Neues Leben für alte Bausubstanz

Claudia Opperer betrachtete Umbaumaßnahmen unter dem Blickwinkel der Wirtschaftlichkeit. Heinz

Rohrdorf – Der eine möchte den alten Stadl für Events umbauen, der andere ein Hofcafé eröffnen: Viele Landwirte schauen heute über den Tellerrand und ergänzen ihre Landwirtschaft mit einem neuen Betriebszweig.

Doch während Ideen schnell gefunden sind, ist die Umsetzung oft schwierig.

Denn Umbaumaßnahmen kosten nicht nur eine Menge Geld, sondern sind auch in Sachen Baurecht kompliziert. Wie geht man also vor, wenn man vorhandene Bausubstanz sinnvoll umnutzen will? Welche Hürden gibt es, und wo bekommt man Hilfe? Antworten auf diese Fragen gab es im Seminar „Planen, Bauen, Gestalten“, das vom Fachzentrum für Diversifizierung und Strukturentwicklung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim angeboten wurde. Zwei Tage lang gab es Vorträge für landwirtschaftliche Unternehmer mit Bau- und Umbauvorhaben für Einkommenskombinationen. 25 Teilnehmer aus Oberbayern empfing Kursleiterin Claudia Opperer. „Viele haben zum Beispiel einen Leerstand, weil sie die Viehhaltung ausgelagert haben oder viehlos weitermachen“, erklärte Opperer. Demografie, Strukturwandel oder wirtschaftliche Gründe führten oft dazu, dass sich Landwirte umorientieren. Manchmal fehle ein Erbe – oder jemand möchte sein Erbe sinnvoll weiternutzen.

Damit dabei nichts schief geht, informierten sich die Teilnehmer im Seminar über Themen wie Baurecht, steuerliche Aspekte, Versicherungsschutz, barrierefreies Bauen, Wirtschaftlichkeit oder Fördermöglichkeiten.

Opperer ging es um die Wirtschaftlichkeit der Umbaumaßnahme und des neuen Betriebszweiges. Indem man die Investitionssumme sowie die Variablen- und die Fixkosten im Vorfeld prognostiziere, könne man abschätzen, ob sich ein Angebot rentiert und mit welchem Preis man es versehen muss.

Fixkosten sind abhängig von der Investition und unabhängig von der Produktion. Variable Kosten fallen an, sobald produziert wird und steigen mit der Intensität der Produktion. Diese Kosten für Löhne, Wareneinkauf und Ähnliches steigen jedoch nicht proportional zur Produktion, weil Rationalisierungseffekte den Aufwand reduzieren.

Was wird gefördert, und was wird dafür gefordert? Diesen Fragen stellte sich Georg Baumgartner, Leiter des Fachzentrums Diversifizierung und Strukturentwicklung am Landwirtschaftsamt Rosenheim. Ein weiteres Thema war die Barrierefreiheit. Innenarchitektin Susanne Moog hat in ihrem Vortrag die wichtigsten Punkte vorgestellt. So sollten vor Eingangstüren keine Stufen oder Schwellen vorhanden sein, Türen müssen eine Breite von mindestens 80 Zentimetern haben, Rampen dürfen nicht steiler als sechs Grad sein.

Steuerberater Josef Soyer aus Rosenheim ging auf steuerliche Aspekte bei der Umnutzung landwirtschaftlich genutzter Gebäude ein. Gerlinde Toews-Mayr von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in München führte die Seminarteilnehmer durch die Gesetzesgrundlagen zum Bauen im Rahmen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und Vinzenz Dufter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege zeigte Beispiele zur Umnutzung von Städeln im Dorf.

Katharina Heinz

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