Nase und Gaumen gefordert: So war die Weinverkostung für den internationalen Weinpreis 2019 auf der Seiseralm

Die Weinverkoster Emmanuele Serafin und Corinna Kaussenbei der Arbeit mit Martin Darting von swe Wine System AG (von links). Zu der Weinverkostung, bei der 184 Winzer ihre Weine einreichten, kamen 22 Verkoster (davon 18 PAR zertifizeirte Master-Prüfer) aus der ganzen Welt. Kirchner

Schmeckt der Wein blumig oder enthält er eine fruchtige Note? Was für einen Nachhall hat er? Wie farbintensiv präsentiert er sich im Glas? Drei Tage lang verkosteten 22 PAR-Verkoster rund 470 Weine aus 14 Ländern bei Bernau.

Bernau/Frasdorf– Martin Darting hatte dieses Jahr die internationale Weinverkostung zusammen mit Brigitte Wüstinger von der WINE-System AG in Daxa bei Achenmühle/Frasdorf erstmalig nicht in der Pfalz, sondern im Chiemgau, genauer gesagt auf der Seiseralm bei Bernau, organisiert. Dabei stellen sich im neunten Jahr der PIWI-Weinpreisvergabe mit 471 Weinen nochmal gut 100 Weine mehr den kritischen Blicken der Prüfer.

Geschmacksbild auf dem Prüfstand

Martin Darting, ausgebildeter Winzer, Sensorik-Experte, Initiator des Biofach Weinpreises und Dozent für PAR-Verkoster, gesteht mit einem Lächeln: „Das mit dem Wein ist mir halt in die Wiege gelegt worden“, er stammt aus der Pfalz.

Aber das allein macht es nicht aus, ihm sind die Qualität und die Produktentwicklung wichtig. Und da hält er die Verkostung nach der PAR-Methode für entscheidend, gibt sie doch Winzern und Händlern Auskunft darüber, inwiefern ein Wein dem Geschmacksbild der Kunden in ihrem Zielmarkt entspricht. Zudem gibt sie Erzeugern die Chance, Stärken und Schwächen zu erkennen und ihr Produkt entsprechend zu verbessern.

Der große Vorteil einer PAR-Verkostung gegenüber anderen Methoden ist ihre Nachvollziehbarkeit, da alle Kriterien transparent sind und übersichtlich dokumentiert werden. „Ich will die gängige Praxis nicht schlecht machen,“ betont der Önologe, aber bei normalen Weinwettbewerben werden nur Punkte vergeben, ohne dass angemerkt wird, auf welchen Kriterien die Bewertung beruht und wie man das Produkt verbessern kann.

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Die PAR Methode setze anders an: Geprüfte PAR-Verkoster orientieren sich zuerst an messbaren Kriterien wie Aromen, Säure oder Süße. Im zweiten Schritt beurteilen sie diese Kriterien in Bezug auf den Wein und seine Herkunft. Berücksichtigt wird auch, ob der Wein in den Markt passt. Ziel ist es, Qualität nachvollziehbar zu machen und den Wein so besser verkaufen zu können. Und erst im dritten Schritt werden die Weine tatsächlich gekostet.

Brigitte Wüstinger ergänzt, dass diese Bewertungsmethode für alle sensorisch erfassbaren Produkte angewandt wird, nicht nur bei Wein, sondern auch bei Brot, Olivenöl oder Käse. Und so organisiert WINE System namhafte Wettbewerbe wie den internationalen Bioweinpreis, den PAR Wine Award International, den internationalen PIWI-Weinpreis und den Demeter-Brotpreis. Darting geht auf den Fachbegriff PIWI ein: PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Sorten und beruht auf einer über 100 Jahre währenden Erfahrung. Die Resistenz bezieht sich dabei auf den echten und den falschen Mehltau.

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Mit Blick auf die jeweils zu dritt an einem Tisch sitzenden Prüfer fügt Darting hinzu, dass die PIWIs also eine erhebliche Reduktion der Pflanzenschutzmaßnahmen und somit eine CO2-Reduktion erlauben und den empfindlichen Böden viele verdichtende Traktorfahrten ersparen.

Der ständig wachsende Zuspruch für die Auszeichnung Internationaler PIWI Weinpreis scheint der PAR-Methode Recht zu geben: Die Datenbank mit über 40.000 Weinen wird in der Fachwelt als umfassendes Informationsportal geschätzt und dient in vielen Bereichen als wichtiges Handwerkszeug. Der Verein PIWI International fördert seit 19 Jahren den Informationsaustausch zwischen Forschung, Rebzucht und Weinbau und vergibt seit 2010 den Internationalen Weinpreis.

Wer siegt heuer? Das wird heute auf der dritten Winzer-Service Messe in Karlsruhe bekanntgegeben.

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