METALL UND ELEKTRO-INDUSTRIE

Noch in dieser Woche gibt’s erste Streiks

Jochen Hafner von der IG Metall Rosenheim. re
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Jochen Hafner von der IG Metall Rosenheim. re

Rosenheim/Traunreut – Für Dienstag kündigte die IG Metall in ganz Bayern den Beginn flächendeckender Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie an.

32 bayerische Betriebe sollten sich gestern daran beteiligen, darunter auch die Traunreuter Heidenhain GmbH, wie die IG Metall in einer Mitteilung bekannt gab.

Christian Stoib, der für seine Kollegen bei Heidenhain an den Verhandlungsrunden der IG Metall teilnimmt, teilte gestern den OVB-Heimatzeitungen mit, dass man sich entgegen der Meldung aktuell nicht an den Streiks beteilige. „Wir stehen solidarisch hinter den Forderungen der IG Metall“, sagte Stoib. Vorerst wolle man abwarten; handeln werde man aber, „sollte es in den nächsten Verhandlungsrunden wieder so düster aussehen wie bisher“.

Bei der Rosenheimer IG Metall dagegen scheint die Stimmung gerade so richtig Fahrt auf zu nehmen. Jochen Hafner von der Geschäftsstelle kündigte gestern gegenüber unserer Zeitung weitere, „definitiv stattfindende“ Warnstreiks an, die noch in dieser Woche bei Unternehmen in der Region starten sollen. Teils mit mehreren Hundert, teils mit über Tausend Streikenden.

Laut Hafner werden diese ersten Streiks der Anfang weiterer Aktionen sein, bleiben die für den 15. Januar angesetzten nächsten Verhandlungsrunden in Bayern weiterhin ohne konkretes Ergebnis. „Die nächste Welle könnten 24-Stunden-Streiks sein“, stellt Hafner in Aussicht. Würden die Arbeitgeber nicht zu einem Einlenken bereit sein, könnte es sogar zu einem „unbefristeten Arbeitskampf“ kommen. „Darauf legen wir es nicht an“, räumt er ein, „aber wir sind bereit, auch das durchzuziehen.“ Erfahrungsgemäß komme es doch zu einem Kompromiss zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft. Immerhin wären die angekündigten Streiks in der Region Südost, die in der kommenden Woche weitergehen sollen, die ersten größeren Ausstände seit 1995.

Hafner hält die Mitarbeiter der großen, regionalen Metall- und Elektrounternehmen für durchaus streikbereit, zumal diese gerade jetzt, „wo es in den Betrieben brummt und die Auftragsbücher bis ins nächste Jahr hinein voll sind“, wie Hafner es sagt, auch an den Erfolgen ihrer Unternehmen beteiligt sein wollen. „Das Leben in der Region, vor allem, wenn es um Wohnraum geht, wird immer teurer“, gibt Hafner zu bedenken, da sei die Forderung nach mehr Geld nur eine logische Konsequenz. Aktuell geht es der IG Metall um sechs Prozent mehr Gehalt für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Als zeitgemäß bezeichnet der Rosenheimer Gewerkschaftler auch die Forderung einer 28-Stundenwoche für die Beschäftigten für eine gewisse Zeit, gepaart mit einem Lohnausgleich.

Wünsche der 20- bis 30-Jährigen berücksichtigen

Wer durch Pflege oder Kinderbetreuung stark beansprucht sei, soll im Job ohne Nachteile kürzertreten dürfen, „aber mit einem Rückkehrrecht in Vollzeit.“ Laut Hafner sind das auch die Wünsche der „Generation Y“, die sich ein selbstbestimmteres, flexibleres Berufsleben vorstellt. Er warnt Betriebe davor, solche Wünsche nicht erst zu nehmen: „In diesen Zeiten kann sich eine gut ausgebildete Fachkraft auch gegen einen unflexiblen Arbeitgeber entscheiden und findet im Großraum München schnell etwas Besseres.“ sen

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