NACHFRAGE NACH BANKSCHLIESSFÄCHERN STEIGT

Moderne Unterwelt, diskreter Service

Der Safe ist safe: Service-Mitarbeiterin Martina Demmerich vor dem Automaten, der die Schließfächer in der Waldkraiburger Geschäftsstelle der VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf ausgibt. kob
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Der Safe ist safe: Service-Mitarbeiterin Martina Demmerich vor dem Automaten, der die Schließfächer in der Waldkraiburger Geschäftsstelle der VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf ausgibt. kob

Ihr Geld in Gold oder Schmuck anzulegen, ist für viele Menschen eine „sichere Bank“. Doch solche und andere Wertgegenstände wollen sie auch geschützt verwahren. Dafür bietet sich ein Schließfach bei der Bank an. Nicht immer, aber immer öfter kommt man leicht an eines in der Wunschgröße ran.

Rosenheim/Mühldorf/Altötting – Es ist ein kleiner Schatz, den Gerlinde Huber aus Rosenheim, über Jahre hinweg im ehemaligen Kinderzimmer ihres erwachsenen Sohnes aufbewahrte, zwischen Wäsche und Aktenordern. Huber heißt in Wirklichkeit anders. In Schuhkartons hütete sie das Erbe ihres verstorbenen Mannes, drei mit Gold- und Sammlermünzen gefüllte Ringbücher. Dazu Gold- und Perlenschmuck ihrer Großmutter. „Natürlich hätte ich lieber ein Schließfach bei der Bank gehabt“, sagt sie, doch bis vor ein paar Wochen war ihr das nicht geglückt: „Bei meiner Hausbank war nur ein Safe frei, der zu klein war“, erzählt die 63-Jährige. Sie hätte zwei solcher Fächer und ein kleineres dazu gebraucht – Kostenpunkt: fast 400 Euro im Jahr. So viele Fächer waren bei der Filiale in ihrer Nähe nicht frei. Huber brauchte dringend eine Alternative.

Wie kann man sich eigentlich die Bankschließfächer vorstellen? Steht man vor einer Wand voller abschließbarer, kleiner Schranktüren?

Man hat fast das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein, wenn man die Schließfachanlage der Waldkraiburger Geschäftsstelle der VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf betritt. Es ist absolut still, obwohl wenige Meter entfernt Kunden beraten werden oder am Automaten Geld abheben. Nicht nur Geräusche von außen kommen hier nicht rein: Es gibt mehrere Hürden, die dafür sorgen, dass die Schließfächer nur erreicht, wer wirklich das Recht dazu hat. Es surrt hinter der Wand. Service-Mitarbeiterin Martina Demmerich steht vor einem Automaten, der auf den ersten Blick aussieht, wie ein Geldautomat. Ein Klacken, dann liegt ein Schließfach vor ihr. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, sind diese Safes für die Kunden erreichbar. „Das Sicherheitsbedürfnis der Leute ist gestiegen“, sagt Reinhard Frauscher, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf. Das sei schon seit einigen Jahren zu beobachten.

Zugang nur für einen kleinen Kreis

Damit ist sein Haus nicht allein. „Wir verzeichnen derzeit eine steigende Nachfrage nach Schließfächern. Viele Kunden haben Sorge vor Einbruch. Zudem investieren Anleger in Zeiten von Niedrigzinsen wieder zunehmend in Gold und wollen das Edelmetall lieber in einem Banktresor aufbewahren als zu Hause“, so Martin Bachhuber, Leiter der Commerzbank-Filialen in Rosenheim.

Bei den Sparkassen Altötting-Mühldorf und Rosenheim-Bad Aibling beobachtet man ebenfalls eine gestiegene Nachfrage. Von der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee heißt es: „Die Schließfächer sind gut nachgefragt und ausgelastet.“

Über die konkrete Zahl der Schließfächer geben nicht alle von den OVB-Heimatzeitungen angefragten Häuser Auskunft. Die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling zum Beispiel verfügt über mehr als 6500 Safes an 21 Standorten, die zu den Servicezeiten zugänglich sind, sprich: Bankmitarbeiter sperren die Räumlichkeiten, in denen sich die Safes befinden, auf Wunsch auf. In der Hauptgeschäftsstelle in Rosenheim gibt es eine Schließfachanlage, die automatisiert ist, also immer von Kunden betreten werden kann.

