Interview mit Alex Giesecke und Nico Schork zur Lern-App Simple Club: "Online Lernen funktioniert!"

Als Elftklässler haben Alex Giesecke und Nico Schork ihre eigene Lernhilfe-App „Simple Club“ gegründet. Heute sind sie Youtube-Stars und Vorbilder für junge Unternehmensgründungen und kommen nach Kolbermoor ins Kesselhaus.
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Ort und Alter sind für erfolgreiche Unternehmensgründungen nicht ausschlaggebend. Die YouTube-Stars und Gründer von Deutschlands erfolgreichster Lernapp ‚Simpleclub‘, Alex Giesecke und Nico Schork, sind hierfür ein Beweis. 

Rosenheim/Kolbermoor – Am Dienstag, den 8. Oktober, findet ein Informationstag für junge Unternehmer im Kesselhaus statt. Im Vorfeld der Veranstaltung können junge Gründer beim „Meet &Greet“ Alex Giesecke und Nico Schork kennenlernen. 

Mehr Zeit, um über ihre Erfahrungen als Jungunternehmer zu berichten, hatten die beiden jedoch schon im Vorfeld: Im Interview mit den OVB Heimatzeitungen. 

Wie sind Sie auf die Idee zu "Simple Club" gekommen?

Alex: Wir sind auf die Idee gekommen, als wir in der elften Klasse waren. Wir wollten etwas im Internet starten und haben mitbekommen, dass unsere Mitschüler riesige Probleme mit Mathe hatten und ins Netz zu YouTube gegangen sind, um Videos zu finden, die ihnen weiterhelfen. 

Das haben wir dann auch gemacht und festgestellt, dass alle Videos zu diesem Thema unglaublich schlecht waren. Also haben wir uns das Ziel gesetzt, die coolsten Mathe-Nachhilfe-Videos in Deutschland zu machen. Über die Zeit haben wir dann immer mehr Videos produziert, die Fächer ausgeweitet und sind irgendwann von YouTube weggegangen und haben unsere eigene Lern-App aufgebaut.

Wie war die eigene Schulzeit?

Nico: Wir waren ganz normale Schüler, in naturwissenschaftlichen Fächern gut, aber keine Streber. Wir sind auch auf Partys gegangen und haben gefeiert. Im Großen und Ganzen waren wir gute Schüler, die ohne großen Aufwand durch die Schule gekommen sind.

Ein gutes Netzwerk ist Gold wert

Gründungsidee und –umsetzung sind oft zwei Paar Stiefel. Was hat Sie letztlich zum entscheidenden Schritt gebracht?

Alex: Wir haben in der elften Klasse angefangen, unsere Idee umzusetzen und wir wussten damals noch gar nicht, dass wir hier gerade ein Unternehmen aufbauen. Wir hätten uns damals genau eine Organisation wie Startup Teens gewünscht, die uns zeigt, was Gründertum ist, die uns am Anfang Tipps gibt, wo Fehler lauern und wie man es richtig macht. Zum Beispiel haben wir keine Testings gemacht, sondern Videos produziert, wie wir sie cool fanden.

Was können Sie anderen jungen Gründern empfehlen beziehungsweise an die Hand geben?

Nico: Man benötigt ein gewisses Maß an Ausdauer und Fokus. Und keinesfalls sollte man ein gutes Netzwerk unterschätzen. Das ist gerade am Anfang besonders wichtig, um erfolgreich zu sein.

Unglaublich viel Ausdauer

Hatten Sie Rückschläge, wenn ja welche und wie sind Sie damit umgegangen? Was können Sie hier anderen empfehlen?

Alex: Als wir die ersten Videos bei YouTube hochgeladen hatten, glaubten wir, damit reich zu werden. Nach den ersten sechs Monaten und vielen Videos hatten wir aber erst genau zehn Dollar verdient. Es war am Anfang unglaublich hart, aus der großen Masse an Videos herauszustechen und überhaupt die eigene Zielgruppe zu erreichen. 

Deshalb würden wir Teenagern, die eine eigene Idee für ein Startup haben, mitgeben, dass er unglaublich viel Ausdauer braucht aber auch, dass es unglaublich viel Spaß macht. Durch Unternehmertum hat man die Möglichkeit, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, Probleme für eine große Menge an Leuten zu lösen und etwas zu erschaffen, was etwas verändert.

