VBW: WIRTSCHAFT IM LÄNDLICHEN RAUM

Probleme müssen ganzheitlich gesehen werden

Beim vbw-Gespräch: Die Vorstandsmitglieder für die Region Südostbayern, Anton Kathrein (hinten links) und Stefan Neumann, Brückner Maschinenbau, zeigten sich angesichts mancher Themen sehr nachdenklich. sen

Demografie, Fachkräftemangel, Infrastruktur und bezahlbarer Wohnraum sind einige der Schwerpunktthemen, mit denen sich die Wirtschaft jetzt und in Zukunft befassen muss. Gerade, wenn sie im ländlichen Raum angesiedelt ist.

Rosenheim –  Im Rahmen eines Pressegesprächs bei der Kathrein SE in Rosenheim hat die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. Chancen und Herausforderungen des ländlichen Raums in Südostoberbayern skizziert. Vbw-Vorstandsmitglied Anton Kathrein wies auf ein „deutliches Stadt-Land-Gefälle“ hin, wenn es um den Zusammenhang zwischen Altersstruktur und Verfügbarkeit von Fachkräften gehe: „Während für den Landkreis Altötting bis 2036 ein Bevölkerungszuwachs von nur 1,8 Prozent vorhergesagt wird, wachsen die Landkreise Mühldorf und Rosenheim im gleichen Zeitraum um über sieben Prozent.“ Der Anteil Älterer wachse dabei im Kreis Altötting von heute 36 auf 54 Prozent. In Rosenheim-Stadt werde die Quote 2036 bei 41 Prozent liegen, verglich Kathrein. „Das wirkt sich auf die Verfügbarkeit von Fachkräften aus und führt in manchen Unternehmen schon heute zu Einschränkungen in der Produktion.“

Miet- und Kaufpreise als Hemmnis für Fachkräfte

Der vbw fordert vor diesem Hintergrund von Staat und Kommunen ein „engmaschiges Verkehrskonzept aus Straßen und öffentlichem Nahverkehr“, um den Mobilitätswünschen der Bewohner als auch den Anforderungen der Unternehmen gerecht zu werden. Weiter wichtig sei eine leistungsfähige, digitale Infrastruktur, die noch nicht überall gegeben sei, etwa in Altötting und Traunstein. Rosenheim dagegen, gab die teilnehmende Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer an, könne mit einem flächendeckendem Breitband punkten, „das mit 400 Megabit und bis zu zehn Gigabit für Geschäftskunden zu den schnellsten Datennetzen in Deutschland gehört.“ Schnelles Internet und ein attraktiver Nahverkehr nützen wenig, wenn der bezahlbare Wohnraum für Mitarbeiter und künftige Fachkräfte fehlt. Da waren sich vbw, Bauer, Kathrein und Stefan Neumann, kaufmännischer Geschäftsführer der Brückner Maschinenbau aus Siegsdorf, einig. Neumann, ebenso vbw-Vorstandsmitglied, erzählte, er sei mit diesem Thema fast täglich konfrontiert. Viele Mitarbeiter hätten unter den hohen Mieten in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein zu leiden. Fragen, ob große Unternehmen zum Modell der Firmenwohnungen zurückkehren sollten und welche Aufgabe hier der Wirtschaft überhaupt zukomme, nahmen die Teilnehmer mit nach Hause.

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