Mit „Boarisch to go“ durch die Krise: Kreative Unternehmen in Zeiten von Corona

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Schweinsbraten, Knödel, Käsespätzle und Co.: Die Rosenheimer Cateringfirma Prinzipal hört auch in der Coronakrise nicht auf, frische Gerichte zuzubereiten. Unter „Boarisch to go“ sind in Filialen der Bäckerei Bauer seit einer guten Woche fertig gekochte bayerische Schmankerl erhältlich.
  • vonAlexandra Schöne
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Sie alle haben innovative Ideen, um die Coronakrise zu überbrücken und ihr Geschäft weiterlaufen zu lassen. Über Nacht entstehen bei Prinzipal, dem Bellandris-Garten-Center und Bensegger neue Geschäftskonzepte und Lieferdienste. Aifinity in Rohrdorf stellt sogar neue Mitarbeiter ein.

Rosenheim/Landkreis– „Den Kopf in den Sand stecken hilft auch nicht.“ Mit diesem Motto schlägt sich Andreas Schmidt, Geschäftsführer der Rosenheimer Cateringfirma Prinzipal, durch die Coronakrise. Durch diese wird vor allem die gesamte Eventbranche stark in Mitleidenschaft gezogen: Veranstaltungen werden abgesagt, Aufträge storniert.

„Wir haben uns einfach mal hingesetzt und uns Gedanken gemacht: Was gibt es noch nicht?“, sagt Schmidt. So seien sie auf die Idee gekommen, bayerisches Essen zu produzieren und auszuliefern, da das in der Stadt eher noch Mangelware sei.

Mittlerweile sind acht Gerichte auf dem Menü. Von Käsespätzle über Kaiserschmarrn mit Apfelkompott über Schweinsbraten ist alles dabei. „Über Nacht haben wir noch eine Verpackungsmaschine bestellt. Die Behälter sind aus nachhaltiger Bagasse. Das besteht aus Zuckerrohrmelasse und ist biologisch abbaubar“, erklärt Schmidt.

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Der Partner für den Vertrieb der abgepackten Gerichte war ebenfalls schnell gefunden: Die Bäckerei Bauer mit Sitz in Stephanskirchen sagte ihre Hilfe zu. Jetzt stehen in neun Filialen in Rosenheim und im Umland Kühlschränke, jeden Tag vollgefüllt mit bayerischen Leckereien. Außerdem gibt es sie auch in den Prechtl-Edekamärkten in Bad Aibling, Raubling und Brannenburg.

Die Resonanz von Seiten der Kunden sei gigantisch. „Wir erhalten viel Zuspruch, die Leute freuen sich darüber. Viele bitten, dass wir das dauerhaft auf diese Weise anbieten“, berichtet Schmidt. „Ich glaube, dass wir so Menschen in der Krise helfen können. Sie bekommen bayerische Gerichte in guter Qualität zu fairen Preisen“, freut er sich.

Bayerische Gerichte auch nach Corona?

Der Geschäftsführer weist auf den Hoffnungsschimmer hin, den diese Aktion auch für sein eigenes Unternehmen darstellt. „Das tut vor allem dem Kopf und der Psyche der Mitarbeiter gut.“

Er könne sich vorstellen, mit „Boarisch to go“ auch nach Ende der Coronakrise weiterzumachen. „Wenn sich das jetzt schön etabliert, werden wir bestimmt überlegen, ob wir das fortführen“, so Schmidt.

Im Bellandris-Garten-Center Rosenheim heißt das Credo „Pflanzen für die Seele“. Kürzlich ist der Onlineshop an den Start gegangen, in dem Kunden ihren Bedarf an Pflanzen und Gartenzubehör decken können. „Das Sortiment bauen wir tagtäglich aus“, erläutert Geschäftsleiterin Daniela Nickl. Gefragt sei vor allem Erde, aber auch Pflanzen, Tierfutter sowie regionale Kräuter.

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Ein Lieferservice wurde ebenfalls installiert. Dieser bringt die Bestellungen zu den Leuten vor die Haustüre in insgesamt 29 Gemeinden. „Die Übergabe erfolgt natürlich kontaktlos. Die Lieferung wird einfach vor die Tür gestellt und die Bezahlung erfolgt über unsere Webseite“, unterstreicht Nickl. „Es ist eine tolle Lösung für uns. Das Garten-Center kann so weiterlaufen.“

Bei der IT-Firma Aifinity in Rohrdorf dreht sich statt um Gewächse und Mulch alles um Computer und Softwares – und auch dort hat man neue Ideen entwickelt. „Wir unterstützen Unternehmen immer, wenn Microsoft im Spiel ist und es um Home-Office-Anbindungen geht“, sagt Johann Ebert, Geschäftsführer von Aifinity. „Das Ziel ist, dass von jedem Computer überall sofort gearbeitet werden kann“, erklärt er.

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Das sei gerade in Zeiten von Corona äußerst wichtig. „Wir haben so viel Arbeit, dass wir sogar jetzt einen neuen Mitarbeiter eingestellt haben“, berichtet Ebert. „Jeder Angestellte hat in der vergangenen Woche rund 90 Stunden gearbeitet.“

In der Coronakrise hat Aifinity ein neues Projekt geschaffen, um die Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim zu unterstützen. „Wir spannen einen digitalen Rettungsschirm über die Region. Das ist ein Informationssystem, eine Art ‚Google lokal‘“, so Ebert. Auf einen Klick soll ein Nutzer, der im Internet zum Beispiel nach einem Optiker sucht, einen passenden Betrieb in seiner Nähe finden. Außerdem sollen eventuell geänderte Öffnungszeiten oder Onlineshops angezeigt werden.

Zeichen setzen: „Wir sind noch da!“

Die Buchhandlung Bensegger in Rosenheim hat in der Krise ihren Lieferservice auf private Haushalte ausgeweitet. „Wir versorgen seit vielen Jahren Firmen mit Büroartikeln. Jetzt können uns auch Privatkunden Bestellungen per Mail oder Telefon schicken“, erklärt Bensegger. „In der Stadt werden sie mit dem Fahrrad ausgefahren, außerhalb von Rosenheim mit dem Paketdienst.“ Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen. „Die Leute sollen sehen, dass wir als regionaler Partner noch da sind“, betont Bensegger.

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