„Ernten was man sät“

Maxlrainer Jungbrauer ernten nach Corona-Einsatz jede Menge Hopfen – und viel Lob

Lukas Stecker genießt den Duft des frischen Hopfens. Foto: re
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Lukas Stecker genießt den Duft des frischen Hopfens. Foto: re

Mit einer spontanen Aktion hatten sie im Frühjahr geholfen, personelle Engpässe, die durch die Corona-Pandemie beim Hopfenanbau entstanden sind, zu schließen. Jetzt durften die Jungbrauer aus Maxlrain bei Tuntenhausen der „faszinierenden“ Verarbeitung des Rohstoffs Hopfen in der Hallertau beiwohnen.

Von Wolfgang Schuhmann

Tuntenhausen – „Ernten was man sät“ – nicht ganz, aber fast sind diesem Sprichwort jetzt einige Jungbrauer aus Maxlrain bei Tuntenhausen in der Hopfenanbauregion Hallertau nachgekommen. Denn der Hopfen, den sie im Frühjahr in einer spontanen Helfer-Aktion bei einem befreundeten Betrieb auf den Feldern angeleitet hatten, war jetzt reif – und so erlebten sie die Verarbeitung hautnah mit.

Grenzen auch für Saisonarbeiter geschlossen

Durch die Schließung der Grenzen im Frühjahr aufgrund der Corona-Pandemie konnten bewährte und langjährige Saisonarbeiter aus dem benachbarten Ausland nicht mehr einreisen. Die Feldarbeit war für die Betriebe kaum noch zu bewältigen und die Mehrkosten für kurzfristig angeheuerte und ungeübte Aushilfskräfte waren beträchtlich.

Entscheidend für die Entwicklung

Denn das „Hopfenanleiten“, bei dem die jungen Hopfentriebe gesäubert und an den Drähten fixiert werden müssen, ist entscheidend für die Entwicklung und die spätere Ernte. Es will gelernt sein und ist ungemein anstrengend – das erlebten auch die beiden Jungbrauer, die der Maxlrainer Braumeister Josef Kronast dem Landwirt Toni Wittmann im April für diese Arbeit geschickt hatte. Schließlich bezieht Maxlrain seinen Qualitätshopfen ausschließlich von Wittmann im kontrollierten Vertragsanbau – und auch in der Brauerei sah man die Hopfenversorgung aus der Hallertau in Gefahr.

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In schwindelerregender Höhe werden die Hopfenranken von den Drahtseilen geschnitten. Foto: Gerard

„Das war eine Knochenarbeit. 14 Tage im Sitzen bei der Kälte die Hopfenpflanze zuzuschneiden und an den Drähten anzubringen. Wir waren schon nach zwei Tagen völlig geschafft und hatten einen schrecklichen Muskelkater. Aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht,“ erinnert sich Andreas Höhensteiger, einer der beiden Helfer. „Ich hatte bisher unterschätzt, welch hoher Aufwand für unsere besten Rohstoffe aus der Natur nötig sind.“

Wittmann war sehr dankbar für die Unterstützung aus Maxlrain und hatte versprochen, die Burschen zur Ernte einzuladen – nicht, um mitzuarbeiten, sondern um ihnen zu zeigen, wie man den Hopfen sachgerecht erntet und dann schonend „putzt“ und weiterverarbeitet. „Zum Glück hat sich die Situation mit Corona etwas entspannt und so konnten wir wieder auf unsere langjährigen Erntehelfer zurückgreifen,“ erzählt der Hopfenlandwirt erleichtert.

Schritt für Schritt bei der Verarbeitung

So fuhr Braumeister Josef Kronast jetzt mit seinen Nachwuchsbrauern in die Hallertau. Wittmann nahm sich viel Zeit für die Besucher und zeigte ihnen wie Schritt für Schritt der Hopfen geerntet und anschließend verarbeitet wird. „Es war ein super Ausflug und bestärkt mich noch mehr, mich für diesen besonderen Beruf entschieden zu haben“, zeigte sich beispielsweise Tyran Braun, der seine Ausbildung in Maxlrain erst zum 1. September begonnen hatte, begeistert.

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Grün, so weit das Auge reicht. Foto: Gerard

Die Reben werden bei der Ernte mit einer speziellen Vorrichtung unten abgeschnitten und fallen dann auf den Ladewagen. Oftmals muss auf knapp zehn Metern Höhe per Hand nachgeholfen werden. Dann werden die Ranken zur Pflückmaschine gebracht und Dolden und Blätter von der Rebe getrennt. Übrig bleibt die Dolde, welche in der sogenannten Darre bis auf einen Wassergehalt von maximal zehn Prozent getrocknet wird. Anschließend werden die Dolden verpackt und ins Kühlhaus befördert, um sie bis zur Weiterverarbeitung schonend zu lagern. „Trotz der trockenen Witterungsverhältnisse im Frühjahr haben zum Glück die ausreichenden Niederschläge und größtenteils gemäßigten Temperaturen im Sommer für eine gute Ernte gesorgt. Wir müssen in der Hallertau also zufrieden sein“, sagt Wittmann.

Belastungen durch Corona

Allerdings belastet das Corona-Thema weiterhin auf der Kostenseite: „Zwar können jetzt meine Helfer wieder einreisen, der administrative Aufwand und die damit auch verbundenen Kosten sind jedoch erheblich. Wir können zwar das Hygienekonzept vor Ort problemlos sicherstellen, immer neue Regelungen und die Pflicht der Vorlage eines negativen Corona-Tests vor Arbeitsantritt war jetzt in den Sommerferien ein großes Theater.“ So hoffen die Hallertauer Landwirte, dass sich bis April 2021 die Dinge endlich wieder normalisieren.

„Ineressant und lehrreich“

Eine Hoffnung, die auch der Maxlrainer Brauernachwuchs hegt. Auch wenn die Teilnehmer der Fahrt in die Hallertau nicht missen möchten. So fand es Azubi Lukas Stecker „faszinierend, was aus den kleinen Trieben, die wir im März angeleitet haben, entstanden ist“. Auch Azubikollege Peter Gratz fand den Verarbeitungsprozess „interessant und lehrreich“. Aussagen, die wiederum Josef Kronast freuen: „Für mich ist es großes Anliegen und zugleich eine große Freude, die Faszination für unsere natürlichen Rohstoffe aus Bayern bei den jungen Brauern zu wecken.“

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