Rosenheims Waldbesitzer schlagen Alarm: Schneebruch und Borkenkäfer bereiten Sorgen

Vor der Holzauktionund dem Verkauf bewerten und messen Holzhändler die Stämme. DPA

Die Wertholzsubmission steht vor der Tür. Dabei werden die schönsten Schätze des Waldes präsentiert, nach Meistgebot versteigert und am Ende der Auktion der Stamm mit dem teuersten Erlös zur „Braut“ gekürt. Es kommen Kunden aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland und geben ihre Gebote ab.

Rosenheim –Die Wertholzsubmission steht wieder vor der Tür. Dabei werden traditionell die schönsten Schätze des Waldes präsentiert, nach Meistgebot versteigert und am Ende der Auktion der Stamm mit dem teuersten Erlös zur „Braut“ gekürt. Es kommen Kunden aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland und geben ihre Gebote ab. In der Region beteiligen sich die örtlichen Waldbesitzervereinigungen (WBV) meist an der Südostbayern-Submission in Waging am See.

Aber die WBVs schlagen Alarm: Der Schein darf nicht über den bedenklichen Zustand des Waldes hinwegtäuschen. „Die aktuelle Lage in den Wäldern ist schlecht. Zwar wurde der Schneebruch zügig aufgearbeitet und die Borkenkäfersaison ist vorbei, jedoch ist die Vitalität unserer Wälder stark eingeschränkt“, so Alexander Graßl, Geschäftsführer der WBV Wasserburg-Haag.

Massive Spuren im Forst

Extreme Wetterbedingungen wie massive Schneefälle im Winter und trockene, heiße Sommer hinterlassen viele Spuren im Forst. So konnten sich in Folge von Trockenstress Schädlinge wie der Borkenkäfer heuer wieder sehr stark vermehren und große Schäden in den bayerischen Wäldern anrichten.

Dies führt bei den Waldbauern zu drastisch steigenden Bruch- und Schadholzmengen, die sich langfristig negativ auf die Holzpreise niederschlagen (siehe Infobox). Die Laubholzpreise seien zwar stabil und die Nadelholzpreise stiegen saisonbedingt wieder an, trotzdem befänden sich letztere durch die zahlreichen Kalamitäten wie Sturm und Schnee der vergangenen Jahre auf einem sehr niedrigen Niveau, meint Graßl.

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Mit einer Menge von circa 5 000 Kubikmeter Bruchholz sei die WBV Wasserburg-Haag trotz des schneereichen Winters 2018/2019 noch mit einem blauen Auge davongekommen. Dieses könne hauptsächlich energetisch oder als Papierholz verwendet werden.

Für den Landkreis Mühldorf rechnet Dr. Martin Kennel, Forstdirektor und Leiter der Forstbehörde am AELF Töging, für das Gesamtjahr 2019 mit einer erheblichen Borkenkäfer-Schadholzmenge von etwa 70 000 bis 80 000 Festmetern in den Privatwäldern. Zu einem Abfallen der Holzpreise führen auch die zahlreichen Krankheiten der einzelnen Baumarten in den Wäldern. Gerade durch den Klimawandel kämen immer neue Krankheiten dazu oder bereits bekannte würden in ihrer Wirkung verstärkt, so Jan Röder, Diplom-Forstwirt und Geschäftsführer der WBV Traunstein.

Eschensterben kommt hinzu

Sie hätten es in ihren Wäldern neben dem Borkenkäferbefall an der Fichte sowie dem Eschentriebsterben mit dem Buchdrucker und Kupferstecher zu tun. Auch Graßl äußert sich zu dem Thema wie folgt: „Das Eschentriebsterben beschäftigt uns nun schon seit Jahren. Hier ist vor allem die Verkehrssicherungspflicht entlang von Wegen ein kostspieliges Unterfangen für den Eigentümer. Daneben hatte es die Tanne heuer mit dem krummzähnigen Tannenborkenkäfer zu tun. Auch die Rußrindenkrankheit beim Ahorn und der asiatische Laubholzbockkäfer sind gerade auf dem Vormarsch.“ Den Waldbesitzern bleibe oft nichts anderes übrig, als geschädigte Bäume zu fällen, was für den Eigentümer defizitär sei, aber ein weiteres Ausbreiten der Krankheiten verhindere.

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Das Eschentriebsterben in der Nähe von Wegen und Straßen war und ist auch Thema bei der WBV Rosenheim. Ansonsten kann der Diplom-Forstwirt Michael Heffner von der WBV Rosenheim positiver über die Lage in ihren Wäldern berichten: So hätten sie heuer weniger Käferholz als in den letzten Jahren gehabt und seien auch in puncto Bruchholz mit einem blauen Auge davongekommen. Sobald das Holz beseitigt sei, könne man sich Gedanken um die Wiederaufforstung machen, meint Michael Erber, Geschäftsführer der WBV Mühldorf. „Das wichtigste ist hier nicht das Propagieren einzelner Baumarten, sondern eine gezielte Risikostreuung.

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Hier kann man durch eine standortgerechte Mischung die Weichen für einen gesunden und widerstandfähigen Mischwald stellen.“

Zu dieser Reaktion rät auch Graßl den Waldbauern. Er spricht von einem „gemischten Brotkorb voller Bäume“ als Zukunftswald. So wurden in ihrem Geschäftsgebiet dieses Jahr hauptsächlich die Baumarten Ahorn, Buche, Eiche, Schwarzerle, Flatterulme, Kirsche, Nussbaum, Tanne, Lärche und Fichte und hinsichtlich der Klimaerwärmung auch Douglasie und Esskastanie nachgepflanzt. Auch in der WBV Rosenheim sensibilisiere man seine Mitglieder, vermehrt auch klimarobuste Baumarten zu pflanzen.

Staatliche Hilfe benötigt

Um die massiven Schäden bewältigen und kalamitätsbedingte Schadflächen wiederaufforsten zu können, sind die Waldbesitzer dringend auf die finanzielle Hilfe des Staates angewiesen.

Im September wurde den bayerischen Forstwirten im Rahmen des nationalen Waldgipfels“, zu dem über 200 Vertreter von 170 Organisationen und Verbänden nach Berlin eingeladen waren, jüngst 100 Millionen Euro für mittelfristige Projekte bewilligt. Zusammen mit weiteren Zuwendungen des bayerischen Staates stehen ihnen damit für 2020 circa 65 Millionen Euro für die Schadensbewältigung und den klimafesten Umbau der Wälder zur Verfügung.

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