Burg Marquartstein: Luxus-Makler sucht neuen Burgherrn

Am Eingang des Achtentals thront Burg Marquartstein auf einer Anhöhe und wartet auf einen neuen Besitzer.
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Am Eingang des Achtentals thront Burg Marquartstein auf einer Anhöhe und wartet auf einen neuen Besitzer.
  • Moritz Kircher
    vonMoritz Kircher
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Burg Marquartstein soll verkauft werden. Der Preis: im zweistelligen Millionenbereich. Luxusmakler Oliver Herbst aus München sucht nun den geeigneten Käufer für das Anwesen von Konrad O. Bernheimer. Den OVB-Heimatzeitungen gewährte der Luxusmakler Einblick in die Arbeit mit seinen besonderen Kunden.

Marquartstein - Burg Marquartstein steht kurz vor dem Verkauf.  Das Anwesen gehört Konrad O. Bernheimer, Deutschlands bedeutendstem Altmeister-Händler. Er will seit 2015 verkaufen. Und nachdem das über das renommierte britische Auktionshaus Sothebys nicht gelang, hat der Münchener Luxusmakler Oliver Herbst das Projekt in die Hand genommen. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen spricht er über die Burg, Luxusimmobilien und über Eigenheiten von Menschen, die sich für solche Anwesen interessieren.

 

Herr Herbst, wie steht es um den Verkauf von Burg Marquartstein?

Wir sind der zweite Makler, der die Burg zum Verkauf anbietet. Es gab den Anlauf über Sothebys, weil Herr Bernheimer auch Kunstwerke aus seinem Privatbesitz aus der Burg heraus verkaufte. Aber in meinen Augen braucht man einen ortsansässigen lmmobilienmakler, der sich in der Region auskennt. Die Burg hätte schon zwei- oder dreimal verkauft werden können. Letztendlich wartet Herr Bernheimer aber auf den einen richtigen Käufer. Die Region soll nicht aufschreien, wenn ein neuer Besitzer kommt.

 

Wie sieht für Herrn Bernheimer der ideale Käufer aus?

Den haben wir jetzt eigentlich schon. Er ist ein Unternehmer aus München, mit dem wir in den Endverhandlungen stehen. Zuletzt war auch noch ein Scheich aus Dubai da. Das war eine sehr eindrucksvolle Besichtigung. Herr Bernheimer hat eine sehr professionelle und anspruchsvolle Führung gemacht, bei der er auch viel über die Kunstwerke erzählt hat.

Oliver Herbst, Luxus-Immobilienmakler

Er hat auf der Burg nach wie vor tolle Kunstobjekte. Die Araber waren begeistert und haben sich überschwänglich für die Besichtigung bedankt. Das war erst vor wenigen Tagen. Es interessiert sich auch aktuell jemand aus Hongkong für die Burg. Auch sind wir gerade im Gespräch mit einem Oligarchen, dem wir erst letztes Jahr für über 16 Millionen Euro eine Villa in München vermittelt haben.

 

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Aber diese Interessenten fallen bei Herrn Bernheimer nur auf Platz zwei oder drei. Sein Lieblingskandidat ist der Münchner Unternehmer. Der Interessent würde nur einen kleinen Teil der Burg rein privat nutzen. Den Rest würde er für Führungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Finanzieren würde er den Betrieb auf der Burg über Events. Da ist zum Beispiel angedacht, die Burg für spezielle Hochzeiten zur Verfügung zu stellen. Er ist in der Promiwelt stark vernetzt. Die Burg wäre dann jetzt schon gut ausgelastet.

 

Würde es mit diesem Käufer auch kulturelle Veranstaltungen auf der Burg geben?

Er ist sehr musikaffin und hat schon darüber nachgedacht, öffentliche Kulturveranstaltungen zu machen. Ich kenne solche Modelle von Burgen am Rhein, die im Privatbesitz sind. Dort läuft das sehr gut.

 

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Wie schaut es im Inneren von Burg Marquartstein aus? Ist das Anwesen bezugsfertig?