Fokus auf die wichtigen Dinge

Führt die Devise „Kurz und knackig“ zum Erfolg…

Nico: Kurz und knackig habe ich ehrlich gesagt in dem Zusammenhang noch nie gehört (lacht). Was auf jeden Fall zum Erfolg führt ist unserer Meinung nach 80/20 - also Paretoprinzip. Also was sind die wirklich wenigen Dinge, die zum Erfolg führen? Man sollte sich nicht in Perfektionismus verliert, weil das unglaublich viel Zeit kostet und am Ende keine großen Unterschied für das Endergebnis macht – aber dabei trotzdem nicht schlampig werden und keine Qualität einbüßen! 

Was ist das Ergebnis, das ich erzielen will und was ist der schnellste und beste Weg um dahin zu kommen. Wenn man das immer macht, dann kommt man zum Erfolg.

Nachhilfe ist ja ein großer Markt geworden. Was zeichnet gute und schlechte Angebote aus? Wo sehen Sie hier Ihren entscheidende Vorteile?

Alex: Wir glauben, dass gute Angebote sich dadurch auszeichnen, dass sie genau das bieten, was ein Schüler braucht und diesen Nachhilfecharakter gar nicht erst entstehen lassen. Unserer Meinung nach darf man es erst gar nicht zu dem Fall kommen lassen, dass man Nachhilfe benötigt. Das ist auch das Ziel von simpleclub: Wenn der Schüler lernt, hat er uns als Werkzeug, dass er nebenbei benutzt um sofort alles zu verstehen und gar nicht erst in die Falle zu tappen, dass er Nachhilfe braucht.

Erklären, nicht belehren 

Viele Eltern fragen sich, wie sie ihre Kinder zum Lernen motivieren können. Haben Sie Tipps?

Nico: Ich glaube, dass es für Eltern generell schwierig ist, das Kind tagtäglich zu motivieren; zum Beispiel, weil die Kinder in der Pubertät sind und generell nicht immer auf das hören, was die Eltern sagen. Viel wichtiger für die Motivation ist, dass die Kinder ein Vorbild haben und wissen, wohin sie damit kommen können – auf realistische Art und Weise. V

iele denken, sie werden später YouTuber. Die sind reich und verdienen mehr, als ihre Eltern, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Man kann auch als Angestellter oder wenn man ein eigenes Unternehmen gründet etwas bewegen. 

Bei Startup Teens auf den Veranstaltungen sehen wir immer wieder, dass es Jugendliche heftig bewegt, wenn sie auf Gleichgesinnte treffen, die auch etwas reißen wollen. Sie erkennen dass es wichtig ist, an sich zu arbeiten und nicht nur in der Schule gut zu werden, sondern seine Ziele zu verfolgen.

Sie sind schon in vielen Haushalten zu Hause und maßgeblich an Lernerfolgen beteiligt. Was macht in Ihren Augen Ihren Erfolg aus?

Alex: Das Wichtigste ist, dass wir alles auf Augenhöhe erklären und nicht belehren. Wir versetzen uns in die Schüler hinein und erklären es so, wie sie es von einem Kumpel hören würden. Dadurch merken sie: Ey, das ist gar keine abstrakte Raumfahrttechnik, sondern etwas, dass ich verstehen kann. Außerdem braucht es immer erstmal einfache Beispiele - selbst, wenn die das Thema am Anfang noch nicht perfekt darstellen. Aber am Anfang mit Definitionen anzufangen und am Schluss Beispiele zu reichen, ist die dümmste Art, etwas zu erklären.

Hand in Hand mit dem Schulsystem

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Schülern, Lehrern und Eltern?

Nico: Wir erhalten fast durchweg positive Rückmeldungen. Witzigerweise auch von Lehrern, die unsere Inhalte dann im Unterricht verwenden. Die typischen Kritiker sind eher Ältere, die generell Sachen online nicht gut finden und glauben, dass Online-Lernen nicht funktioniert. 

Aber zu 99 Prozent haben wir positive Rückmeldungen von allen drei Zielgruppen.

Unterricht und Schulbücher sind oftmals alles andere als leicht verständlich. Sehen sie hier einen weiteren Bereich in Lehrerfortbildung oder in Kooperationen mit Kultusministerien und Co.?

Alex: Wir wollen auf jeden Fall jetzt verstärkt in Richtung Politik gehen und Simpelcub dort positionieren. Eben weil wir glauben, dass es nicht sinnvoll ist, ein Parallelsystem zu erschaffen, das in Konkurrenz zum eigentlichen Schulsystem steht. Wir müssen da an einem Strang ziehen und die Sache gemeinsam nach vorne bringen. Das betrifft nicht nur unsere Schulfächer, die wir im Bereich simpleclub haben, sondern auch Entrepreneurial Education, wie bei Startup Teens. Es darf nicht sein, dass das in der Schule gar kein Gewicht hat, sondern es muss eher Hand in Hand gehen.

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