Nichts geht über die Nordmanntanne: Christbaumverkauf in der Region läuft auf Hochtouren

Schnur statt Netz:Hubert Fuchs verpackt die Christbäume am Rosenheimer Weihnachtsmarkt mithilfe einer Maschine, die den Einsatz von Kunststoff überflüssig macht. schlecker

An Weihnachten einen Christbaum aufzustellen, gehört in den meisten Haushalten zum Fest. Also müssen in der Adventszeit nicht nur Geschenke besorgt werden, sondern auch der passende Baum. Auch in der Region Rosenheim werden fast immer Nordmanntannen von den Käufern gewünscht.

Rosenheim/Mühldorf – Am Christkindlmarkt in Rosenheim verkauft Hubert Fuchs seit Anfang Dezember im Auftrag der Baumschule Weiß aus Schechen. Der gebürtige Rosenheimer wohnt inzwischen an sich in Ungarn, aber in der Vorweihnachtszeit kommt er jedes Jahr zurück in die alte Heimat, um mit Bäumen zu handeln. „Ich mache das als Hobby“, sagt der 80-Jährige im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Je näher das Weihnachtsfest rückt, desto mehr hat er zu tun. „Etwa ab Mitte Dezember merkt man, dass die meisten Leute sich um den Baum kümmern. Vor allem an den Wochenenden ist dann viel los“, so Fuchs. Und ja, es gebe auch einige Nachzügler , die das Projekt Christbaum erst am 23. Dezember oder gar an Heilig Abend in Angriff nähmen.

Auf der Christbaum-Plantage von Ludwig Mittner sind Schafe für die Unkrautbekämpfung zuständig. mittner

Fast nur noch Nordmanntannen

Mittlerweile würden fast nur noch Nordmanntannen verkauft. „Die stechen nicht so und halten die Nadeln auch deutlich länger als zum Beispiel eine Fichte.“ Wie teuer ein Baum ist, hängt von seiner Größe und vom Wuchs ab. Bei etwa 20 Euro geht es los, größere Exemplare kosten 35 Euro und mehr. Sämtliche Bäume, die Fuchs verkauft, wachsen in Schechen. Das hat den Vorteil, dass er je nach Absatz auch kurzfristig nachbestellen kann.

Stolz ist man bei der Baumschule Weiß auf das Siegel „Geprüfte Qualität-Bayern“, das vom Freistaat Bayern verliehen wird. Es belegt, dass beim Anbau der Bäume auf Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Bei vielen Bäumen, die aus dem Ausland importiert werden und weniger kosten, ist das anders. „Die fangen dann im Wohnzimmer leicht an zu müffeln“, weiß Fuchs.

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Beim Verpacken hat der 80-Jährige heuer eine Neuheit im Einsatz: Einen Apparat, der die Bäume nicht mehr in Netze einschnürt, sondern mit einer Schnur umwickelt. Erfunden haben die Maschine die Schwestern Ingrid und Birgit Weiß. „Wir wollten etwas für den Umweltschutz tun, weil mit den Netzen doch eine ganze Menge an Kunststoff verbraucht wird“, erzählt Birgit Weiß. Etwa 300 Laufmeter seien es pro Baum. Stattdessen hält eine rund sechs Meter lange Hanfschnur die Äste und Zweige zusammen. „Die kann man entweder wiederverwenden oder zum Kompost geben“, so Birgit Weiß. Die Kunden seien begeistert von der neuartigen Verpackung ihrer Bäume, Kunststoffnetze kämen fast gar nicht mehr zum Einsatz.

Immer mehr Käufer suchen sich bei Familie Mußner ihren Baum direkt auf dem Feld aus. günster

Umweltschutz ist auch für den Landwirt Ludwig Mittner aus Stephanskirchen ein wichtiges Thema. Chemie kommt bei ihm ebenfalls nicht zum Einsatz, stattdessen bekämpft er Unkraut mit vierbeinigen Mitarbeitern. Shropshire-Schafe sind in der Christbaum-Plantage am Schloßberg unterwegs und fressen das weg, was nicht hingehört. „Das machen wir jetzt seit etwa vier Jahren so und es läuft ganz hervorragend“, sagt Mittner.

Möglichst lange draußen lagern

Damit der Christbaum bis zum Aufstellen in der Wohnung hält, empfiehlt der Fachmann, ihn schattig auf einem humosen Boden stehend zu lagern. „Am besten holt man ihn erst kurz vor dem Schmücken nach drinnen“, so Mittner. Allerdings braucht der Baum nach dem Auspacken noch eine Weile, bis er seine Äste wieder in die ursprüngliche Position gebracht hat. „Ein frischer Anschnitt ermöglicht es dem Baum, über die Weihnachtstage und danach Wasser zu ziehen“, rät der Landwirt.

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Ausreichend Flüssigkeit ist für den Baum tatsächlich sehr wichtig: Zwei Meter hohe Bäume benötigen etwa zwei Liter Wasser am Tag, gibt der Verband Natürlicher Weihnachtsbaum an. Der Wasserbedarf könne sich aber je nach Standort im Raum erhöhen. Man solle den Baum also nach Möglichkeit nicht vor eine Heizung oder einen Ofen stellen und ihn ab und zu mit Wasser einsprühen.

Schon lange im Christbaum-Geschäft ist Familie Mußner in der Gemeinde Unterreit im Landkreis Mühldorf. Georg Mußner bietet seit mehr als 35 Jahren Weihnachtsbäume an, auf einer Fläche von 20 Hektar stehen die Nordmanntannen in Reih und Glied. Im vergangenen Jahr konnte er sich über eine besondere Auszeichnung freuen: Auf der Internationalen Christbaumbörse, die 2018 in Straßkirchen bei Straubing stattfand, wurde ein Mußner-Gewächs als schönster Christbaum Bayerns ausgezeichnet.

Baum selbst schlagen liegt im Trend

Seit ein paar Jahren bietet Familie Mußner auch an, dass die Kunden an Sonntagen ihre Weihnachtsbäume selbst in der Plantage aussuchen und fällen. „Das ist vor allem mit Kindern ein tolles Erlebnis“, sagt Georg Mußner. Die Nachfrage habe stetig zugenommen. In diesem Jahr können Interessierte am zweiten und dritten Adventssonntag durch die Reihen streifen und ihren Baum aussuchen. Mitarbeiter der Baumschule helfen bei Bedarf, sie fällen den Baum, tragen und verpacken ihn.

Wer es ursprünglicher mag und auch mit einer Fichte oder Weißtanne zufrieden ist, kann sich bei der Waldbesitzervereinigung Rosenheim (WBV) melden. „Wir vermitteln Kontakte, wenn jemand einen Baum aus einem Wald haben möchte“, sagt WBV-Geschäftsführer Michael Heffner. Dann geht es mit Axt und Säge ausgerüstet in den Forst. Nach Absprache mit dem Waldbesitzer sei das kein Problem, so Heffner.

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Hin und wieder komme es auch vor, dass Leute einfach so einen Baum aus einem Wald holten. „Ich habe am Samerberg bei der Kräuterwiese miterlebt, wie ein Pärchen einen zuvor markierten Baum holen wollte“, erzählt Heffner. Richtig übel erging es seinen Worten nach einem Grundstückseigentümer, der nahe Happing eine kleine Schonung mit etwa 20 Bäumen angelegt hatte: „Die waren nach ein paar Jahren alle weg.“

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