Absolut. Wir haben zurzeit fünf Schlösser und Burgen im Angebot, und ich habe kaum ein Schloss, das in einem so guten Zustand ist wie Burg Marquartstein. Herr Bernheimer hat das Anwesen immer in Schuss gehalten und hat es in den 1980er-Jahren aufwendigst restauriert und saniert. Deswegen muss der Käufer eigentlich nur noch Schönheitsreparaturen machen und die Burg nach seinem Geschmack einrichten. Es gibt einen Rittersaal, der schreit förmlich nach Events. Der ist in einem super Zustand.

 

Muss man mit Kunden, die eine Burg kaufen, anders umgehen als mit dem Interessenten für eine Doppelhaushälfte? 

Ich gebe mir Mühe, dass ich mit jedem Menschen gleich umgehe. Das ist auch Teil meines Erfolges. Mit dem Hausmeister rede ich halt Bayerisch. Mit dem Scheich Englisch. Aber alle Menschen zählen für mich gleich viel, und ich behandele alle mit dem gleichen Respekt. Aber es braucht natürlich Know-how, um an die Interessenten für solche Objekte zu kommen. Ich habe zum Beispiel Helene Fischer, Mario Gomez, Toni Kroos und vielen namenhaften Unternehmern Anwesen vermittelt.

Traumhafter Ausblick: vom Balkon der Burg über das Achental.

Das ist eine besondere Klientel. Bei den Arabern, die Burg Marquartstein besichtigt haben, sind wir zum Beispiel nicht zusammen in einem Auto zur Burg gefahren. In einem Wagen waren der Scheich und seine Prinzessin. Im anderen war der Dolmetscher, und vorneweg bin ich gefahren. In bin jetzt seit 25 Jahren Makler. Und man weiß mit den Jahren, was man bei den Kunden beachten muss. Zum Beispiel dass man bei Arabern der Dame des Hauses auf keinen Fall die Hand gibt. Man soll sie auch nicht direkt ansprechen. Solche Dinge lernt man mit der Zeit, wenn man sich in den Kundenkreis reinarbeitet.

 

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Wundern Sie sich manchmal über das, was Sie mit Ihren Kunden erleben?

Ich hatte da schon die tollsten Erlebnisse. Ich habe mal am Starnberger See eine gigantische Villa gezeigt. Da war nur eine arabische Prinzessin ohne ihren Ehemann. Es waren nur eine Freundin und der Dolmetscher dabei. Die Freundin hat dann einfach spontan die Führung übernommen obwohl sie die Villa gar nicht kannte. Und statt auf die Dachterrasse mit dem gigantischen Ausblick auf die Berge zu gehen, sind wir im 70 Quadratmeter großen Schuhschrank gelandet.

 

Wie wird man zum Makler für solch außergewöhnliche Immobilien?

Ich hatte das nie geplant. Ich habe nur die Liebe zu meinem Beruf und die Liebe zum Wasser verbunden und mich auf Immobilien am Seeufer spezialisiert. Fast alle Promis und Unternehmer denken darüber nach, etwas an einem See zu kaufen – oder sie wollen verkaufen. Da kommt man fast zwangsläufig in Kontakt.

 

Sind das für Sie immer professionelle Kundenbeziehungen oder entstehen auch Bekanntschaften oder gar Freundschaften? 

Bis zum Notartermin bleibe ich mit meinen Kunden immer per sie. Aber zum Beispiel mit Florian Silbereisen waren wir danach per du. Zu vielen Kunden entsteht auch ein Vertrauensverhältnis. Aber man sieht mich eher nicht auf Promipartys. Und mittlerweile kommen die Verkäufer und Käufer von alleine auf mich zu.

 

 

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Haben Sie noch andere solch extravagante Immobilien wie Burg Marquartstein in der Region im Portfolio? 

Wir verkaufen gerade das Schloss Pullach bei Rosenheim. Es wurde bereits reserviert. Das Anwesen spielt in derselben Liga wie Burg Marquartstein. Auch am Chiemsee gibt es beeindruckende Seeuferanwesen. Gerade hier in der Region gibt es immer wieder sehr interessante Objekte.

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