Mehr Urlauber im Rosenheimer und Traunsteiner Land

Idylle pur: Der Chiemsee lockt Jahr für Jahr Hunderttausende Urlauber an. 2019 waren es noch mehr als im vergangenen Jahr. Tourismusverband Chiemsee-Alpenland
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Idylle pur: Der Chiemsee lockt Jahr für Jahr Hunderttausende Urlauber an. 2019 waren es noch mehr als im vergangenen Jahr. Tourismusverband Chiemsee-Alpenland

Der Tourismus in der Region boomt: Die beiden Fremdenverkehrsverbände Chiemsee-Alpenland und Chiemgau melden für das Jahr 2019 einen Anstieg der Gästezahlen in Stadt und Landkreis Rosenheim sowie im Landkreis Traunstein.

Bernau/Traunstein – Die Region Südostoberbayern hat 2019 mehr Urlaubsgäste als im Jahr zuvor angelockt. Die Tourismusverbände Chiemsee-Alpenland und Chiemgau vermeldeten auf Basis der vorläufigen Zahlen des Landesamtes für Statistik einen Anstieg bei den Gästezahlen: Einen Zuwachs von 2,6 Prozent für die Stadt und 4,4 Prozent für den Landkreis Rosenheim gibt die Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH aus Bernau an. Der Chiemgau Tourismus mit Sitz in Traunstein registrierte 2019 knapp 790 000 Urlaubsgäste, im Landkreis Traunstein, das sind 3,4 Prozent mehr als 2018. Die endgültigen Ergebnisse werden für Ende März erwartet.

Mehr Nachfrage nach Entschleunigung

„Im Moment nehmen wir bei unseren Gästen eine verstärkte Nachfrage nach Angeboten zur Entschleunigung und bewusster Auszeit wahr“, sagt die Geschäftsführerin des Chiemsee-Alpenland Tourismusverbandes, Christina Pfaffinger. „Nachhaltigkeit und sanfter Tourismus liegen im Trend, unsere Region kann hier punkten. Nicht nur die einzigartige Natur und Landschaft, auch entsprechende Angebote und heimische Produkte erfüllen den Gästewunsch nach einem wertvollen Urlaubserlebnis.“ Neben den klassischen und sportlich-aktiven Angeboten seien daher auch Achtsamkeitswanderungen, sanfte Spazierwege und gemütliche Radtouren zu Hofcafés und Kirchen immer mehr gefragt.

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Gäste in der Stadt werden laut Pfaffinger animiert, sich bewusst Zeit zum Schauen und Bummeln zu nehmen. „Einen besonderen Fokus legen wir auf die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs der Region. Eine entsprechende Übersichtskarte, die im Frühjahr erscheint, soll den Gästen die Mobilität vor Ort erleichtern – und das ganz ohne Auto“, so die Geschäftsführerin.

Sehr erfolgreich sei man seit ein paar Jahren auch im Bereich barrierefreier Tourmismus. Dazu gehört auch eine Willkommensbroschüre in Leichter Sprache. „Diese hat als ein Nischenprodukt eine sehr große Resonanz erfahren und wird bereits nachgedruckt“, sagt Julia Zäch, Projektmanagerin für Gesundheit und Barrierefreiheit.

Ein Ziel von Chiemsee-Alpenland Tourismus ist zudem, die Orte bei der Besucherstromlenkung und die Gastgeber bei einer ganzjährigen Belegung zu unterstützen. „Wir sprechen die Gäste auch außerhalb der Hauptsaison mit zielgerichteten Angeboten an, um so die Saisonzeiten zu entzerren“, erläutert Pfaffinger.

Schaden durch Dumpingpreise

Ein besonderes Augenmerk legte der Verband jüngst auf das Thema Preisegestaltung, das bei einem Seminar näher beleuchtet wurde. Die renommierte Tourismusexpertin Ursula Düsterhöft erläuterte, warum sogenannte „Dumpingpreise“ auch Schaden anrichten. Sie betonte das Zusammenspiel von Qualität und Preis sowie die Differenzierung von Preisen in Bezug auf Kategorien, Saisonzeiten und Aufenthaltsdauer. Den anwesenden Vermietern riet Düsterhöft, ihre Preise selbstbewusst zu kommunizieren und Preislisten zu gestalten. Auf diese Art könne der Preis auch als wichtiges und bedeutendes Marketinginstrument fungieren, so die Expertin, denn das richtige Preis-Leistungs-Verhältnis forme die Erwartungshaltung künftiger Gäste.

Gäste bleiben zunehmend kürzer

Der Verband Chiemgau Tourismus wies in seinem Rückblick auf das vergangene Jahr darauf hin, dass sich der Trend zu kürzeren Aufenthalten fortgesetzt habe. Durchschnittlich entfielen laut Statistik auf jeden Gast 3,8 Nächte – im Jahr 2018 waren es noch 3,9. Der Chiemgau ist mit dieser Aufenthaltsdauer gemeinsam mit dem Berchtesgadener Land oberbayernweit führend. Zum Vergleich: 2016 lag die Aufenthaltsdauer bei 4,0 Nächten, 2013 bei 4,5.

Lesen Sie hier einen Bericht über die aktuellen Zahlen in der Region Inn-Salzach!

Der Trend zum Kurzurlaub hält seit Jahren an, sagt der Geschäftsführer von Chiemgau Tourismus e.V., Stephan Semmelmayr. Dennoch sei die Gesamtbilanz gut für die Region: „Die Tourismus-Statistik ist seit Jahren ein bisschen wie ein Hochdruckgebiet, das sich auf der Stelle dreht. Die Gäste bleiben zwar kürzer, aber durch unser konsequentes Marketing gelingt es uns, immer mehr neue Gäste für den Chiemgau anzulocken. Auf diese Weise bleiben die Zahlen und damit auch die Einkünfte für die Tourismusbranche stabil.“

Wichtiges Standbein für die Wirtschaft

Nach Auffassung des Tourismus-Experten sei dies essenziell für den Chiemgau, denn fast 10 000 Menschen lebten direkt oder indirekt vom Tourismus. Ein Rückgang der Gästezahlen, so der 51-Jährige, wäre früher oder später auch für die Einheimischen spürbar, und zwar beispielsweise in Form von Schließungen in Gastronomie und Einzelhandel.

Um den Tourismus im Chiemgau zielgruppengerecht zu entwickeln und dabei die Belange der Einheimischen zu berücksichtigen, findet nach Angaben des Verbands noch bis Ende Februar eine Telefonumfrage im Landkreis Traunstein statt.

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