Ein Kunstwerk verbindet die Welten

In der Metallkonstruktionverbaute Spiegel öffnen das Leben nach außen. re

Wasserburg/Kopenhagen – In Kopenhagen steht neben dem größten Friedhof Dänemarks ein ehemaliges Krematorium, das heute als Zentrum für modernen Tanz genutzt wird – an sich schon eine eher ungewöhnliche Angelegenheit.

Dieses Krematorium ist von einer Mauer umgeben, die das Gebäude nach außen hin abschirmt. Ein Wasserburger Metallbaubetrieb war maßgeblich an der Herstellung und Installation eines Kunstwerks beteiligt, das die beiden Welten innerhalb und außerhalb der Mauer miteinander verbindet.

KaleidoskopischerEffekt tritt ein

Bispebjerg Platz 1, Kopenhagen. Hier befindet sich das Zentrum für modernen Tanz „Dansekapellet“ (Tanz-Kapelle). Das war nicht immer so. In früheren Zeiten wurde die Kapelle, in der heute getanzt wird, als Krematorium genutzt. Das Tanzzentrum ist stark frequentiert und ein beliebter Treffpunkt für tanzfreudige Kopenhagener. Allerdings ist die Dansekapellet durch eine rund verlaufende, lange und hohe Mauer von der Außenwelt abgeschirmt, was lange Zeit zur Folge hatte, dass sich das dynamische Treiben hinter den Mauern völlig losgelöst von der Außenwelt abspielte.

Vor einiger Zeit befand die Tanzschule, es wäre doch wünschenswert, das in sich geschlossene Ensemble stärker nach außen zu öffnen und einen Übergang zum städtischen Leben zu schaffen. Sie trat mit ihrem Wunsch an den Carlsberg Kunstfonds heran, welcher wiederum den Münchener Künstler Thilo Frank beauftragte, eine außergewöhnliche Lösung für dieses Vorhaben zu finden.

Thilo Frank, der sich bereits mit Ausstellungen und Projekten auf der ganzen Welt einen Namen in der internationalen zeitgenössischen Kunstszene gemacht hat, war lange Jahre auch für Olafur Elliason tätig und unterhält somit eine ganz spezielle Beziehung zu Kopenhagen. Er entwarf in Zusammenarbeit mit dem Architekten Phillip C. Reiner das Kunstwerk „Sonic“, eine Installation aus 222 in einer Metallkonstruktion verbauten Spiegeln, welche die Außenmauer der Dansekapellet zieren und mit einem kaleidoskopischen Effekt – vergleichbar mit einem U-Boot-Periskop – Elemente von der Straße in den Hof reflektieren und umgekehrt. So wird jeweils ein Blick auf die andere Seite der Mauer ermöglicht, der geschützte Hof bleibt aber trotzdem erhalten. Für die Umsetzung seines Entwurfs von „Sonic“ war Thilo Frank nun auf der Suche nach einem Unternehmen, das in der Lage war, seine Vorstellungen in planerischer, ausführungstechnischer und logistischer Hinsicht zuverlässig umzusetzen und außerdem das notwendige Gespür für die künstlerische Herangehensweise aufbrachte. Diesen Partner fand er in der Firma Hutterer Stahlbau und Metallbau GmbH aus Wasserburg am Inn, einem Familienbetrieb, der mittlerweile in der dritten Generation geführt wird und in der Region als namhafter Ansprechpartner für unterschiedlichste Belange gilt, die mit dem Thema Metall zu tun haben. In der Regel bedient die Firma Hutterer ihre Kunden in einem Umkreis von maximal 60 Kilometer rund um Wasserburg am Inn, somit stellte das Projekt in Kopenhagen für die beteiligten Mitarbeiter etwas durchaus Außergewöhnliches dar.

Für die Firma Hutterer beziehungsweise deren Werkstattmeister Markus Wild, der das Projekt leitete, begann das dänische Abenteuer im Oktober 2018, als in Wasserburg zunächst ein Prototyp für das Kunstwerk gefertigt wurde.

Im November 2018 reiste Wild dann erstmals nach Kopenhagen, um den Prototypen probeweise auf die Mauer der Dansekapellet zu montieren und mit der firmeneigenen Lasermesstechnik die digitale 3D-Vermessung der großen Mauer vorzunehmen. Die daraus gewonnenen Daten wurden dann vom Studio Thilo Frank ausgewertet und als Grundlage für die weitere Planung und Konstruktion verwendet.

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