Wie diejenige der VR meine Raiffeisenbank in Waldkraiburg, die insgesamt 3038 Schließfächer in 29 Filialen anbieten kann. Die Sparkasse Altötting-Mühldorf bietet in 20 Filialen mehr als 5000 Schließfächer an. Frauscher sagt, diese seien ein Service für Kunden des Hauses. „Das ist kein Geschäftsfeld, in dem eine Bank hohe Erträge hat“. Die baulichen Investitionen seien hoch. „In erster Linie“ würden Safes an Kunden der eigenen Bank vermietet, sagt auch die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling. Bei anderen angefragten Häusern in der Region ist ein Girokonto Voraussetzung – um die Miete abbuchen zu können.

Die Mietpreise hängen von der Größe der Fächer ab. Bei der Sparkasse Rosenheim haben die kleinsten Fächer Maße von fünf mal 30 Zentimetern, die größten 180 mal 44 Zentimeter. Die Mietpreise beginnen bei 86 Euro pro Jahr. Das Schwester-Institut in Altötting und Mühldorf steigt bei gleichen Maßen ein mit Preisen ab zwei Euro pro Monat. Ähnliche Einstiegsgrößen gibt es bei der VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf. In der Geschäftsstelle Waldkraiburg messen die kleinsten Schließfächer fünf mal 22 mal 30 Zentimeter, die größten 15 mal 22 mal 30 Zentimeter. Die Mieten beginnen bei 50 Euro. Doch selbst Kunden der Banken haben nicht immer freie Wahl, was Größe und Standort der Safes angeht. Frauscher sagt, in einigen Filialen gebe es keine freien Kapazitäten mehr, Wartelisten würden geführt. Die Filialen stimmten sich untereinander ab, um Alternativen zu bieten. Bei der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling hat man das Kontingent zuletzt aufgestockt: „Es sind ausreichend Schließfächer verfügbar, auch in unserer Hauptstelle Rosenheim. Im Ausnahmefall kann es sein, dass an bestimmten Standorten nicht mehr jede gewünschte Schließfachgröße verfügbar ist und eine der Nachbar-Geschäftsstellen aushilft.“

Ähnliches bei der Sparkasse Altötting-Mühldorf: „Trotz guter Auslastung haben wir noch ausreichend viele Schließfächer in unterschiedlichen Größen verfügbar. Nur bei Filialen mit einer kleineren Schließfachanlage kann das Ausweichen auf eine Nachbarfiliale notwendig sein.“ Commerzbank-Filialleiter Bachhuber sagt: „Wir haben noch Schließfächer in unseren Filialen in Rosenheim frei.“

Praktische Lösung für Wertsachen gefunden

Fazit für die Region: Kunden haben zunehmend bessere Karten, um ein Schließfach bei einer Bank anzumieten; Wunschgröße und -standort lassen sich allerdings nicht immer frei wählen.

Das hat Gerlinde Huber inzwischen akzeptiert und mit ihrem Sohn eine praktikable Lösung gefunden: „Ich habe mich von einem Teil des Schmucks getrennt und meiner Nichte ein paar schöne Stücke geschenkt.“ Nun wurde auch bei ihrer Bank ein mittelgroßes Fach frei, in das zwei Münzbücher passen. Das dritte verwahrt ihr Sohn in einem Banksafe, der sich an seinem Wohnort in München befindet. Ein paar Lieblingsstücke ihrer Großmutter bewahrt die Rentnerin weiter bei sich auf – „so kann ich sie wenigstens ab und zu in die Hand nehmen und an meine Oma denken.“

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