen starten sofort

In der Abschlusssitzung verständigte sich das Gremium auf drei zentrale Punkte: die Schaffung eines Info-Pools vor allem für Tagesgäste, die Saisonverlängerung bis Ende November sowie ein einheitlicher Standpunkt zur Preispolitik im Gastgewerbe. Die Vorbereitungen für den Info-Pool starten sofort. Eine erneute Abstimmung mit den Nachbarlandkreisen, die bereits Interesse an der Informationsplattform bekundet haben, ist geplant.

Das Ergebnis stellt CT-Geschäftsführer Stephan Semmelmayr sich so vor: „Wenn ich an Pfingsten von Deggendorf aus einen Ausflug machen möchte, schau ich zuerst in den Info-Pool. Da steht dann, dass der Parkplatz der Chiemsee-Schifffahrt erst ab 15 Uhr wieder öffnen kann. Es wird voraussichtlich bei allen Freizeitangeboten Kapazitätsbeschränkungen geben. Wenn ich für den Vormittag nach Alternativen suche, finde ich vielleicht die Gnadenkapelle in Altötting oder den Lokschuppen in Rosenheim, die noch freie Zeitfenster haben.“ Voraussetzung für einen solchen Service ist natürlich, dass die Informationen stunden- oder sogar minutenaktuell gepflegt sind. „Wir werden in den Wochen bis Pfingsten sehr viel Hirnschmalz in dieses Projekt stecken müssen, das ist uns bewusst. Unser Ziel ist es, mit diesen zentral gebündelten Informationen Staus zu vermeiden, die Besucher sinnvoll zu lenken und unsere Gäste nicht zu enttäuschen“, so Semmelmayr weiter. Die nächsten Wochen enden sieht der Geschäftsführer des Tourismusverbands als Testlauf, bei dem man die Hot-Spots schon beobachten kann. Pfingsten werden die Urlaubsgäste dann „eine Schippe drauflegen“, wie der Tourismus-Experte es formuliert, denn: „Die Nachfrage für die Pfingstferien ist schon wenige Minuten nach der Verkündung der Lockerungen sprunghaft angestiegen. Darauf müssen wir uns einstellen.“

Kein langes Fackeln gab es auch beim Thema Saisonverlängerung. Alle Konferenz-Teilnehmer sprachen sich für die Empfehlung aus, Hotels, Gasthäuser, Seilbahnen und Almen nicht wie üblich Ende Oktober zu schließen. Einerseits, weil vielleicht nicht alle Reisewilligen im Augenblick auch reisen können – etwa, weil sie in Kurzarbeit sind oder gerade keine Einkünfte haben. Ein halbes Jahr später, sagt Semmelmayr, sehe die Welt vielleicht schon wieder anders aus. Zum anderen, um den Vermietern zu ermöglichen, einen Teil ihres Jahresumsatzes im November nachzuholen. Gegenwärtig gehen der Tourismuswirtschaft im Chiemgau monatlich etwa 40 bis 50 Millionen Euro Umsatz verloren, 10 000 Arbeitsplätze im Tourismus sind in Gefahr.

Einbahnregelung für Chiemsee-Radweg?

Der Tourismusverband wird in den kommenden Tagen und Wochen alle Themen der Konferenz abarbeiten. Viele Vorschläge gab es zum Thema Sicherheit. Überall da, wo sich viele Menschen auf engem Raum treffen können, sehe sich der Tourismus in der Pflicht, über Sicherheit nachzudenken, sagt Semmelmayr. Dazu zähle auch der Begegnungsverkehr auf dem Chiemsee-Radweg, aber weniger in Sorge vor einer Ansteckung als vor Unfällen. Eine Empfehlung, den Radweg nur in einer Richtung zu befahren, wäre nach Angaben des 52-Jährigen ein Lösungsansatz. Hier stimmt sich CT noch mit den Gemeinden ab.

Preiserhöhungen drohen

Die verordneten Sicherheitsmaßnahmen bescheren den Gastgebern im Chiemgau derzeit nicht nur Kopfzerbrechen, sondern auch hohe Kosten. Plexiglas-Scheiben an der Rezeption, Mundschutz, Desinfektionsmittel und erhöhter Reinigungsaufwand schmälern den Gewinn der Betriebe – oder vergrößern die aktuellen Verluste. „Niemand kann erwarten, dass die Gastgeber zu einer stark verkürzten Saison auch noch die Hygienekonzepte alleine stemmen sollen“, erklärt Semmelmayr. Deshalb hat sich die Konferenz einhellig zu einer zweiten Empfehlung bekannt: Qualität und Sicherheit kann es nicht zum Nulltarif geben. Deshalb, so das Netzwerk Tourismuswirtschaft Chiemgau, müsse an der Preisschraube gedreht werden. „Billigurlaub darf es geben“, hat die Konferenz formuliert, „aber nicht bei uns“.

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