Mehr als kalter Kaffee

Haben GOffeo gegründetund schwören auf „Cold Brew“: Dieter und Waltraud Wiesmüller aus Winhöring. re

Kaffee ist die große Leidenschaft von Dieter und Waltraud Wiesmüller aus Winhöring im Landkreis Altötting. Besser gesagt, ist es die Variante „Cold Brew“, die, wie der englische Name schon sagt, kalt aufgebrüht wird.

Winhöring – Über kalten Kaffee kursieren so manche Gerüchte – etwa, dass er schön machen soll. Tatsache ist: Cold Brew ist eine ernstzunehmende neue Nische, die den Kaffeemarkt erobert hat (siehe Infokasten). „Wir lieben den kalt gebrühten Kaffee, weil er intensiver schmeckt als heißer, die lange Ziehzeit im kalten Wasser, sowie die schonende Trommelröstung machen ihn bekömmlicher und man kann daraus viele weitere Kaffee-Getränke kreieren.“ Wenn Waltraud Wiesmüller über die Gründungsidee ihres noch jungen Start-ups GOffeo spricht, sprudeln sofort die Ideen aus ihr he raus.

Mit Tatendrang Hürden umschifft

So, wie bei einer der gemütlichen Kaffeepausen, zu der sie sich täglich einmal mit ihrem Mann trifft. „Manchmal auch nur für fünf Minuten“, erzählt die 44-Jährige, „aber dafür unterhalten wir uns dann intensiv und entwickeln unser kleines Unternehmen Schritt für Schritt.“ So gehe auch die Gründung von GOffeo Anfang des Jahres auf so eine Kaffeerunde zurück.

Inzwischen helfen auch Sohn und Tochter im Unternehmen mit. Gestartet haben die Wiesmüllers zunächst mit dem Verkauf von zertifiziertem Bio-Kaffee mit Schwerpunkt Mittel- und Südamerika in der umweltfreundlichen Verpackung, und einigen Zusatzprodukten, zum Beispiel „Kaffeebeutel“, in die ihr eigener Kaffee gefüllt ist: „Damit wollen wir auf Hotels und Gastronomie zugehen. Die kleinen Kaffeeportionen eignen sich auch zur Kaffee-Verkostung.“

Im Frühjahr 2019 ist es dann soweit und die ersten Chargen Cold Brew Coffee gehen in den Verkauf. Die vergangenen Monate hat das Winhöringer Ehepaar intensiv am neuen Produkt gearbeitet, zum Beispiel musste viel Zeit darauf verwendet werden, die passenden Deckel zum Trinkglas zu finden, in dem der Cold Brew dann zu haben sein wird: „Die Sache mit der Verpackung hat uns überhaupt erst darauf gebracht, dass man kalten Kaffee nicht nur im Plastikbecher anbieten sollte, sondern in einer umweltfreundlicheren Variante.“ Lehrreich, fügt Wiesmüller etwas lakonisch an, war die Anfangsphase der Gründung: So wurde zum Beispiel nach langer Recherche klar, dass ihr ursprünglicher Wunsch, schwarzen Cold Brew auf den Markt zu bringen, nur schwer realisierbar sein wird: „Schwarzer Kaffee unterliegt in Deutschland der Pfandpflicht; bei Kaffee mit mit 51 Prozent Milch ist das nicht der Fall. Das ist schwer nachvollziehbar.“ Für sie ist das Pfandsystem erst mal nicht machbar, denn der Handel nimmt kaum Produkte mit Glas-Einwegpfand auf. „Das macht es schwieriger, an den Einzelhandel heranzutreten.“

Zwar ist GOffeo GmbH biozertifiziert, wie übrigens alle in der Kette Beteiligten, angefangen beim Landwirt über den Röster bis zum Abfüller und Vertreiber. Abstand nehmen mussten die Gründer dennoch von der Ideen, den Bio-Kaffee selbst zu importieren: „Wegen unterschiedlicher Prüfergebnisse des zuständigen EU-Labors und unabhängiger Labore hängen aktuell Tonnen von Bio-Kaffee am Hamburger Hafen fest. Das könnten wir uns nicht leisten.“ Daher haben sich die Wiesmüllers für zwei Importeure entschieden. Auch konnten sie bislang wegen der teils sehr unsicheren politischen Lage in den Herkunftsländern ihres Kaffees noch nicht nach Guatemala, Kolumbien oder Mexiko reisen. „Wir wollen gern unsere Farmer kennenlernen und uns in Zukunft auch an sozialen Projekten vor Ort beteiligen. Aber das wird noch warten müssen.“

Langweilig wird der findigen Gründerin trotzdem nicht: Sie hat fleißig Kontakte zu regionalen Geschäften geknüpft, die auch jetzt schon die Kaffeesorten bei sich verkaufen. Für Kaffeeliebhaber bietet sie „Cuppings“ an, Verkostungen, um die unterschiedlichen Kaffeesorten kennenzulernen.

Mehrere Standbeine unter einem Dach

Die richtige Mischung – ob beim Kaffee oder bezogen auf die beruflichen Standbeine – spielt im Leben der Wiesmüllers eine große Rolle. Denn GOffeo ist ein Baustein darin, und seine Bedeutung soll wachsen, erzählt die Winhöringerin. Ursprünglich Krankenschwester („Im Krankenhaus habe ich nie Kaffee getrunken – er schmeckt dort einfach nicht“), ist sie seit über zehn Jahren Heilpraktikerin und befasst sich stark mit Ernährungsthemen. „Das Trinken von Kaffee ist immer wieder ein großes Thema meiner Patienten. Viele sind verunsichert, weil sie gehört oder gelesen haben, Kaffee sei schädlich oder fördere sogar Krankheiten.“ Dabei sei das wie mit vielen anderen Genussmitteln: „In Maßen und in guter Qualität genossen, ist überhaupt nichts gegen Kaffee einzuwenden.“

Ihre Praxis will Wiesmüller weiterführen, auch ihr Mann Dieter ist neben der Gründung noch voll berufstätig. Er ist als Industriemeister für Lebensmitteltechnik bei Alete im Werk Weiding tätig und bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Verarbeitung von Lebensmitteln mit. GOffeo möchte eine Brücke schlagen und zur Standorterhaltung beitragen: Aufgebrüht und abgefüllt wird der Cold Brew Coffee per Lohnherstellung nun bei Alete, freuen sich die Gründer.

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