Prien: So wurde Michael Kappelmaier mit einer Mark zum Chef der Systemform Datenbelege

Die drei Geschäftsführer der Systemform Datenbelege: Michael Kappelmaier, Felix Kappelmaier und Tobias Rohleder. Berger
+
Die drei Geschäftsführer der Systemform Datenbelege: Michael Kappelmaier, Felix Kappelmaier und Tobias Rohleder. Berger

Die frühere Firma Systemform in Prien hat sich größtenteils zerschlagen. Die Sparte der Datenbelege arbeitet bis heute – mit Erfolg. Geschäftsführer Michael Kappelmaier kennt sie aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Von Heidi Geyer

Prien –Vom Mauerfall in Berlin bis zum Konkurs seines Arbeitgebers hat Michael Kappelmaier (62) viel erlebt in seinem Berufsleben. Der Wendepunkt war jedoch, als er für eine Mark die Firma kaufte, in der er damals angestellt war. Mit Erfolg: Die Firma Systemform Datenbelege GmbH beschäftigt heute an der Hochriesstraße 42 Mitarbeiter, die unter anderem Versicherungsanträge, Laborbelege oder auch Rezeptblöcke für rund 50 000 Kassenärzte herstellen.

Lesen Sie auch:Vom Keller auf den Körper: Marcel Pumpe aus Rott hat Label für nachhaltige Mode gegründet

Ende der 80er Jahre kommt Michael Kappelmaier zur Systemform: „Ich habe als Schriftsetzer angefangen und wollte mich weiter entwickeln.“ Die Firma macht ihm das Angebot, für drei Jahre an den Standort nach West-Berlin zu gehen. Eine Idee, die bei Kappelmeier und seiner Frau zunächst auf mäßige Begeisterung stößt. Nach einem Besuch lassen sie sich doch locken – und erlebten ab 1987 die vermutlich spannendsten Jahre in der Geschichte der heutigen Hauptstadt.

Ein Wagnis mit Rückenwind

Zurück in Prien wird Kappelmaier Stellvertreter in den technischen Abteilungen, übernimmt verschiedene Projekte. 1997 kommt es bitter für die Beschäftigten: Die Firma meldet Konkurs an. Kappelmaier wird kommissarischer Leiter der Druckerei. Der Käufer signalisiert, dass er in der Druckerei langfristig keine Zukunft sieht. Michael Kappelmaier ist hingegen überzeugt von der Kompetenz und Leistungsfähigkeit der Mannschaft.

Für eine Mark bietet er an, die Firma zu übernehmen. Zum 1. Januar 2002, inzwischen zu Eurozeiten, übernimmt er den Teilbereich der Systemform als Eigentümer: „Das war schon ein Wagnis, wobei ich immer wusste, dass ich eine sehr gute Mannschaft hinter mir habe.“

Lesen Sie auch:Endgültiges Ende der Ära Systemform in Prien: CEO Michael Auerbach erklärt das Standort-Aus

Ein Wagnis, das sich für ihn und die Beschäftigten noch heute lohnt. Auch wenn die Digitalisierung und die Vision vom papierlosen Büro zunächst für den Betrieb ein Risiko sein könnte. Denn das Geschäftsmodell der Firma ist die Aufwertung von Papier durch Funktion: „Das kann ein Durchschlag sein, aber auch spezifischere Anwendungen wie Barcodes“, sagt der 62-Jährige. Systemform Datenbelege verknüpft Papier und digital: Beispielsweise bestellt ein Kunde einen Bogen, den Patienten im Krankenhaus bei der Aufnahme bekommen. Auf diesem sind Barcodes und Aufkleber, die benutzt werden, um Blut- und Urinproben zuordnen zu können.

Vielseitigkeit statt Kostenführer

Systemform stellt davon einen Teil selbst her, arbeitet aber hauptsächlich mit spezialisierten Zulieferern im Hintergrund. „Ich behaupte, dass es in Deutschland keinen vielseitigeren Lieferanten gibt als uns“, sagt Kappelmaier. Preisführer könne und wolle die Firma nicht werden. Stattdessen entwickle sie sich zum Systemlieferanten.

Vom ursprünglichen Systemform-Konglomerat, das Kappelmaier noch aus seinen ersten Berufsjahren kennt, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Kürzlich kündigte die Swiss Post Solutions, die Teile des Ursprungsunternehmens übernommen hatten an, den Produktionsstandort bis auf knapp 20 Büroarbeitsplätze zu schließen. „Das schmerzt schon“, sagt Kappelmaier, „schließlich kenne ich auch viele der Beschäftigten persönlich.“

„Wir denken in Generationen“

Corona habe nur relativ glimpfliche Spuren bei Kappelmaiers Firma hinterlassen. Auf die Erfahrung seiner Mitarbeiter legt er wert und von dieser lebt er. Eine Tatsache, die sich auch auf die Unternehmenskultur auswirkt: „Wir denken anders als ein Konzern nicht nur in Quartalsabschlüssen, sondern in Generationen.“

Lesen Sie auch:Der „Supermarkt des Jahres“ liegt in Raubling: Frischemarkt Prechtl ausgezeichnet

Der Chef selbst zieht sich bereits schrittweise aus dem operativen Geschäft zurück. Sein Sohn Felix (32) ist neben Tobias Rohleder der dritte Geschäftsführer und wird in die Fußstapfen seines Vaters treten. Ob er es als Bürde empfunden habe, als „der Sohn vom Chef“ anzutreten? „Ich glaube, das war nicht der Fall, und mein Vater hat auch darauf geschaut“, sagt Felix. Ihm sei es wichtig, mit seiner Kompetenz zu überzeugen und nicht mit seinem Namen.

So geht es der Druckindustrie

Der Bundesverband Druck und Medien zieht auf Basis einer Befragung des ifo-Instituts eine wechselhafte Bilanz. Nach den Einbrüchen zu Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Situation der Branche im September wieder leicht aufgehellt. Gegenüber dem Vormonat stieg der saisonbereinigte Index der Geschäftserwartungen um 3,3 Prozent. Im August war dieser noch um 12,3 Prozentpunkte gefallen. Dennoch gaben nur 15 Prozent der Unternehmen an, dass sie eine positive Entwicklung ihrer Ertragslage erwarten. Im Vergleich zu Vorjahr verschlechterte sich der Wert um ein knappes Drittel. Im September meldeten 57 Prozent der Betriebe, dass sie derzeit in Kurzarbeit sind. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, innerhalb der kommenden drei Monate Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen.

Papier mit verschiedenen Funktionen stellt die Firma in Prien her.

Kommentare