Robust trotz Gegenwind: Erste digitale Hauptversammlung der Gesundheitswelt Chiemgau AG

Die Simssee Klinik und die Chiemgau Thermen in Bad Endorf aus der Vogelperspektive. Gesundheitswelt Chiemgau AG
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Die Simssee Klinik und die Chiemgau Thermen in Bad Endorf aus der Vogelperspektive. Gesundheitswelt Chiemgau AG

Im Vorjahr konnte die Gesundheitswelt Chiemgau AG noch erfreuliche Zahlen verbuchen, heuer folgte dann der Corona-Dämpfer. Und dennoch spricht der Vorstand von einem „robusten Ergebnis“ – wenn ein zweiter Lockdown ausbleibt.

Von Katharina Heinz

Bad Endorf – In der Hauptversammlung bekamen die Aktionäre des Konzerns einen Überblick über das Geschäftsjahr 2019, einen aktuellen Einblick in die Situation in der Covid-19-Pandemie sowie einen vorsichtigen Ausblick auf 2021. „Die Hauptversammlung findet unter besonderen Vorzeichen statt und stellt eine Premiere dar“, sagte Gerhard Ertl, Aufsichtsratsvorsitzender. Aufgrund der geltenden Corona-Beschränkungen erfolgte die 48. Hauptversammlung erstmals digital. Auch die Abstimmungen erfolgten über einen passwortgeschützten Internetservice.

Insgesamt sechs Tochterunternehmen

Die Gesundheitswelt Chiemgau AG umfasst sechs Tochterunternehmen in der Region: Die Klinik St. Irmingard in Prien, die Klinik ChiemseeWinkel Seebruck, die Chiemgau Thermen und das Hotel Ströbinger Hof in Bad Endorf sowie die Simssee Klinik in Bad Endorf mit dem ambulanten Rehazentrum Rosenheim. Die Geschäftsbereiche teilen sich damit auf in den Bereich Medizin und den Bereich Touristik. An der Spitze des Konzerns steht die GWC AG und übernimmt als Management-Holding die Aufgaben der Konzernführung.

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Vorstand Dietolf Hämel gab zunächst einen Einblick in das laufende Geschäftsjahr. „Die AG und ihre Tochterunternehmen haben es mit ungeahnten Herausforderungen zu tun“, betonte er. So mussten während dem Lockdown die Chiemgau Thermen, der Ströbinger Hof sowie die Rehazentren geschlossen werden. Der Vorstand erwartet auch weiterhin eine gewisse Zurückhaltung der Kundschaft von Thermen und Ströbinger Hof. Im Geschäftsbereich Medizin dagegen war man Teil des Kampfes gegen die Viruspandemie. Man nahm seinen Versorgungsauftrag wahr und beteiligte sich am regionalen Pandemiebekämpfungsplan. Laut Hämel zeigte sich in der Pandemie insgesamt ein deutlich gewachsener operativer Aufwand.

Lob an die Mitarbeiter

Die Herausforderungen, in denen die Mitarbeiter laut Hämel „beispiellos an vorderster Front großen Einsatz gezeigt“ haben, bringen auch positive Effekte mit sich. So wolle man bei der Gesundheitswelt Chiemgau AG viele Formen der digitalen Arbeit und des Dienstleistungsangebots beibehalten. So gebe es nun für die Kunden der Promoveo Fitness- und Gesundheitswelt Trainingsvideos und den Patienten in den Kliniken würden Patienten-Schulungs-Videos angeboten.

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Zufrieden zeigte sich der Vorstand angesichts des „sehr erfolgreichen Geschäftsjahres 2019“. Der Umsatz des Konzerns ist 2019 gegenüber dem Vorjahr um gut sieben Prozent auf über 62,9 Millionen Euro gestiegen. Das Betriebsergebnis ist um rund acht Prozent auf gut 5,1 Millionen Euro angewachsen. Das Jahresergebnis wird mit knapp 3,5 Millionen Euro beziffert. Hämel schlug daher vor, 300.000 Euro Dividende auszuschütten – das entspricht vier Euro pro Aktie (2018: zwei Euro je Aktie). Die Aktionäre stimmten dem mit großer Mehrheit zu.

Die Höhepunkte 2019 waren laut Hämel unter anderem das erste volle Geschäftsjahr nach der Wiedereröffnung der Chiemgau Thermen. Zwar seien die Besucherzahlen bisher hinter den Erwartungen geblieben, das habe sich aber durch einen höheren Preiseffekt ausgeglichen. Die Attraktivierung des Bades ging einher mit einem neuen Parkhaus sowie einem „Bademantelgang“ zum Hotel Ströbinger Hof. Ebenfalls neu im Konzern: Mit dem Angebot einer mobilen geriatrischen Reha könne man nun eine neue Zielgruppe älterer Menschen ansprechen.

Strategische Weiterentwicklung

Als strategische Weiterentwicklungen stehen der Aufbau eines Schmerzkompetenzzentrums an der Simsseeklinik sowie ein Segment-Ausbau der ambulanten Reha und Therapie in Rosenheim an. Räumlich vergrößern will man sich in Zukunft bei der Klinik St. Irmingard in Prien und beim Ströbinger Hof. Mit der Umsetzung einer notwendigen Sanierung der Bohrung Bad Endorf II an der Jod-Thermalsolequelle rechnet man in den kommenden drei bis fünf Jahren. Hier geht man von rund sechs Millionen Euro Investitionskosten aus.

Umsatzrückgang mit Einsparungen begegnet

Wie der Abschluss dieses Corona-Jahres aussehen wird – dazu ist laut Hämel eine präzise Prognose nicht möglich. Bleibe ein weiterer Lockdown aus, erwartet er ein „robustes Ergebnis“. Umsatzrückgängen habe man mit Einsparungen begegnen können. So nutzte man die Möglichkeit von Kurzarbeit, offene Stellen seien nicht besetzt worden und man rechnet mit Erstattungen sowie Geldern aus Rettungsschirmen sowie von Versicherungen. „Aber ich sehe 2021 als noch herausfordernder“, sagte der Vorstand. Denn es würden weiterhin gesteigerte Anforderungen etwa in die Hygiene nötig bei gleichzeitigen Betriebseinschränkungen und zurückhaltenden Kunden. Zudem könnten dann die staatlichen Unterstützungen ausbleiben. Man werde stärker denn je mit Unplanbarkeiten und Einbußen konfrontiert sein, so der Vorstand der Gesundheitswelt Chiemgau AG.

Gerhard Ertl Aufsichtsratvorsitzender Gesundheitswelt Chiemgau AG
Dietolf Hämel Vorstand Gesundheitswelt Chiemgau AG

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