TIERE IM WERT VON RUND 18 MILLIONEN EURO

Miesbach: Die bedeutendste Rinderrasse im Alpenraum wird in der Region vermarktet

Die Bewertungskommission in Miesbach bei der Arbeit. Die Rinder links haben ihre „Startnummer“ auf der Flanke: Eines nach dem anderen wird den Richtern vorgeführt.
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Die Bewertungskommission in Miesbach bei der Arbeit. Die Rinder links haben ihre „Startnummer“ auf der Flanke: Eines nach dem anderen wird den Richtern vorgeführt.

Der Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh Miesbach vertreibt seit 1892 die beliebte Rinderrasse. Doch durch den Lockdown fielen die großen Viehmärkte aus und der Handel geriet ins Stocken. Der Verband versuchte daher, das Beste für seine 1314 Mitgliedsbetriebe herauszuholen.

Miesbach – Für den Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh Miesbach gestaltete sich das Wirtschaftsjahr 2020 durchwachsen.

Bereits 1892 hatten sich Züchter aus der Region Oberbayern zusammengeschlossen und den Grundstein für den heutigen Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh gelegt. Die Zusammenarbeit der bäuerlichen Betriebe, die strenge Selektion bei den Tieren und Investitionen in neue Zuchtmethoden leisteten einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung des Fleckviehs, einer aus der Schweiz stammenden Rinderrasse.

Das Fleckvieh avancierte zur wichtigsten Rinderrasse im Freistaat – dazu trug auch die bayerische Veterinärverwaltung bei, die jetzt an den Landratsämtern angesiedelt ist. Die Behörde trieb die Bekämpfung von Rinderkrankheiten und Tierseuchen voran, sodass viele dieser Seuchen inzwischen nicht mehr auftreten.

Fleckvieh aus der Region gewinnt an Bedeutung

Mittlerweile zählt Fleckvieh zur bedeutendsten Rinderrasse im Alpenraum und ist durch seine Gesundheit und Leistungsbereitschaft weltweit gefragt.

Der Verband vermarktete im Jahr 2020 Zuchttiere im Wert von rund 18,2 Millionen Euro für seine 1314 Mitgliedsbetriebe. Dies ist ein gutes Ergebnis, da durch den Lockdown im Frühjahr zwei Großviehmärkte ausfielen. In dieser Zeit versuchte der Verband, durch Stallvermittlung und durch die Nutzung der Oberlandhalle als Tiersammelstelle Zuchttiere zu zufriedenstellenden Preisen zu vermitteln. Mit 1597 vermarkteten Jungkühen der Rasse Fleckvieh bediente der Verband zahlreiche Kunden im In– und Ausland. Der Zuchtverband Miesbach ist der größte Jungkuhvermarkter in Bayern. Dazu kommen 18 verkaufte Zuchtstiere an Besamungsstationen für die künstliche Besamung und 183 Zuchtstiere in den Natursprung. Natursprung ist die natürliche Begattung beziehungsweise Befruchtung eines weiblichen Nutztieres durch ein männliches Tier.

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Die größte Wertschöpfung für die Züchter erfolgte allerdings auf den wöchentlichen Kälbermärkten, wo 30 354 Kälber im vergangenen Jahr versteigert wurden. Damit zählt der Miesbacher Kälbermarkt zu den größten in Bayern. Er bildet das Preisbarometer für Fleckviehkälber im süddeutschen Raum.

Corona erschwert den Handel vor Ort

In Versammlungen im Winter werden Mitglieder in den Viehzuchtgenossenschaften informiert. Die diesjährigen Treffen fanden coronabedingt nicht statt. So informieren Züchter über neue Medien und Formate, wie Onlineveranstaltungen, die Mitglieder.

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Entscheidend ist, dass die Vermarktung von Tieren als systemrelevante Notwendigkeit durchgeführt werden kann. Für die kleinstrukturierte Landwirtschaft, in dieser geografischen Lage mit langen Wintermonaten, würde ein Vermarktungsstopp zu Problemen führen. Neben finanziellen Einbußen würden die Stallkapazitäten nicht ausreichen, um die Tiere tierschutzgerecht zu halten.

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Der Zuchtverband arbeitet nicht nur für seine Mitglieder, sondern engagiert sich auch für das Wohl der Bevölkerung in Miesbach. So errichtete der Landkreis Miesbach zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ein Testzentrum auf dem Parkplatz der Oberlandhalle. Bei einem Besuch machte sich Landrat Olaf von Löwis ein Bild und bedankte sich beim Vorsitzenden Johann Rauchenberger für die unbürokratische Bereitstellung der Anlage.

Miesbacher Anlage wird vielseitig genutzt.

Das Marktgelände fungiert auch als Sammelplatz im Oberland für Katastropheneinsätze, wie beim Schneechaos 2019. Der Parkplatz dient als Landeplatz für den Hubschrauber für das nahegelegene Krankenhaus in Agatharied. So wird die Oberlandhalle in Krisenfällen im Anspruch genommen. Und sobald es die Zeit erlaubt, steht die Halle wieder für gesellschaftliche Veranstaltungen offen .re

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