Aus dem Nachfragetief zum Umsatzhoch: Interview mit Schattdecor-Chef Roland Auer

Der Firmensitz in Thansau ist über die Jahre stark gewachsen. .schattdecor
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Der Firmensitz in Thansau ist über die Jahre stark gewachsen. .schattdecor
  • Anton Maier
    vonAnton Maier
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Die bayerische Wirtschaft ist auf kräftiger Talfahrt, vor allem die Industrie befindet sich im Abwärtssog. Dennoch kann man erfolgreicher sein als je zuvor, wie das Beispiel Schattdecor AG zeigt. Ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Roland Auer über ein außergewöhnliches Jahr und die Zukunft.

Rohrdorf – Herr Auer, wie hat sich die Branche der Holzwerkstoffindustrie allgemein entwickelt und wie geht es Schattdecor?

In dem für uns so wichtigen Markt Zentraleuropa haben wir eine besondere Situation erlebt. Nach sehr erfolgreichen Jahren kam Ende 2018 branchenweit eine Flaute, die uns für ein halbes Jahr in Atem gehalten und vor große Herausforderungen gestellt hat. Die Aufträge gingen ziemlich abrupt mit Ende Oktober zurück und der erhoffte Neustart zum Jahresbeginn 2019 blieb aus. Nach langwierigen Überlegungen haben wir uns entschlossen, Kurzarbeit anmelden. Nachdem die Auftragslage immer besser wurde, konnten wir die Kurzarbeit auf März beschränken. Seither sind wir stabil unterwegs und stehen sogar der Herausforderung gegenüber, unseren Kunden die gewohnte Flexibilität zu bieten.

Roland Auer ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender der Schattdecor AG.

Sehen Sie das Schreckgespenst Kurzarbeit dauerhaft gebannt?

Schwer zu sagen, die Aussichten fürs nächste Jahr und darüber hinaus sind mit Blick auf Zentraleuropa eher stabil. Aber es wird immer schwieriger, Prognosen zu treffen, der Markt wird zunehmend sprunghaft. Zudem erkennen wir in der Verarbeitungskette Verlagerungstendenzen in Märkte, in denen sich günstiger produzieren lässt. Wir gehen nach derzeitigem Kenntnisstand aber von einer stabilen Auslastung aus.

Lässt sich schon absehen, wie der Umsatz für 2019 aussehen wird?

Wir werden als Gruppe, einschließlich unserer beiden Neuakquisitionen in Malaysia und den USA erstmals 800 Millionen Euro Umsatz überschreiten nach rund 750 Millionen Euro 2018 – und das trotz der Delle zu Jahresbeginn. Das zweite Halbjahr 2019 läuft deutlich besser als der gleiche Zeitraum im Vorjahr, das ist sehr erfreulich.

Gibt es denn Trends, sei es technologisch oder beim Design, die für das Unternehmen wichtig sind?

Es gibt nichts, was für uns komplett neu wäre. Wir sehen uns als diejenigen, die Trends setzen wollen. Das können wir aus unserer Erfahrung heraus beanspruchen. So können wir in einem insgesamt stagnierenden Markt auch Marktanteile von Mitbewerbern zu uns holen. Wir sind hier in einer sehr guten Ausgangssituation mit unserer gesunden wirtschaftlichen Basis und unseren hochmodernen Produktionsstätten. Bei der Integration des Digitaldrucks in den Produktionsprozess sind wir branchenweit führend.

In welchen Märkten sehen Sie das größte Potenzial für die Zukunft?

In jedem Fall in Asien. China ist der größte Einzelmarkt mit seinen rund 1,4 Milliarden Einwohnern. Hier wird eine ansprechende Gestaltung der Eigenheime auch immer wichtiger. Insofern sehen wir großes Potenzial für lang anhaltendes Wachstum. Mit zwei eigenen Produktionsstätten und zwei Joint-Venture-Beteiligungen in China haben wir eine hervorragende Ausgangsposition dafür.

Schattdecor hat sich zunehmend internationalisiert. Was bedeutet das für das Unternehmen allgemein und für den Standort Thansau?

Thansau ist sowohl Produktionsstandort als auch Firmenzentrale, die die Zukunftsstrategie für die Gruppe mit ihren weltweit 18 Standorten vorgibt. Selbstverständlichen spielen die Auslandsstandorte dabei eine immer bedeutendere Rolle. Der Kern des Unternehmens ist aber unverändert: Wir sehen uns als bodenständiger Mittelständler mit starker Verwurzelung in der Region. Dieses Verständnis des Firmengründers Walter Schatt gilt nach wie vor. Das zu bewahren und im Alltag zu leben, ist uns wichtig und tägliche Aufgabe.

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Welche Rolle spielt denn die Inhaberfamilie Schatt noch?

Mit der Familie und dem Aufsichtsrat haben wir wunderbare Sparringspartner, die uns im Vorstand Rückhalt geben. Wir können autark agieren, haben aber zugleich die Gewissheit, dass wir jemanden mit viel Erfahrung zu Rate ziehen können.

Das Thema Digitalisierung treibt viele Unternehmen intensiv um – auch Schattdecor?

Wir gehen mit solch viel diskutierten Themen nach Schattdecor-Art um, also unaufgeregt. Natürlich beschäftigen wir uns mit dem Thema Digitalisierung, sei es im Produktionsprozess oder bei den Arbeitsabläufen. Auch in der Kommunikation nach außen spielt es eine Rolle, zum Beispiel mit unserem Instagram-Kanal. Digitalisierung ist für ein Unternehmen unserer Größenordnung von sich aus unumgänglich und wettbewerbsentscheid. Deshalb haben wir uns zeitig damit auseinandergesetzt und die entsprechenden Weichen gestellt.

Wo wollen Sie mit dem Unternehmen langfristig hin?

Übergeordnetes Ziel unserer Aktivitäten ist unser Grundsatz aus dem Firmenleitbild „Wir schaffen Schönes und haben Freude daran“. Diese Maxime füllen wir weiterhin mit Leben. Zudem wollen wir weiterhin gesund wachsen. Mit unserem Know-how und den großartigen Mitarbeitern sehe ich uns hierfür sehr gut aufgestellt.

Sie sind seit zweieinhalb Jahren Vorstandsvorsitzender. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Absolut positiv, die Aufgabe macht mir Freude. Aber man muss auch sagen, es zehrt an einem. Es ist schon etwas anderes, wenn man ganz vorne in der ersten Reihe steht. Man wird intensiv beobachtet, damit muss man umgehen. Manche Themen nimmt man mit nach Hause und kommt nicht zur Ruhe. Aber insgesamt geht es mir wirklich sehr gut dabei.

Haben Sie denn daheim auch etwas aus dem Hause Schattdecor?

(lacht) Selbstverständlich! Unsere Einbauschränke und die Garderobe sind in unserem Dekor „Akazie“ gestaltet.

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