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Rosenheimer Firma vor dem Umbruch: XP Power aus Singapur übernimmt FuG Elektronik aus Schechen

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Von: Korbinian Sautter

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Seit Februar unter neuer Führung: Die Firma „FuG Elektronik“ produziert nun Netzgeräte für das Großunternehmen „XP Power“ aus Singapur.
Seit Februar unter neuer Führung: Die Firma „FuG Elektronik“ produziert nun Netzgeräte für das Großunternehmen „XP Power“ aus Singapur. © Re

Ein Großkonzern kauft sich die Expertise aus Schechen. Die Firma „FuG Elektronik“ ist nun Teil des milliardenschweren Unternehmens „XP Power“. Im Rahmen der Übernahme kam der neue Geschäftsführer Oskar Zahn in den Landkreis Rosenheim und berichtete auf Anfrage der OVB Heimatzeitungen, welche Änderungen auf den Betrieb zukommen.

Rosenheim – „Wir beobachten und bewundern die Arbeit bei FuG schon seit Jahren“, sagt Zahn. Seit dem Sommer 2021 hätten die beiden Unternehmen vermehrt Kontakt miteinander aufgenommen und sich auf dem mehrere tausend Quadratmeter großen Produktionsgelände getroffen. Um das eigene Angebot an Netzteilen für Industrie- und Forschungseinrichtungen zu erweitern, investierte der globale Anbieter laut Börsenangaben nun rund 39 Millionen Euro, um die beiden Elektronikhersteller „FuG“ und „Guth“ (bei Stuttgart) zu übernehmen. Gerade für Lösungen mit Starkstrom soll die Schechener Entwicklung und Produktion weithelfen. „Wir wollen gemeinsam wachsen“, verspricht der neue, in London lebende Geschäftsführer.

Fachwissen aus der Region eingekauft

Bei der Frage, ob sich durch die neue Führung viel am traditionellen Unternehmen verändert, konnte Zahn gerade im Hinblick auf die Angestellten beruhigen: „Es sind diesbezüglich keine Änderungen geplant. Das Geschäft bleibt hier.“ Vielmehr sei es das Ziel, die Anzahl der Mitarbeiter sogar kontinuierlich zu erweitern und mit rund fünf Auszubildenden pro Jahr aufzustocken.

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Lediglich strukturell werde es allein schon durch die neuen Dimensionen Unterschiede geben. Laut den Berichten an der Londoner Börse betrug der Umsatz von „XP Power“ im Jahr 2021 rund 230 Millionen Euro. Der Schechener Hersteller mit seinen rund hundert Mitarbeitern ist somit Teil von mehreren Betrieben mit insgesamt mehr als 2000 Angestellten geworden.

Oskar ZahnGeschäftsführer von „FuG“
Oskar ZahnGeschäftsführer von „FuG“ © Re

Als Finanzmanager für alle Standorte wird Zahn nicht in Schechen bleiben, sondern die Hauptorganisation auf die einzelnen Abteilungsleiter vor Ort verteilen. Auch der Verkauf der Produkte wird neu ausgerichtet. Zwar sei „FuG“ mit ihren Hochspannungslösungen bereits international vertreten gewesen, habe sich jedoch in erster Linie auf den deutschen Markt konzentriert. Im Landkreis Rosenheim kam die Nachfrage nach elektronischen Teilen zuletzt beispielsweise von der Technikfirma Neenah Gessner aus Bruckmühl oder von dem Gymnasium in Raubling. In Zukunft soll laut Zahn der Fokus jedoch noch mehr auf den internationalen Markt gelegt werden.

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„Die FuG ist mit ihrer Technik teilweise Marktführer in Deutschland und war schon immer auf Wachstum ausgelegt“, sagt Schechens Bürgermeister Stefan Adam. Die Firma sei daher mit verantwortlich, dass man in Schechen nicht nur gut leben, sondern auch arbeiten kann. Für ihn wäre es daher wichtig, wenn der Betrieb auch nach der Übernahme weitere Arbeitsplätze schaffen wird.

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Die Chancen dafür stehen wenn es nach dem neuen Geschäftsführer geht grundsätzlich nicht schlecht. Denn der Markt für Elektronik steigt laut Zahn aktuell weltweit. Gerade durch das Homeoffice ist der Bedarf an elektronischen Geräten in vielen Unternehmen stark angewachsen. Aber auch im Bereich der Krankenhaustechnik werden immer mehr Hochspannungsgeräte gebraucht. Einzig die Lieferkettenengpässe würden den Produktionen weltweit zu schaffen machen. „Ein kleines, nicht geliefertes Teil, das 25 Cent kostet, kann die Fertigstellung eines Geräts für 10 000 Euro wochenlang verzögern“, meint Zahn.

Neue Leitung kommt aus London

Die Zukunft für den Schechener Wirtschaftsstützpunkt steht somit im Zeichen von der Integrierung in ein größeres System. Wie sich die neue Struktur auf die Produktion auswirkt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Bis alle Fragen geklärt sind, will Zahn noch im Landkreis bleiben, bevor es ihn zurück nach London zieht. Von dort wird er neben den großen Produktionshallen in Asien und Amerika nun auch Schechen im Auge behalten.

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