WECHSEL IN GESCHÄFTSFÜHRUNG BEI AUERBRÄU

Nachfolge ist besiegelt

Stoßen auf die Zukunft und auf Erreichtes an: Tilo Ruttmann, neu in der Geschäftsführung bei Auerbräu, Ferdinand Steinacher, scheidender Geschäftsführer, Braumeister Thomas Frank (von links). sen
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Stoßen auf die Zukunft und auf Erreichtes an: Tilo Ruttmann, neu in der Geschäftsführung bei Auerbräu, Ferdinand Steinacher, scheidender Geschäftsführer, Braumeister Thomas Frank (von links). sen

Es ist die vielleicht schwerste berufliche Entscheidung für einen langjährigen Geschäftsführer, den Weg frei zu machen für einen Nachfolger. Beim Rosenheimer Traditionshaus Auerbräu scheint dieser Schritt für alle Beteiligten harmonisch zu verlaufen. Wehmut ist trotzdem dabei.

Rosenheim – Über drei Jahrzehnte hat er die Geschicke der alteingesessenen Brauerei gelenkt, viele Jahre davon gemeinsam mit Thomas Frank. Jetzt hat sich Ferdinand Steinacher aus der Geschäftsführung von Auerbräu verabschiedet. Die Gesundheit gehe vor, deutet der 60-Jährige im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen an. Dennoch wirkt er an diesem Tag recht entspannt und sogar gelöst, wie er zwischen seinem langjährigen Kompagnon, Braumeister Thomas Frank, und seinem Nachfolger, Tilo Ruttmann, im Brauereistüberl sitzt. „Man muss sich trennen können“, sagt der altgediente Brauerei-Chef. Bei Tilo Ruttmann habe sein Gefühl „einfach gepasst“. Menschlich zunächst, das sei ihm das Wichtigste gewesen. Und dann freilich, weil Ruttmann einer vom Fach ist: Er leitet die Hopf Weißbierbrauerei in Miesbach, ist kein Unbekannter in der Branche. Ruttmann wird seine Geschäftstätigkeit in Miesbach trotz des Engagements in Rosenheim nicht aufgeben. Rund 80 Prozent seiner Zeit werde er aber künftig Auerbräu widmen; Hopf in Miesbach sei ein kleinerer Betrieb, gut eingeführt und konzentriere sich ganz aufs Weißbier – da könne er sich guten Gewissens mehr beim 110-Mann-Betrieb in Rosenheim einbringen. Der dreifache Vater ist ein gut gelaunter Typ, der im Gespräch viel lacht und den man sich laut und fröhlich beim Bieranstich genauso gut vorstellen kann wie bei Geschäftstreffen.

Unter Menschen zu sein war das Schönste

Mit dem Holzhammer auf den Zapfhahn schlagen, bis das Bier fließt. Musik, ausgelassene Stimmung und feiernde Menschen – das seien die Momente gewesen, sagt Ferdinand Steinacher, auf die es für ihn besonders angekommen sei in all den Jahren. Ein bisserl Wehmut klingt da mit. „Jeder Starkbieranstich war ein Highlight für mich.“ Der Nervenkitzel, ob alles glatt läuft und dann endlich aufatmen, wenn alle zufrieden mit ihrer Mass anstoßen können: „Das war für mich die größte Motivation in meinem Beruf. Und unter den Menschen zu sein.“ Aber, sagt Steinacher mit einem Schmunzeln, „ich bin ja nicht weg, ich bleibe der Region erhalten“. Gefragt nach den Meilensteinen während seiner Berufslaufbahn, wendet er sich als erstes an Thomas Frank – rund ein Vierteljahrhundert lang haben die beiden zusammengearbeitet. Frank ist der „Mann der Technik“ und erinnert an einige für die Brauerei wegweisende Neuerungen in Produktion, Abfüllung und Lager: Die moderne Hochleistungsanlage für 30 000 Flaschen pro Stunde im Jahr 1991, die damals neuartige Würzekühlung durch Energierückgewinnung. Der Roboter „Schorsch“ zur Fassabfüllung. Die größte Einzelinvestition der Brauereigeschichte, der Neubau des Lagerkellers 2004, der 2018 erweitert werden soll und der laut Auerbräu einer der modernsten seiner Art in Deutschland ist. Frank erwähnt auch das eigene Umweltmanagementsystem.

Dunkle Weiße war erst umstritten

Steinacher hört ihm zu, nickt. Was ihm aber vor allem einfällt, ist die 2004 von ihm initiierte Einführung des „Johann Auer“, eine nach dem Brauereigründer benannte Dunkle Weiße, was in der Region für einiges Aufsehen gesorgt habe. „Jetzt gehört es zu den beliebtesten Sorten“, sagt er zufrieden. Es scheint nicht so, als ob er unbedingt Einzelerlebnisse herauspicken wolle. Vielmehr sei ihm wichtig gewesen, junge Leute auszubilden – „auch dann, wenn die Zeiten mal schwierig waren.“ Er sehe das als soziale Verpflichtung.

Für 2018 hat man sich außer der Erweiterung des Lagers keine allzu großen Neuerungen vorgenommen; erst einmal soll Ruttmann ankommen, verstärkt durch Marco Steinacher als Verkaufsdirektor und Robert Ferenc im Handelsvertrieb.

Ein Abschiedsgeschenk an Steinacher gibt es aber doch („Das ist reiner Zufall“): Der Auerhahn blickt ab sofort vom neu gestalteten Etikett – aber das ist eine andere Geschichte.

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