Der Marken-Macher für Manager: Thomas Reck macht mit 20 Jahren Karriere

Thomas Reck aus Prien unterstützt von Berlin aus Akteure der Technologiebranche bei ihrem LinkedIn-Auftritt. Sein Start up beschäftigt zehn Mitarbeiter.

Eben saß er noch auf der Schulbank, jetzt zeigt Thomas Reck, 20 Jahre jung, Unternehmern und Managern, wie sie durch Social Media ihr Profil schärfen. Sein Start up hat sich auf LinkedIn spezialisiert.

Berlin/Prien – Es ist erst ein paar Monate her, da hat Thomas Reck sein Abi an einem Traunsteiner Gymnasium gemacht. Jetzt sitzt er in einem Büro mitten in Berlin und hilft Führungskräften und Unternehmern dabei, sich auf der Online-Karriere-Plattform LinkedIn optimal zu präsentieren. Sein Start up, die Beratungsagentur Insight, hat er schon Anfang des Jahres gegründet. Statt auf Parties zu gehen, erzählt Reck, habe er rund ums Abi bereits Zwölf-Stunden-Tage geschoben, „auch am Wochenende“, um seine Firma aufzubauen.

Social Media macht aus Menschen Marken

Aber der Reihe nach. 2018 zieht es den Gymnasiasten, der bis dahin „eigentlich gar nicht viel mit Social Media zu tun hatte“ nach New York, um sein Englisch zu verbessern. Aus Spaß fängt Reck an, nebenher zu fotografieren und teilt seine Bilder über LinkedIn. Die Plattform lädt zu lokalen Veranstaltungen ein, die Reck besucht. Dort trifft er das erste Mal auf Akteure aus der Wirtschaft. „Mir ist aufgefallen, dass sie offline eine gute Präsenz haben, diese online aber oft vernachlässigen“, stellt der Schüler damals fest. Ein schlechtes, zu privates oder gar kein Foto, unvollständige oder zu knappe Informationen zu Person, Werdegang und Unternehmen – Reck findet schnell heraus, was auf LinkedIn nicht gut ankommt. Profile, die unterm Radar der LinkedIn-Gemeinde laufen, bringen keine Kontakte und sind geschäftlich praktisch unbrauchbar, erklärt Reck. Rasch hat er erste Interessenten, die er berät – zunächst kostenlos. Erst als er aus New York zurück im Chiemgau ist, beginnt er, ein Geschäft daraus zu entwickeln. Er pendelt zwischen der Schule in Traunstein, dem Elternhaus in Prien und Berlin – denn da sitzen seine ersten zahlenden Kunden. Inzwischen ist er ganz in die Hauptstadt umgezogen.

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Social Media Branding nennt sich, was er nun beruflich macht: Marken über Soziale Medien aufbauen. Menschliche Marken. Nirgendwo geht das heute schneller und mit größerer Reichweite als im Internet. LinkedIn ist für Unternehmer, Fach- und Führungskräfte sowie Manager mittlerweile ein gefragtes Karriere- und Kontaktenetzwerk im Internet. Marketingexperten werten das Businessportal LinkedIn als die weltweit beliebteste Social-Media-Plattform; 98 Prozent der Top-500-Unternehmen nutzen sie – auch wenn sie sich längst nicht überall als Marketinginstrument durchgesetzt hat. Denn das Portal hat auch Konkurrenz, etwa Xing aus Deutschland, das 16 Millionen registrierte Nutzer hat.

Konzerne setzen eher auf LinkedIn

Was jedoch Reichweite und damit das Potenzial an möglichen Kontakten betrifft, ist LinkedIn den Zahlken zufolge derzeit kaum zu toppen: Das Netzwerk, das zu Microsoft gehört, gibt an, über 500 Millionen registrierte Nutzer in mehr als 200 Ländern zu haben – deutsche Mitglieder: 13 Millionen – und zu den 50 meistaufgerufenen Websites zu gehört.

Constanze Wolff, Autorin des Buches „Xing für Dummies“ ist überzeugt, dass in Deutschland Xing zum Standard gehört. Wer für ein deutsches Unternehmen hauptsächlich in Deutschland arbeitet, komme an der Plattform nicht vorbei. Laut Stephan Koß, Autor von „LinkedIn für Dummies“, sei Xing eher bei Freiberuflern beliebt, LinkedIn spreche eher Angestellte in Konzernen an. Thomas Reck, der mit seiner Agentur in Berlin bereits zehn freie Mitarbeiter beschäftigt, sieht für seine Kunden bei LinkedIn noch mehr Vorteile: „Das Netzwerk hat sich von der Job- zur Contentplattform weiter entwickelt, bietet zum Beispiel ein Video-Feature an. Es ist möglich, sich dort so zu präsentieren, wie auf Instagram.“ Ein gut gepflegtes LinkedIn-Profil schaffe „enorme Sichtbarkeit“, erzählt er weiter. Wie in der analogen Welt auch, zähle online der erste Eindruck von einer Person. Eher schwache Profile von Geschäftsführern, Angestellten und Unternehmern können ein schlechtes Licht aufs Unternehmen selbst werfen. „Umgekehrt machen professionelle, interessante Personenprofile auch das Unternehmen attraktiver.“ Außerdem könne der Nutzer seinen Expertenstatus untermauern, um interessant für Geschäftspartner, mögliche Auftraggeber oder Headhunter zu sein. Oder um die Expertise seines Arbeitgebers zu stärken.

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Reck bewegt sich mit seinem wachsenden Kundenstamm in der Technologie-Branche. „Es ist wichtig, dass auch wir uns da bestens auskennen“, sagt er über seine Arbeit. Entsprechend beschäftigt er sogar Ghostwriter für seine Kunden.

Er ist halb so alt wie seine Klienten

Mit der Beratung zum perfekten Profil ist Recks Aufgabe längst nicht erledigt: Social Media und die Pflege des Auftritts dort ist ein Ganzjahres-Job. Wer Reck und sein Team beauftragt, will rundum betreut sein. Profile müssen aktualisiert und erweitert werden, gerade in der schnelllebigen Tech-Welt. Das lassen sich Recks Klienten im Jahr und pro Person mitunter eine fünfstellige Summe kosten – weniger, als die geschäftlichen Kontakte wert sind, die mit einem ordentlichen Profil gewonnen werden können. Reck hat daher seine Website in Englisch angelegt.

Dass er oft mindestens halb so alt ist wie die Manager, die er berät, sei noch nie ein Thema gewesen, versichert der Priener. Auch nicht, dass er frisch aus der Schule komme. Für ein Studium habe er keine Zeit mehr. Social Media entwickle sich so schnell weiter, da seien Studieninhalte binnen Monaten schon wieder veraltet. Alles, was er seinen Klienten für LinkedIn empfiehlt, testet er erst einmal an seinem eigenen Profil aus und erweitert so täglich sein Know-how. „Marketing kommt vom Machen“, sagt Reck selbstbewusst.

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