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Prüfzentrum für Bauelemente Stephanskirchen

Rüdiger Müller begann mit einem LKW - heute macht er bundesweit Häuser einbruchsicher

Die meisten Prüfungen beim Prüfzentrum für Bauelemente laufen auf high-tech-Basis ab. Nur bei den Einbruchprüfungen wird auch noch Hand angelegt, wie Rüdiger Müller, der „Gründervater“ des Institutes, bei einem „Tag des offenen Tores“ demonstrierte.
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Die meisten Prüfungen beim Prüfzentrum für Bauelemente laufen auf high-tech-Basis ab. Nur bei den Einbruchprüfungen wird auch noch Hand angelegt, wie Rüdiger Müller, der „Gründervater“ des Institutes, bei einem „Tag des offenen Tores“ demonstrierte.
  • VonJohannes Thomae
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Zu sagen, dass das Stephanskirchner Prüfzentrum für Bauelemente, das heute vier Hallen umfasst, im Containeraufbau eines kleinen Lastwagens begann, ist falsch und auch wieder nicht. Rüdiger Müller begann mit einem Fahrzeug und seinem guten Namen.

Stephanskirchen – Rüdiger Müller begann 1983 sein Prüfinstitut mit einer mobilen Prüfeinrichtung, die sich tatsächlich im Kofferaufbau eines gebraucht gekauften Lastwagens fand. Richtig ist aber auch, dass er zu dieser Zeit schon über zehn Jahre Erfahrung im Prüfen von Türen und Fenstern hatte.

Seit 1980 war Müller sogar Leiter des Prüflabors am Rosenheimer Institut für Fenstertechnik und Türen (ift) gewesen. Eine Position, die ihn dennoch nicht hundertprozentig zufriedenstellte: „Ich wollte meine Erfahrung auch dort einbringen, wo Türen und Fenster im übertragenen Sinn auf dem Prüfstand stehen“, so erzählt er, „vor Gericht, als vereidigter Gutachter. Das war damals mit einer Festanstellung nicht vereinbar, man musste Selbstständiger sein. Also blieb mir, um mein Ziel zu erreichen, nur die Kündigung beim ift“.

Europäische Normen mit erarbeitet

Was ihn an der Gutachtertätigkeit vor allem reizte, war die Überzeugung, dass es auch vor Gericht eine Beurteilung nicht allein auf den Texten einschlägiger Normen beruhen dürfe. „Normen sind das eine“, sagt Rüdiger Müller, „ihre Umsetzung in der Praxis noch einmal etwas anderes“.

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Er weiß, wovon er spricht, denn er war an vielen deutschen, aber auch europäischen Normenausschüssen beteiligt, und sein Ziel dabei stets, die Normierung nicht ausufern zu lassen. „Eigentliches Ziel der Normen ist ja, dass der ausführende Handwerker sich daran orientieren kann“, meint Rüdiger Müller, „dazu muss er sie lesen und verstehen können. Wenn er dazu einen Juristen braucht, läuft etwas falsch“.

Gutachten mit gesundem Menschenverstand

Vereinfacht könnte man sagen, dass das Ziel seiner Gutachtertätigkeit darin lag, vor Gericht neben den Normungstexten auch den gesunden Menschenverstand des Praktikers zu seinem Recht kommen zu lassen. Unterstützt hat ihn dabei, dies zu betonen ist ihm wichtig, seine Frau Gertraud Müller-Wagner, die seine handschriftlichen Erläuterungen in eine gerichtsverwertbare äußere Form brachte.

Das eigene Prüfinstitut war am Anfang gegenüber der Gutachtertätigkeit eher als Ergänzung gedacht und der mobile Prüfstand als schnelle Möglichkeit Prüfungen durchführen zu können. „Ich hatte mir in meiner Zeit beim ift einen gewissen Namen gemacht und mir war klar: Diese Kontakte würde ich verlieren, wenn ich mit dem Aufbau eines Prüfinstitutes zu lange warten würde“.

Mit dem Prüfmobil durch halb Europa

Die Zeit, in der er mit dem Prüfmobil durch Deutschland und durch halb Europa tourte, hat Rüdiger Müller noch in durchaus positiver Erinnerung: „Der große Vorteil war, dass wir direkt vor Ort beim Kunden waren. Wird heute zu den Prüfungen vielleicht zum technischen Leiter noch ein maßgeblicher Mitarbeiter geschickt, war damals oft die halbe Firma zugegen. Wir konnten auch schnell reagieren: Erwies sich eine Tür als nicht einbruchsicher, konnte die Firma die Schwachpunkte oft sofort korrigieren und wir dann prüfen, ob die Änderungen Verbesserungen mit sich brachten“.

„Upcycling“ bevor das Wort erfunden war

Allerdings war durch den beschränkten Platz die Angebotspalette beschränkt: Schallprüfungen, Wärmedurchgangsprüfungen, Dauerprüfungen gegenüber Witterungseinflüssen setzen feste Einrichtungen voraus und da die zu prüfenden Elemente immer größer werden, auch entsprechend große Hallen.

Auch beim Aufbau der Gebäude zeigt sich Rüdiger Müllers Sinn für einfache und praktische Lösungen, die er schon bei seinem Prüfmobil bewies: Die erste Halle bestand aus den Holzständerbauteilen zweier aufgelöster Supermärkte und einer größere Menge Profilstahls, der am Vogtareuther Bahnhof lagerte. Upcycling als Methode, als dieses Wort noch lange nicht erfunden war.

Ohne ihn geht es auch

Pragmatisch auch Rüdiger Müllers Einstellung zur Firmenleitung: „Ich bin jetzt 77“, sagt er. „Die Vorstellungen von einer Firmenführung, mit denen ich groß geworden bin, sind heute in vielen Punkten nicht mehr aktuell. Das muss man einfach ganz nüchtern so sehen“. Deshalb gab er die Institutsleitung des PFB an den Mitarbeiter Peter Mayer ab. Unterstützung erhält das verjüngte Team um Peter Mayer und den Prüfstellenleiter Matthias Demmel auch von seinem Sohn Dr. Daniel Müller.

Die Sorge, dass der Firma nun eine wesentliche Person fehlen wird, hat er nicht. „Ich bin auch während der Aufbauphase unserer Firma immer in Urlaub gefahren, denn ich war überzeugt: Wenn es nicht auch ohne mich funktioniert, dann habe ich etwas Entscheidendes falsch gemacht“.

Das gesteckte Ziel hat er erreicht

Das was er erreichen wollte, ist ihm ja auch gelungen: Ein Institut zu schaffen, das sich bundesweit einen Namen gemacht hat, für Prüfungen und Zertifizierungen längst nicht mehr nur allein für Fenster und Türen. Da passt es gut, dass sein offizielles Ausscheiden, das coronabedingt erst jetzt im September gefeiert wurde, mit der Anerkennung als Prüf- Überwachungs- und Zertifizierungsstelle zusammenfiel. Das Prüfzentrum für Bauelemente kann damit nicht nur die einzelnen Bauteile prüfen, es ist nun auch in der Lage, die nachfolgende Produktion als unabhängige Stelle zu begleiten.

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