Rosenheim: Werkstoff Holz seit Jahrtausenden der gleiche, Bearbeitung im Wandel

Mit der Bestnote „Eins“ konnte Simon Beyer (Mitte) von der Möbelwerkstatt Hanslmaier aus Pfaffing seine Ausbildung zum Schreiner beenden. Zu den Gratulanten gehörten der Obermeister der Schreinerinnung Peter Moser (links), Landrat Otto Lederer, Ausbilder Johann Hanslmaier und Prüfungsausschuss-Vorsitzender Sebastian Fischer.
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Mit der Bestnote „Eins“ konnte Simon Beyer (Mitte) von der Möbelwerkstatt Hanslmaier aus Pfaffing seine Ausbildung zum Schreiner beenden. Zu den Gratulanten gehörten der Obermeister der Schreinerinnung Peter Moser (links), Landrat Otto Lederer, Ausbilder Johann Hanslmaier und Prüfungsausschuss-Vorsitzender Sebastian Fischer.

Der Abschluss einer Ausbildung ist für jungen Menschen ein wichtiger und wegweisender Abschnitt in ihrem Leben. Traditionell wird das Ende dieses Abschnitts im Handwerk mit der Freisprechung der Auszubildenden begangen, die von nun an ausgelernte Handwerksgesellen und frei von ihrem Lehrbetrieb sind.

Rosenheim/Pfaffing – Ein feierlicher Augenblick, der in Zeiten des Coronavirus nicht so gefeiert werden kann, wie es seit Hunderten von Jahren in der Schreinerinnung üblich ist. Die Rosenheimer Schreinerinnung ließ es sich trotzdem nicht nehmen, eine Feierstunde auszurichten. Vor rund drei Jahren begannen insgesamt 45 junge Leute ihre Ausbildung zum Schreiner. Bis auf einen von ihnen, der krankheitsbedingt an der Prüfung nicht teilnehmen konnte, haben sie nun alle ihr Ziel erreicht. Mit einem Notendurchschnitt von 2,7 in der Praxis und 2,8 in der Theorie, konnte sich ihre Leistung im Vergleich zu den Vorjahren sehen lassen.

Innungssieger der Gesellenprüfung 2020 ist Simon Beyer von der Möbelwerkstatt Hanslmaier aus Pfaffing. Er erhielt sowohl in der Praxis als auch in der Theorie die Note „Eins“, und bekam für sein Gesellenstück mit 98,4 Punkten ebenfalls die Note „Eins“.

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Insgesamt standen vier Absolventen auf dem Einserpodest, denn David Herdegen (Schreinerei Richard Schauer aus Rohrdorf), Jonas Obergruber (Schreinerei Inninger aus Griesstätt), Jakob Schömig (Schreinerei Bruckbauer aus Rosenheim) und Kilian Steidler (Grandl Sauna- und Innenausbau, Edling) folgte mit wenigen Punkten Abstand. Erster Gratulant war Peter Moser, Obermeister der Schreinerinnung, der auch die Laudatio hielt und den neuen Gesellen den Ratschlag mit auf ihren künftigen Weg gab: „Nicht stehenbleiben, sondern sich den Anforderungen des Marktes anpassen, das ist auch im Handwerk die Zukunft.“ Auch wenn der Werkstoff Holz sich seitdem er von der Menschheit bearbeitet wird nicht geändert hat, so haben sich doch die Verfahren zu seiner Bearbeitung – insbesondere mit der Digitalisierung – vielfach verändert.

Lasergesteuerte Maschinen im Einsatz

Schon spricht die Branche vom „E-Handwerker“. Lasergesteuerte Maschinen haben im Schreinerhandwerk Einzug gehalten. Während noch vor 30 Jahren viel Gefühl für den Einsatz des Hobels verlangt wurde, sind heute auch Kenntnisse im Umgang mit Computern gefordert und verlangen dem Schreiner ein neues und komplexes Wissen ab. Wenn einmal alles programmiert ist, geht die Arbeit dem Schreiner viel schneller von der Hand und wird damit deutlicher günstiger als die Produktion von Hand. Daher verfügt die Rosenheimer Berufsschule auch über einen hochmodernen und innovativen Maschinenpark, um ihren Auszubildenden bereits heute das Schreinerwissen von morgen mitzugeben. Die Entwicklung in der Branche setzt sich laufend fort. Deswegen ist der Ratschlag des Obermeisters, in der eigenen Entwicklung nicht stehenzubleiben, sich stetig weiterzubilden, denn das ist für die Zukunft der jungen Gesellen Gold wert, damit auch künftig die alte Volksweisheit „Handwerk hat goldenen Boden“ Bestand hat.

51 Absolventen verabschiedet

Spaß hat ihnen die Ausbildung gemacht, sagen die 51 Absolventen, unter ihnen zehn junge Frauen. Leicht waren die Prüfungen, die sie bestehen mussten, allerdings nicht. Dazu Prüfungsausschussvorsitzender Sebastian Fischer: „Der Notendurchschnitt in der praktischen Prüfung lag bei 2,5 und in der theoretischen Prüfung bei 3,6. 13-mal konnten wir die Note Eins für die Erstellung der Gesellenstücke vergeben. Innungssieger der Gesellenprüfung 2020 ist Jacob Schmid von der Schreinerei Sebastian Reisinger aus Brannenburg.“ Er erhielt die Praxisnote „Eins“, die Theorienote „Zwei“ und bekam für sein Gesellenstück mit 97,4 Punkten ebenfalls die Note „Eins“. Insgesamt standen drei Absolventen auf dem Einserpodest, denn Johanna Daxenberger (Schreinerei Sedelmeier aus Rott) und Sebastian Lechner (Schreinerei Moser aus Nußdorf) folgten mit wenigen Punkten Abstand. stv

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