Mit gutem Gewissen und ohne Gestank: Grassauerin verkauft Trinkflaschen aus Zuckerrohr

Heike Wiener mit ihren Produkten, die sie unter dem Label „criwinic“ auf Amazon vertreibt.
+
Heike Wiener mit ihren Produkten, die sie unter dem Label „criwinic“ auf Amazon vertreibt.

Den Geruch mögen viele nicht, aber woher er kommt, darüber denken die meisten Menschen nicht nach: Die Rede ist von Trinkflaschen, die oftmals einen seltsamen Plastikgeruch absondern. Heike Wiener aus Grassau störte sich so sehr daran, dass sie mittlerweile Trinkflaschen aus Zuckerrohr verkauft.

Von Heidi Geyer

Grassau – Flaschen, die nach Plastik stanken, konnte Heike Wiener aus Grassau irgendwann nicht mehr riechen. Durch Zufall entdeckte sie auf einer Messe Radflaschen aus Zuckerrohr. Heute vertreibt die 55-Jährige nebenberuflich nachhaltige Trinkflaschen.

Umweltbewusstsein ist für Heike Wiener kein bloßes Lippenbekenntnis. Die Grassauerin arbeitet hauptberuflich als Medizinisch-Technische Assistentin in Wasserburg. Ihren Arbeitsweg legt sie in der Regel mit ihrem Fahrrad zurück: ganze 45 Kilometer einfach täglich. „Ich bin dann auf die Idee gekommen, einen Fahrrad-Pendler-Shop zu eröffnen“, sagt Wiener.

Herstellung aus Zuckerrohr

Die Grassauerin wird auf der „Eurobike“ 2018 auf den Hersteller von Zuckerrohrflaschen aufmerksam, lernt den Flaschenhersteller kennen. Und ordert 100 Flaschen: „Meine erste, vorsichtige Bestellung.“ Seitdem vertreibt sie unter der Marke „criwinic“ Bio-Radflaschen in verschiedenen Größen zwischen 600 Milliliter und einem Liter. Auch eine Kinderflasche mit einem Bärenmotiv hat sie im Angebot, nachdem Kunden danach gefragt hatten.

Lesen Sie auch:

Regionales Netzwerk: Sanieren ohne Mietexplosion

„Der Kunststoff meiner Flaschen wird aus dem nachwachsenden Rohstoff Zuckerrohr in Brasilien gewonnen, das während der Wachstumsphase Kohlendioxid verbraucht und dieses damit in der Atmosphäre reduziert“, sagt Wiener. In der Regel werden Trinkflaschen aus Kunststoff aus Erdöl gefertigt.

Doch Zuckerrohr ist nicht gleich Zuckerrohr: „Die Abholzung der Regenwälder, gentechnisch veränderte Pflanzen und schlechte Bedingungen für die Arbeitskräfte – das wollte ich keinesfalls“, sagt die Unternehmerin.

Zuckerrohr mit vielen Vorteilen

Wiener recherchiert, um zu klären, dass ihr Hersteller diese Kriterien erfüllt. Sogar der Transport des Bio-Granulats der Flaschen sei gegenüber Erdölbasierten Produkten sehr gut in der Klimabilanz: „Für eine Tonne Bio-Polyethylen wird die Umwelt im Vergleich immer noch um 2,62 Tonnen Kohlendioxid entlastet.“

Ohne Schadstoffe und Geschmack

Eine Trinkflasche aus Zuckerrohr – schmeckt sie auch danach? „Die Eigenschaften der Flaschen sind genau wie bei einer herkömmlichen Flasche: leicht, robust, sie lassen sich zusammendrücken und sind auch für die Spülmaschine geeignet“, sagt Wiener. Süß schmecken sie nicht, aber weil keine Phtalate und bei Bispohenol A (BPA) oder sonstige Schadstoffe enthalten seien, habe die Flasche eben nicht den typischen Plastikgeruch, erzählt die Grassauerin. Von der Haltbarkeit seien die Flaschen ebenso geeignet wie andere auch.

Lesen Sie auch:

Gebäck in Stinkefingerform: Reaktionen auf den Lockdown von Chiemgauer Unternehmern

Die Entscheidung fürs Fahrrad ist oft eine aus Umweltgründen. Wenn es um Reparaturen geht, sind diese aber oft nachrangig. Manfred Späth, Fahrradhändler aus Prien, hat diese Erfahrungen gemacht. Ihm liegt sehr viel an Lösungen, die nicht die Umwelt strapazieren, auch wenn es um die Instandhaltung der Räder geht. Manches verkauft er gar nicht, so beispielsweise Flüssigkeiten zur Kettenreinigung. „Die sind umweltschädlich. Mit einer Stahlbürste und einem Pinsel geht das genau so gut“, sagt Späth. „Es ist unheimlich schwierig, die Leute zu überzeugen. Man kann sie anstoßen, aber es ist nicht leicht.“ Nachfragen nach nachhaltigen Trinkflaschen hat er keine. „Billig muss es sein“, sagt Späth

Nachhaltigkeit auch bei Reklamationen

Im Gegensatz zu Manfred Späth kenn Heike Wiener ihre Kunden nicht, da sie ihre Produkte über Amazon vertreibt. „Anhand der Produktrezensionen sieht man, dass die Käufer überwiegend umweltbewusst und sehr sportlich sind, wie zu erwarten“, sagt Wiener. In diesem Jahr hat sie bereits 4400 Flaschen verkauft.

Lesen Sie auch:Studie belegt: Kinder nehmen Giftstoffe durch Umwelt und Produkte auf

Auch wenn sie ihre Kunden nicht persönlich kennt: „Der Kundenservice steht bei mir an erster Stelle und darum bekommt man Ersatzteile sogar gratis zugesandt“, sagt Wiener. Sollte etwas kaputt gehen, müssen die Kunden nicht die ganze Flasche austauschen und wegwerfen. Nachhaltigkeit ist auch bei Reklamationen das Stichwort.

So viel kosten die Flaschen im Vergleich:

14,95 Euro kostet die 730 Milliliter große Flasche in Heike Wieners Shop. Im Vergleich dazu ist der Preise für die Elite Trinkflasche Supercorsa Clear bei Amazon 4,83 Euro. Sie soll nach Herstellerangaben ebenfalls kein Bisphenol A (BPA) enthalten. Der deutsche Hersteller Vaude bietet seine BPA-freie Trinkflasche mit 750 Milliliter bei Amazon bereits für 7,99 Euro an. Obwohl Vaude wert auf Nachhaltigkeit legt, gibt der Hersteller lediglich an, dass die Flasche in Deutschland gefertigt wird. Woraus der Kunststoff gewonnen wird, ist bei beiden Vergleichsprodukten unklar.

Kommentare