Wasserburger Pharmaunternehmen fährt Sonderschichten, um Kliniken aus der Region zu helfen

Sonderschicht nach Feierabend: Bei Recipharm ist die Produktion um Desinfektionsmittel erweitert worden. Recipharm
  • Heike Duczek
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In vielen Unternehmen weltweit stehen die Produktionsbänder und Maschinen still. Der Wasserburger Arzneimittelhersteller Recipharm fährt dagegen – neben der normalen Produktion – noch Sonderschichten: nach Feierabend und samstags. Das hat einen guten Grund.

Wasserburg – Recipharm stellt zusätzlich Desinfektionsmittel her. In Kanistern wird es kostenlos abgegeben – an Kliniken, Seniorenheime und Einrichtungen, die in der Corona-Krise dringend auf Schutzmaßnahmen angewiesen sind.

Bitte der Kliniken gefolgt

„Ich bin so stolz auf unsere Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Michael Isele. Er freut sich nicht nur darüber, dass alle, die nicht erkrankt sind oder daheim bleiben müssen, weil sie Kinder oder Pflegebedürftige zu versorgen haben, „pflichtbewusst zur Arbeit erscheinen“, sondern auch darüber, dass viele freiwillig Sonderdienste schieben – für die Herstellung von Desinfektionsmittel. Darum hatten Kliniken der Region und der Katastrophenstab das Unternehmen Recipharm gebeten. Der pharmazeutische Betrieb, Teil eines schwedischen Konzerns, kam der Anfrage sofort nach – und entschloss sich, die Produktion kostenfrei durchzuführen. Zwei mal 1000 Liter sind bereits hergestellt worden, abgefüllt in Fünf- bis Zehn-Liter-Kanistern, berichtet der Geschäftsführer. Selbst die Auslieferung übernimmt Recipharm selber, wenn eine Abholung – etwa durch das Technische Hilfswerk – nicht organisiert werden kann.

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Koordinatoren von Bestellungen und Auslieferungen sind der Krisenstab beim Landratsamt Rosenheim und bei Recipharm Harald Mandl, Verantwortlicher für den Bereich Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheit, berichtete Isele. Diese Zusammenarbeit gerantiere, dass das in diesen herausfordernden Zeiten zur Mangelware gewordene Desinfektionsmittel gerecht verteilt wird und auch an den Stellen ankommt, die es besonders dringend benötigen: also in Krankenhäusern und Altenheimen. Unter anderem ging es an die Romed- und Schön-Kliniken, an Arztpraxen und ans Rathaus.

Mitarbeiter hätten Lohn gespendet

Abends von 19 bis 23 Uhr und samstags wird im Wasserburger Unternehmen produziert, abgefüllt, etikettiert. Fünf Mitarbeiter sind jeweils im Dienst. Sie hätten sogar unentgeltlich gearbeitet, ihren Lohn gerne gespendet, berichtet der Geschäftsführer. Doch dieses Angebot habe Recipharm nicht angenommen. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten würden schließlich viele Familien um ihr finanzielles Auskommen bangen. „Wir geben das Desinfektionsmittel kostenlos weiter, durch den Verzicht auf Lohn würde es also auch nicht billiger“, so Iseler.

Recipharm wird also die Lohn- und Produktionskosten selber tragen: „Das ist unser Beitrag für die Region“, sagt der Geschäftsführer, „wir wollen zeigen, dass unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter wie auch ihre Familien in dieser Krise zusammenhalten und sich der Region verpflichtet fühlen“.

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Vom Mutterkonzern aus Schweden, einem Land, das ganz anders, sprich nach wie vor fast ohne Ausgangsbeschränkungen, mit der Pandemie umgeht, erhielt der Standort Wasserburg nach Angaben von Isele „volle Unterstützung“ für die Produktionserweiterung auf eigene Kosten. Dabei kämpft auch Wohltäter Recipharm mit Geschäftemacherei rund um Desinfektionsmittel. Der Einkaufspreis für den alkoholischen Grundstoff, Iso-Propanol, hat sich verachtfacht, ärgert sich Isele. Dafür konnte Recipharm den Engpass bei den Abfüllkanistern lösen: über die Firma WD Kunststofftechnik in Huglfing, die die Behälter kostenfrei zur Verfügung stellte.

Wasserburger Unternehmen produziert Desinfektionsmittel

Recipharm produziert Desinfektionsmittel für Hände und Oberflächen – nach den Anleitungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Grundstock ist reiner Alkohol, verdünnt mit reinem Wasser. Bei der Herstellung von Desinfektionsmittel für die Hände werde noch Glykol und Wasserstoffperoxid beigesetzt, um die Haut zu schützen.

Auch 1000 Masken gespendet

Das Pharmaunternehmen hat auch bereits über 1000 Masken als Mundschutz und Handschuhe aus dem eigenen Bestand gespendet – unter anderem an die Tafel Wasserburg, an Ärzte in der Stadt und ihr Personal sowie an Einrichtungen wie das Rathaus. Recipharm hatte die drohende Pandemie nach Angaben des Werksleiters frühzeitig erkannt und große Mengen geordert. Das Unternehmen gibt davon ab, so viel es geht, denn die Produktion in Wasserburg verläuft extrem steril – 10 000 Mal sauberer als im Operationssaal, erläutert Isele. Bisher gibt es im Unternehmen keinen Eintrag des Coronavirus, dank der Mitarbeiter, die die Hygienevorschriften eingehalten und jederzeit umsichtig gehandelt haben, freut sich die Geschäftsführung.

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